Pilz über Hut, Stiel und Basis bestimmen

Mit der Pilzsachverständigen, Gabi Jansen, auf Tour durch den Wald. Bei ihren Führungen gibt sie wichtige Tipps für Sammler.

Foto: K. Toussaint
Foto: K. Toussaint

Der Sommer ist vorbei, die Nächte werden kälter und draußen ist es sonnig – das perfekte Wetter, um Pilze zu sammeln. Anfang September hat die Hauptsaison begonnen; bis Ende Oktober dauert sie noch. Was gibt es beim Sammeln zu beachten? Wo findet man die besten Exemplare? Und wie unterscheidet man die essbaren Sorten von ihren gefährlichen Doppelgängern? Gabi Jansen ist Pilzsachverständige und gibt seit 38 Jahren Pilzführungen bei der Stolberger Stadttouristik. Sie erklärt, welche Aufgaben ihr Job mit sich bringt und worauf es beim Sammeln der Erdlinge ankommt.

 

„Eine Grundregel ist es, zur richtigen Tageszeit loszugehen. Vor Sonnenaufgang haben Sammler nichts im Wald verloren, und nach Einbruch der Dämmerung sollten sie auch wieder draußen sein“, sagt Jansen. Das hat verschiedene Gründe. Zum Einen brauche man gute Lichtverhältnisse zum sicheren Bestimmen der Pilzsorten, zum Anderen sei es wichtig, das Wild in seinem natürlichen Lebensraum nicht zu stören.

 

Gabi Jansen hat viele Tipps parat, wenn es darum geht, wie man verantwortungsbewusst Pilze sammelt. Sie muss es wissen: Die 60-Jährige hat mit 18 Jahren die Prüfung zur Pilzsachverständigen abgelegt, seitdem erweitert sie ihr Wissen stetig. „Etwa 200 Sorten kann ich sicher bestimmen“, sagt sie.

 

Dazu zählen sowohl essbare als auch giftige Exemplare. Schließlich muss sie als Sachverständige im Ernstfall schnell erkennen, ob es sich um einen Speisepilz oder den gefährlichen Doppelgänger handelt. Und das passiert oft. „Jedes Jahr werde ich mehrfach angerufen, wenn bei Menschen der Verdacht auf eine Pilzvergiftung besteht“, sagt sie. „Oft sind es Kinder, die versehentlich Pilze aus Gärten essen.“

 

Jansen arbeitet dann mit der Vergiftungszentrale und den behandelnden Ärzten zusammen. „Meine Aufgabe im Ernstfall ist es, den Pilz zu bestimmen. Die Vergiftungszentrale kann dann nachsehen, wie das entsprechende Gift im Körper wirkt, und daraufhin leitet der Arzt die passende Behandlung ein.“

 

Damit Jansen eine Sorte bestimmen kann, braucht es den gesamten Pilzkörper: Hut, Stiel und Basis. Erst, wenn sie alle drei Teile des Pilzes auf seine typischen Merkmale untersucht hat, kann sie sicher sein, um welche Sorte es sich handelt. „Oft bringen Sammler nur den Hut mit, und möchten wissen, ob es sich bei ihrem Fundstück um einen Speisepilz handelt“, sagt Jansen. „Im Zweifel ist die gesamte Ernte dadurch aber unbrauchbar. Der Hut alleine als Erkennungsmerkmal reicht nicht aus.“

 

Ein wichtiger Indikator ist er aber trotzdem: Schließlich kann man durch ihn schon zwischen zwei Pilzgruppen unterscheiden – den Lamellenpilzen und den Röhrenpilzen. Letztere haben eine schwammartige Hutunterseite, die, wenn man den Hut bricht, feine Röhren erkennen lassen. Zu diesen Pilzen zählt zum Beispeil der Stein- oder der Butterpilz. „Röhrenpilze sind besonders für Anfänger zum Sammlen geeignet, da es bei ihnen kaum giftige Doppelgänger gibt. Lamellenpilze sind da deutlich gefährlicher“, weiß Jansen.

 

Auf ihren Führungen rät sie den Teilnehmern, sich langsam an das Bestimmen der Pilze heranzutasten: „Wenn ich eine Sorte erkenne, und sie im nächsten Jahr immer noch sicher bestimmen kann, dann habe ich schon ein gutes Basiswissen.“ Besser sei es nämlich, wenige Pilze gut zu erkennen, als mehrere nur unzureichend. Auch weitere Ratschläge hält Gabi Jansen für ihre Führungsteilnehmer parat: So erklärt sie zum Beispiel, dass die Wälder nicht übersammelt werden sollten: „Ein Kilogramm pro Person reicht völlig aus.“ Mehr könne man sowieso nicht verarbeiten. Und es schade zudem der Natur, viele Pilze zu sammeln, da diese wichtig für das Ökosystem sind. Baum und Pilz bilden nämlich eine Lebensgemeinschaft, bei der sie die Nährstoffe austauschen. Jansen selbst lässt daher immer zwei Pilze stehen, wenn sie eine Gruppe der Erdlinge findet: „Damit sie ihre Sporen verbreiten und auch im nächsten Jahr wieder wachsen.“

 

Pilze, die schon sichtbar gealtert sind, brauche man gar nicht erst mitzunehmen. Denn, was Sammler oft nicht wissen: Auch ein Speisepilz kann gefährlich werden: „Wenn im Pilz schon eine Eiweißzersetzung eingesetzt hat, kann das zu einer Lebensmittelvergiftung führen“, weiß Jansen.

 

Eine gute Faustregel zum Erkennen des Alters ist beim Röhrenpilz der Hut: Weist er deutliche Dellen auf, sollte man ihn besser stehen lassen. Zu jung dürfen die Pilze aber auch nicht sein – wenn sie nicht richtig ausgewachsen sind und ihre Hüte noch verschlossen sind, kann man die Sorte nicht sicher bestimmen. Einzige Ausnahme: Sie wachsen dicht in einer Gruppe mit anderen Speisepilzen zusammen. Dann gehören die Frischlinge sicher dazu.

 

Jansen selbst sammelt aktuell auch privat Pilze: Einmal in der Woche gibt es bei ihr in der Hauptsaison ein Pilzgericht, ihre Lieblingssorte sei der Hallimasch. „Er ist schön würzig und passt zu Pizza und Pasta“, sagt sie.

 

Von dieser Sorte kann sie auch einiges mitnehmen. Jansen: „Der Hallimasch ist ein Massenpilz und geht auch an Lebendholz. Der Förster freut sich, wenn er abgesammelt wird.“

 

Wer mit Gabi Jansen auf Pilzführung gehen will, kann Termine buchen unter www.stolberg.de oder unter ☏ 99900-81.

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

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