Ein Helfer in der Not für Kinder und Lehrer

Michael Hufschlag ist Inklusionshelfer an der Grüntalschule. Nicht nur für Kinder mit Förderbedarf ist er der richtige Ansprechpartner.

Foto: Patrick Pleul/dpa
Foto: Patrick Pleul/dpa

Michael Hufschlag kann auf ein recht außergewöhnliches Berufsleben zurückblicken. Nach seinem Lehrarmtsstudium eröffnete er eine eigene Textilfabrik. Als diese im Jahr 2011 schloss, wechselte er an eine Aachener Schule, verbrachte einige Jahre später dann acht Monate im Ausland und engagierte sich schließlich als Flüchtlingshelfer beim Deutschen Roten Kreuz. Seit einigen Wochen ist jedoch Ruhe in Hufschlags Berufsleben eingekehrt. Der Rentner arbeitet wieder an einer Schule – diesmal allerdings nicht als Lehrer, sondern als Inklusionshelfer. „Ich habe den Wunsch, dass ich für die Kinder etwas tun kann, die nicht so ein gutes Leben haben, wie ich es hatte“, sagt er.

 

Welche Aufgaben ein Inklusionshelfer hat und um wen er sich kümmert? Ganz einfach: „Ein Inklusionshelfer ist eine Kraft, die für alle Kinder da ist und die Lehrer im Unterricht unterstützt“, sagt Gertrud Pilgrim. Sie leitet das Modellprojekt der Koordinierungs- und Beratungsstelle für schulische Inklusionshilfen der Städteregion – kurz: Kobsi. Seit Oktober 2015 bietet das Schulamt der Städteregion Schulen diese Möglichkeit an. Der Startschuss fiel an fünf Grundschulen in Aachen, Herzogenrath, Baesweiler und Alsdorf. Seit diesem Schuljahr sind drei weitere Grundschulen dabei.

 

Als einzige Stolberger Schule nimmt die Grundschule in der Grüntalstraße an diesem Projekt teil. Schulleiter Friedrich Kratz-Maurer und seine Kollegen empfinden die Mitarbeit von Michael Hufschlag als große Bereicherung für die Schule. Diese Erfahrung hat auch Gertrud Pilgrim gemacht. „Wir bekommen von den Lehrern immer wieder die Rückmeldung, dass Inklusionshelfer eine sehr gute Unterstützung sind und durch sie der Unterricht besser durchgeführt werden kann.“

 

Das bedeutet konkret: Wer im Unterricht Hilfe braucht oder mit der Unterrichtssituation überfordert ist, ist bei Michael Hufschlag an der richtigen Stelle. „Unser Motto lautet: Weg von der Manndeckung und hin zur Raumdeckung“, sagt Pilgrim. Heißt: Oft war es so, dass Kinder, die einen besonderen Unterstützungsbedarf hatten, häufig einen eigenen Schulbegleiter mit in den Unterricht brachten. Das sei jedoch oft gar nicht erst nötig, wie Pilgrim erklärt. „Lassen sich die Eltern scheiden oder werden krank, kann es sein, dass die Auffälligkeiten der Kinder nur eine gewisse Zeit dauern und dann wieder alles gut ist. Mit den Inklusionshelfern verhindern wir, dass es noch mehr Schulbegleiter in den Klassen gibt.“ In manchen Schulklassen seien bis zu vier Erwachsene in einem Raum. Das sei definitiv zu viel, meint Pilgrim.

 

Diese Erfahrung hat auch Michael Hufschlag gemacht. Er habe sich auf die Stelle beworben, weil sie keine Eins-zu-eins-Betreuung sei. „Das kann auch kontraproduktiv sein. Kinder müssen auch lernen, Dinge untereinander zu regeln“, ist er sich sicher. 35 Stunden in der Woche arbeitet Hufschlag in der Grüntalschule. Dort hat er –genau wie die Schüler und Lehrer – einen festen Stundenplan, damit vor allem die Lehrer wissen, wo sie ihn erreichen können, wenn ein Kind beispielsweise mal aus dem Unterricht und an die frische Luft muss. „Ein Inklusionshelfer ist auch immer eine Art Feuerlöscher“, sagt Pilgrim. Was damit gemeint ist? Inklusionshelfer fangen Kinder in Krisen auf, stabilisieren sie und sichern auf diese Weise die weitere Teilnahme am Unterricht.

