„Schüler auf die Welt von morgen vorbereiten“

Wochenend-Interview mit Dr. Uwe Bettscheider. Der 54-Jährige leitet jetzt das Ritzefeld-Gymnasium in Stolberg. Ziele für die Zukunft.

Foto: Sonja Essers
Foto: Sonja Essers

Vor rund drei Wochen begann für Dr. Uwe Bettscheider ein neuer Lebensabschnitt: Der 54-jährige hatte seinen ersten Schultag an einer neuen Schule. Denn: Seit diesem Schuljahr ist Dr. Uwe Bettscheider der neue Leiter des Stolberger Ritzefeld-Gymnasiums. Im Interview mit Sonja Essers erklärt er, welche Ziele er sich als Schulleiter gesteckt hat und verrät, warum ihm vor allem die Stolberger Schwimmhalle bestens bekannt ist.

 

Herr Dr. Bettscheider, erst einmal: Herzlich willkommen in Stolberg! Seit diesem Schuljahr leiten Sie das Ritzefeld-Gymnasium. Wie gefällt Ihnen diese Arbeit bisher?

 

Bettscheider: Sie ist sehr spannend. Nicht nur, weil ich die Kollegen und Schüler erst einmal kennen lernen muss, sondern auch, weil jede Schule ein eigener Mikro-Kosmos ist. Mit eigenen Regeln, die an anderen Schulen vielleicht undenkbar wären.

 

Und wie lautet ihr Fazit? Kann man mit den Lehrern und Schülern am Ritzefeld-Gymnasium gut arbeiten?

 

Bettscheider: Wir haben eine sehr engagierte Schülerschaft und sehr viele motivierte Kolleginnen und Kollegen. Das Ritzefeld-Gymnasium weiterzuentwickeln, dürfte kein Problem sein. Bereits im vergangen Jahr hat man sich einiges vorgenommen, das werden wir in der nahen Zukunft noch weiter ausbauen.

 

Können Sie dafür einige Beispiele nennen?

 

Bettscheider: Die Schule soll im MINT-Bereich einen Schwerpunkt setzen. MINT setzt sich aus den Fächern Mathematik, Informatik, den Naturwissenschaften und Technik zusammen. Im Bereich der Naturwissenschaften gibt es schon ein hervorragendes Angebot. In anderen MINT Bereichen gibt es aber noch viel zu erledigen.

 

Inwiefern?

 

Bettscheider: Zunächst müssen wir uns auf die Suche nach guten Informatiklehrerinnen und –lehrern machen. Wir möchten das Fach flächendeckend an der Schule einführen. Gerade bei den MINT-Fächern wie Mathematik oder den Naturwissenschaften ist es besonders wichtig, sehr gute Lehrer zu haben, die Schülerinnen und Schüler für das Fach begeistern können. Schön wäre es, wenn es in Deutschland wie in Finnland wäre. Dort dürfen überhaupt nur die Besten den Lehrberuf ergreifen.

 

Ein Verfahren, das man auch in Deutschland durchsetzen könnte?

 

Bettscheider: Wir haben schon sehr viele gute und intrinsisch motivierte Lehrer. Wenn wir sie nicht hätten, würde unser historisch gewachsenes Schulsystem gar nicht mehr funktionieren. Man muss sehen, dass sich die Anforderungen an Schule in den vergangenen 30 Jahren sehr stark verändert haben, die Schulorganisation aber fast gar nicht. Nehmen wir nur einmal das Thema Digitalisierung. Auch wenn sich herumgesprochen hat, dass man eine Schule auch technisch auf den Stand des 21. Jahrhunderts bringt, ist in dem Bereich doch noch viel zu tun.

 

Was ist dafür nötig?

 

Bettscheider: Stabile WLAN-Verbindung, elektronische Tafeln und ausreichend Rechner. Alle reden von Digitalisierung, aber dafür muss man auch Geld in die Hand nehmen. Auch wenn Computer alleine natürlich noch keine gute Bildung garantieren, muss man die Schüler auf das Lernen und die Welt von morgen vorbereiten. Sie müssen verständig mit den digitalen Medien umgehen können. Die Zeit, in der Lehrerinnen und Lehrer nach den Fernbedienungen, Kabeln und Beamern suchten, anstatt zu unterrichten, muss endlich vorbei sein. Das ist übrigens eines der Ziele, das ich mir für die nahe Zukunft gesteckt habe und hoffe, dass der Rat der Stadt das genauso sieht.

 

Gibt es noch mehr Ziele, die Sie in Ihrer Zeit als Schulleiter erreichen möchten?

 

Bettscheider: Ein übergeordnetes Ziel ist die stabile Dreizügigkeit der Schule wieder zu erreichen, das MINT-Profil der Schule zu gestalten und natürlich die Qualität des Unterrichts weiter zu entwickeln. Außerdem würde ich gerne mit der benachbarten Gutenbergschule kooperieren, um herauszufinden, wie praxisnahe Inklusion im Sinne aller Schüler stattfinden kann und die Begabtenförderung am Ritze ausbauen.

