Vom Boxring geht“s zurück in den Hörsaal

Max Keller ist Amateur-Boxer. Nach der WM will er sich auf sein Studium konzentrieren. Teilnahme an Deutscher Meisterschaft steht noch nicht fest.

Foto: Sonja Essers
Foto: Sonja Essers

Knapp vier Wochen ist es her, dass Max Keller das letzte Mal im Boxring stand. Eine ungewöhnlich lange Zeit für den 25-Jährigen, der normalerweise bis zu sieben Mal in der Woche trainiert. Für Max Keller ist das Boxen längst mehr als nur ein Hobby. Im vergangenen Monat nahm der Stolberger Ausnahmesportler sogar an der Weltmeisterschaft in Hamburg teil. Doch im Achtelfinale war für den Stolberger Superschwergewichtler Schluss. Keller verlor gegen Kamschibek Kunkabajew, der es ins Finale schaffte, dann allerdings selbst scheiterte. Ob er an den Deutschen Meisterschaften im Dezember teilnimmt, weiß Keller momentan noch nicht. Schließlich steht für ihn erst einmal ein wichtigeres Ziel im Vordergrund: In den kommenden Monaten will er sein Psychologie-Studium abschließen.

 

In den nächsten zwei Wochen will er entscheiden, ob zwischen der Vorbereitung für seine Masterarbeit noch genügend Zeit für die Wettkampfvorbereitungen ist. Acht Wochen Vorbereitungszeit seien ideal, Max Keller würden allerdings auch fünf bis sechs Wochen reichen, um wieder in Form zu kommen. „Eine gewisse Grundlagen-Fitness hat man ja schon“, sagt er.

 

Max Keller ist übrigens kein Boxer im gewöhnlichen Sinne. Bedeutet: Er boxt nicht wie Klitschko, Abraham, Sturm & Co. über zwölf Runden. Seine Kämpfe bestehen aus drei Runden, die je drei Minuten lang sind. „Das ist nicht nur taktisch ganz anders, sondern auch die Einteilung der eigenen Kraft ist eine andere“, sagt Keller. Die erste Runde entscheide oft bereits darüber, wie der weitere Kampf verlaufe. „Zwei schlechte Runden führen dazu, dass man verliert“, sagt er. Ab und zu wünsche er sich, dass die Kämpfe länger dauern würden. „Für mich wäre das besser, weil ich meistens am Ende zur Höchstform auflaufe und dann überlegen bin“, sagt er.

 

Auch mit seinem Kampf gegen Kamschibek Kunkabajew – die Punktrichter bewerteten diesen mit 5:0 für den Vize-Asienmeister – war Keller zufrieden. Für ihn war Kunkabajew sogar klarer Favorit. Ins Finale schaffte es der Kasache schließlich auch. Im Kampf gegen den Aserbaidschaner Mahammadrasul Majidov zog er sich allerdings einen Cut zu – so wie auch Keller in seinem Kampf – und verlor schließlich.

 

Knapp zwei Wochen verbrachte Keller in Hamburg. Eine Zeit, die der Student nicht missen möchte. „Wenn Boxer zusammenkommen, kann es auch mal laut werden. Wir waren aber in einem sehr guten Hotel untergebracht und beim Essen ging es immer sehr ruhig und gesittet zu“, sagt er und lacht. Besonders die Begegnungen mit Sportlern aus anderen Nationen seien für ihn spannend gewesen. „Die Briten, Amis und Iren sind besonders faire Sportsmänner“, sagt er. Viele gute Kämpfe habe er gesehen. „Vor allem im Finale der einzelnen Gewichtsklassen war jeder Kampf ein Kracher. Man hat die nationale und internationale Spitze gesehen“, sagt er.

 

Doch nicht immer sei die Hamburger Sporthalle während der Wettkämpfe auch ausverkauft gewesen. „Ab dem Halbfinale wurde die Halle eigentlich erst voll.“ Woran das liegt? Keller vermutet: „Boxsport ist in Deutschland nicht so populär. Die Leute wollen beim Boxen zwar Blut sehen. Aber das muss auch Klasse haben.“ Dabei habe sich der Sport im Laufe der vergangenen Jahre deutlich verändert. „Vor zehn oder 15 Jahren hat man noch mit viel mehr Härte geboxt. Heute ist die Schnelligkeit entscheidend“, sagt er und vergleicht den Boxsport mit dem Fußball: „Da hat sich in den letzten Jahrzehnten auch jede Menge verändert.“

 

Und das nicht nur im Amateur-Bereich. Boxer wie Anthony Joshua, der im April Wladimir Klitschko besiegte, zeigen ein modernes Boxen, das sich vor allem durch Schnelligkeit und auch variable Beinarbeit auszeichne, sagt Keller. Ebenso wichtig sei eine gute Koordination mit präzisen und effizienten Bewegungsabläufen. „Das Klischee, dass man sich beim Boxen nur eins auf die Mütze haut, stimmt heute so nicht mehr“, sagt Keller, der übrigens dem PTSV Aachen angehört.

 

Der Sprung in den Profi-Bereich stand für den Stolberger eigentlich nie so wirklich zur Debatte. Für ihn sei ein zweites Standbein viel wichtiger. Schließlich wolle er abgesichert sein, wenn er die Boxhandschuhe irgendwann einmal an den Nagel hänge. Seine Masterarbeit will Keller, der in Köln wohnt und studiert, noch bis Ende dieses Jahres abgeben. Dann stehen für ihn noch zwei Hausarbeiten und ein Praktikum auf dem Stundenplan. „Bis zum Ende des Wintersemesters möchte ich damit durch sein“, sagt er. Was ihn gerade am Fach Psychologie besonders fasziniert? „Ich finde es einfach total interessant, wie Menschen denken und wie sie sich verhalten“, sagt der Sportler.

 

Zu seinen Vorbildern im Boxsport gehören Waldimir Klitschko – der vor wenigen Monaten allerdings seinen Rücktritt erklärte – und der ehemalige Profi, Henry Maske. Ihn traf Keller vor der WM in Aachen und ließ sich von dem ehemaligen Schwergewichtler einige Tipps mit auf den Weg nach Hamburg geben. „Henry Maske finde ich einfach cool, und Wladimir Klitschko hat nicht nur eine beeindruckende Physis, sondern ist auch intelligent“, sagt Keller. Das Klischee, dass Boxer nicht gerade intelligent seien, treffe keinswegs zu, sagt Keller. Er muss es wissen, schließlich ist der Stolberger das beste Beispiel dafür.

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

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