 

Das verdeutlicht auch ein Beispiel, das Hufschlag anführt. Leidet ein Kind beispielsweise an ADHS und kann sich im Unterricht nicht mehr konzentrieren, verlässt Hufschlag mit ihm den Klassenraum und spielt eine Partie Nachlaufen. Das habe für beide Seiten Vorteile. „Das Kind powert sich aus und kann sich wieder besser konzentrieren, und die anderen Schüler können in Ruhe dem Unterricht folgen“, sagt Hufschlag. Außerdem haben die Schüler die Möglichkeit, die Pause bei ihm zu verbringen. Entspannungs- und Bewegungsangebote stehen dann auf dem Programm. Michael Hufschlag findet seine neue Aufgabe besonders spannend. „Die Kinder sehen mich nicht als Lehrer. Ich bin für sie eher wie ihr bester Freund“, sagt er.

 

Natürlich gehören auch regelmäßige Fortbildungen sowie ein intensiver Austausch mit Pilgrim und auch den Lehrern der Grüntalschule zu Hufschlags neuem Alltag dazu. Auch wenn er erst seit wenigen Wochen in der Grüntalschule arbeitet, fühlt er sich bereits sehr wohl. „Ich bin von dem gesamten Team ganz toll aufgenommen worden. Alle vermitteln mir den Eindruck, dass sie froh und dankbar sind, dass diese Stelle geschaffen wurde“, sagt er. Die Zusammenarbeit zwischen ihm, den Lehrern und auch der Schulsozialarbeit sei für den Erfolg des Projekts besonders wichtig, erklärt Pilgrim. Finanziert werden die Personalkosten übrigens aus der Inklusionspauschale des Landes Nordrhein-Westfalen.

 

Bis zum Schuljahr 2018/2019 ist das Projekt gesichert. Was danach geschieht, steht allerdings noch nicht fest. „Wir wissen noch nicht, wie es weitergeht. Hoffen aber, dass die neue Landesregierung das Projekt fortführen wird“, so Pilgrim.

 

Momentan versuche man, das Modell in die Fläche zu tragen, und hat aus diesem Grund auch die ersten weiterführenden Schulen mit ins Boot geholt. „Gerade die fünften und sechsten Klassen sind Übergangsbereiche, die oft Unterstützung brauchen“, sagt Gertrud Pilgrim. Bereits im April dieses Jahres fand eine Zukunftswerkstatt statt, die sich mit der weiteren Finanzierung des Projekts auseinandersetzte. Für Pilgrim steht fest: „Es ist ein Projekt, das auf keinen Fall in der Schublade verschwinden darf.“

 

Modellprojekt: 13 Schulen nehmen derzeit teil

 

  • Schulen, an denen Inklusionshelfer arbeiten, haben jeweils ihr eigenes pädagogisches Konzept für den Einsatz erarbeitet.
  • In eigenen Stundenplänen sind Pausenangebote, Zeiten für Reflexionen, Bewegungs- und Entspannungsangebote ebenso festgehalten wie der Einsatz in den Klassen.
  • Inklusionshelfer werden überwiegend in den Klassen eingesetzt, in denen sie regelmäßig gebraucht werden.
  • Zum neuen Schuljahr 2017/2018 steigen neben den fünf Grundschulen acht weitere Schulen in das Projekt ein. Drei Grundschulen in Stolberg, Eschweiler und Würselen sowie fünf weiterführende Schulen in Aachen, Baesweiler, Eschweiler und Simmerath.

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

Kandidat für den Städteregionsrat
Dr. Tim Grüttemeier

 

Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU)

in der StädteRegion Aachen

Martinstraße 8

52062 Aachen

 

Telefon: 0241 / 470 71 70
Telefax: 0241 / 470 71 77
E-Mail: gruettemeier@cdu-staedteregion-aachen.de

Für den Newsletter anmelden:

Hinweis: Bitte die mit * gekennzeichneten Felder ausfüllen.