 

Warum ist gerade die Förderung von begabten Schülern so wichtig?

 

Bettscheider: Wir möchten nicht nur für die Schüler etwas anbieten, die zum Mittelmaß gehören, sondern auch für die Leistungsschwachen und die Leistungsstarken etwas machen. Die Förderung von Leistungsschwachen ist hier schon recht gut organisiert. Deshalb arbeiten wir momentan aktiv an der Weiterentwicklung des Begabtenförderprogramms.

 

Wie könnte dieses beispielsweise aussehen?

 

Bettscheider: Das hängt von den konkreten Schülerinnen und Schülern ab. Ist man beispielsweise in Mathematik überragend, könnte man darüber nachdenken, ob der Schüler nicht am Unterricht von höheren Jahrgängen teilnimmt oder ob er an Wettbewerben teilnehmen darf oder man ihm besondere Lernleistungen anbietet. Ist man ein sprachbegabter Schüler, so kann man ihm oder Ihr anbieten Französisch und Latein gleichzeitig als zweite Fremdsprache zu lernen.

 

Sie fördern jedoch nicht nur begabte Schüler, sondern auch diejenigen, die beispielsweise die deutsche Sprache noch nicht beherrschen.

 

Bettscheider: Genau. Wir haben zwei internationale Förderklassen an der Schule. Das ist eine große Herausforderung für unser Kollegium. Die große Anzahl von Geflüchteten hat aber auch viele positive Nebeneffekte verursacht. Zum Beispiel kann nun niemand mehr negieren, dass wir auch nicht-muttersprachliche Schüler in Deutschland haben. Eine Folge davon ist, dass wir nun endlich die Ressourcen zur Verfügung haben, um ihnen auch wirklich helfen zu können. Wir haben in den Integrationsklassen auch schon einige sehr intelligente Kinder gefunden, die definitiv ans Gymnasium gehören und von denen die deutsche Gesellschaft auch nur profitieren kann.

 

Auch das Thema Europa spielt in Ihrer Schule eine wichtige Rolle.

 

Bettscheider: Wir sind Euregio-Profilschule und wir freuen uns, dass der Stolberger Europaabgeordnete Arndt Kohn uns bald eine Europa-Flagge für unsere Schule überreicht. Europa wird hier regelmäßig im Unterricht thematisiert und auch gelebt.

 

Darin kennen auch Sie sich gut aus. Bevor Sie nach Stolberg kamen, waren Sie fünf Jahre lang Leiter einer internationalen Schule im niederländischen Brunssum. Welche Erfahrungen haben Sie dort gemacht?

 

Bettscheider: Dort habe ich viel über andere Bildungssysteme und insbesondere über das deutsche Bildungssystem gelernt.

 

Mit welchem Ergebnis?

 

Bettscheider: Das deutsche Bildungssystem ist gar nicht so schlecht, wie es in Deutschland oft gemacht wird. Die Allgemeinbildung und auch die fachliche Ausbildung, wird an den weiterführenden Schulen in Deutschland noch hervorragend vermittelt. Selbst die mittelmäßigsten deutschen Schüler, die in Brunssum in andere internationale Abteilungen gewechselt haben, gehörten dort in der Regel immer zu den Besten.

 

Sie waren in Bonn als Schulleiter tätig und nun in einer kleinen Stadt wie Stolberg. Vermissen Sie da nichts?

 

Bettscheider: Im Gegenteil. Ich genieße es, hier zu sein. Große Kommunen haben 100 und mehr Schulen. Aufgrund der veralteten Organisationsstruktur des deutschen Schulsystems ist die einzelne Schule oft nur eine „Kostenstelle“ unter vielen. Mit allen Konsequenzen. Das ist in kleinen Städten anders. So auch in Stolberg. Hier gewinnt man schnell das Gefühl, dass der Stadt jede einzelne Schule wichtig ist.

 

Bereits während Ihrer Zeit in Brunssum besuchten Sie dort einige Schüler und Kollegen und lernten Sie bereits vor Ihrem Wechsel nach Stolberg kennen. Besteht der Kontakt zu Ihrer ehemaligen Arbeitsstelle noch heute?

 

Bettscheider: Ja. Die Fachgruppen Sport und Englisch sind im Austausch und es gibt Gespräche für gemeinsame Projekte.

 

In der Schule sind Sie mittlerweile angekommen und wie ist es in der Stadt? Fühlen Sie sich in Stolberg wohl?

 

Bettscheider: Ja, das tue ich. Ich kenne ja Stolberg bereits aus meiner Zeit als Lehrer an der Viktoriaschule und am Inda-Gymnasium in Aachen. Ich habe hier fast zehn Jahre Wasserball gespielt. Mittlerweile wohne ich hier, und meine beiden Töchter gehen auch hier zur Schule.

 

Ihr Vorgänger war nur ein Jahr als Schulleiter am Ritzefeld-Gymnasium tätig. Werden Sie der Schule länger treu bleiben?

 

Bettscheider: Wir haben uns in Stolberg bereits ein Haus gekauft (lacht).

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

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