Berzelius kann die engen Ketten sprengen

Bleihütte erwirbt benachbartes Vauka-Gelände. 22 000 Quadratmeter Expansionsfläche in der Tallage. Logistik wird angepackt.

Fotos: J. Lange / Berzelius
Fotos: J. Lange / Berzelius

Die Stolberger Industrie ist überwiegend dort zu Hause geblieben, wo sie vor langer Zeit gegründet worden ist. Das gilt nicht nur für die Kupfermeister und ihren Nachfolger, sondern auch für die Berzelius Bleihütte, die 1846 von einer französischen Interessengruppe an der Stelle des Kupferhofs Binsfeldhammer entstanden ist. Die einst idyllische Lage im Tal der Vicht ist mittlerweile ein Handicap. Der Bleihütte fehlt es an Erweiterungsfläche. „Unser Werk ist eingeengt zwischen Aurubis, Bach und Zweifaller Straße sowie Bahn und Naturschutzgebiet“, sagt Dr. Urban Meurer. Mit 130 000 Quadratmetern Werksfläche – inklusive der von der Firma Linde betreuten Schwefelsäure-Anlage – muss der Geschäftsführer behutsam wirtschaften, um die Produktion aktuellen Anforderungen anpassen zu können. Zur Hütte zählen zwar streng genommen weitere 250 000 Quadratmeter Fläche, aber die stehen als Naturschutzgebiet, Halde und Regenrückhaltebecken nicht für einen Werksbetrieb zur Verfügung.

 

Schon bei den Millionen Euro schweren Investitionen der vergangenen Jahre, etwa 2009 in die Sauerstoffzerlegungsanlage oder jüngst in die neue Silberhütte, mussten Produktionseinheiten auf dem historisch gewachsenen Werksgelände neu angeordnet werden. Auch für neue Expansionspläne, mit denen sich Meurers Team im Verbund des amerikanischen Quexco-Konzerns für einen Zuschlag bewerben möchte, muss genau überlegt werden, wo und wie sie realisierbar wären.

 

Entlastung und neues Potenzial in dieser angespannten Platzsituation bietet nun eine ganz frische Neuerwerbung der Berzelius-Hütte: Meurer ist es gelungen, das benachbarte Gelände der Vauka Ketten GmbH zu erwerben. Das Unternehmen, das seit 17 Jahren zum Monheimer Familienunternehmen Pösamo gehört, hat jüngst seine Stolberger Produktionsstätte nach Düren verlagert. Noch recht frisch ist die Tinte unter dem Notarvertrag zur Übernahme der rund 22 000 Quadratmeter Fläche durch die Bleihütte.

 

„Ich bin erst einmal froh, dass uns das gelungen ist“, sagt Urban Meurer, der sich als neuer Eigentümer-Vertreter noch einem gewerblichen und einem privaten Mieter auf dem Areal vorstellen möchte. Aber mittelfristig möchte Berzelius das Gelände für eigene Zwecke nutzen.

 

Eine der ersten Ideen am Stolberger Standort ist es, die Logistik zu optimieren. Vor allem in den Morgenstunden sorgen lange Lkw-Kolonnen für Behinderungen und gefährliche Situationen auf der Zweifaller Straße. Bislang fehlt auf dem Werksgelände einfach der Platz, die wartenden Laster von der Landesstraße zu holen. 100 bis 120 Lkw steuern werktäglich Binsfeldhammer an, um vor allem die Produkte der Bleihütte auszuliefern.

 

Ihre Rohstoffe bezieht das Unternehmen bereits per Eisenbahn. Die komplexen Konzentrate und Erze werden per Schiff mittlerweile in Vlissingen angelandet, dort nach den Stolberger Erfordernissen konfektioniert und auf dem Schienenweg direkt ins Werk geliefert. Kamen bis zum Ausbau der Silberhütte drei Züge á 20 Waggons wöchentlich noch aus Antwerpen, sind die Transporte aus Vlissingen bereits 24 Waggons lang. „Dies dokumentiert auch unser großes Interesse an einem Aufbau des Euregio-Railports am Stolberger Hauptbahnhof“, erläutert Meurer.

 

Der ist ebenso noch Zukunftsmusik, wie die Nutzung des Vauka-Geländes nicht ausgereift ist. Auch wenn ein zunächst provisorischer Lkw-Port dort denkbar ist, soll zunächst eine Industrieplanung Aufschluss geben über die möglichst sinnvollste Verwendung der sensiblen Grundstücks-Ressource. Anfang 2014 hatte das Unternehmen gemeinsam mit einem Fachbüro das Werksgelände genau analysiert. Verwaltungs- und Produktionsgebäude, die Wege der Herstellungsprozesse und der Güter wurden hinterfragt und Alternativen untersucht, unverzichtbare Einheiten ebenso benannt wie Bereiche, von denen Berzelius sich trennen kann. Am Ende des mehrtägigen Prozesses stand eine Art Strickmuster, wo und wie sich das Unternehmen am gegebenen Standort am besten weiterentwickeln kann.

 

„Und solch eine Industrieplanung werden wir nun erneut vornehmen“, so betont Meurer, „um möglichst das Optimum für die zukünftige Entwicklung unserer Bleihütte zu erreichen“. Die frisch gewonnene Erweiterungsfläche ist zu wertvoll für vorschnelle Entschlüsse. Mit anderen Worten ist es zum jetzigen Zeitpunkt völlig offen, ob auf dem Vauka-Gelände einmal ein Logistik-Port oder eine andere Werkseinheit des Unternehmens angesiedelt werden kann.

 

Immerhin hat die Stadt Stolberg bereits signalisiert, dass über eine Verlegung des Fußweges entlang des Vauka-Geländes gesprochen werden kann.

 

Zudem muss noch innerhalb des Konzernverbundes die Finanzierung abgestimmt werden für das, was auch immer auf dem Vauka-Areal geschehen soll. „Denn letztlich ist das für uns ein Business Case“, sagt Meurer – ein Geschäftsszenario, das auf seine Rentabilität hin geprüft werden muss. Es bleibt spannend, wie sich das Bild am Binsfeldhammer verändern wird.

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

Bürgermeister der Stadt Stolberg
Dr. Tim Grüttemeier

 

Rathaus

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