Großer Festzug zu zwei Jubiläen durch die Stadt

Rückblick im Stadtarchiv: Im Jahr 1956 feiert Stolberg, dass es 100 Jahre Stadtrecht besitzt. Und die Stadt war vor 800 Jahren erwähnt worden.

Foto: Stadtarchiv
Foto: Stadtarchiv

Das numerisch größte Stadtjubiläum der Kupferstadt Stolberg zum 900-jährigen Bestehen wirft seine Schatten voraus, und wir wagen den Blick zurück auf das größte Sammlungsstück des Stadtarchivs vom Stadtjubiläum 1956. Damals wurden „100 Jahre Stadtrecht“ und „800 Jahre Geschichte“ gefeiert. Das führte zur irrtümlichen Auffassung einer „800-Jahr-Feier“, die weder tatsächlich ausgerufen worden war noch sachlich korrekt gewesen wäre.

 

Für die historische Aufbereitung zeichnete Lokalhistoriker Franz Willems verantwortlich, der die mittelalterlichen Urkunden sorgfältig studiert hatte und bestens wusste, dass der Name Stalburg (=Stolberg) erstmals im Jahr 1118, genau am 30. September, niedergeschrieben wurde. Am 15. September 1956, vor 61 Jahren, fand als Höhepunkt der Festwoche der „Historische Festzug – Stolberg in acht Jahrhunderten“ statt, der stadtaufwärts und wieder zurück Tausende Besucher anlockte.

 

Mitgeführt wurde ein großes Stadtwappen, der „Stolberger Ehrenschild“, gestaltet vom Stolberger Künstler Bert Stollenwerk, dem die künstlerische Leitung der Festivitäten oblag. Das etwa 130 cm messende Bildwerk zeigt einen Wappenaufriss des Kupferstädter Stadtwappens, das 1881 eingeführt wurde. Es geht zurück auf die Herren von Frenz, die im 13. Jahrhundert Stolberg ihr Eigen nannten und zur Gefolgschaft der Grafen von Limburg (Belgien) gehörten. Daher zeigt es den Limburger Löwen. Zur heraldischen Unterscheidung hatten die damaligen Ritter die Farben getauscht sowie Turnierkragen und Steine im Wappenschild hinzugefügt.

 

Es war und ist das älteste bekannte Burgherrenwappen der Stadt. Das Wappen wurde in der Burg aufgestellt. Gegen eine Spende durfte ein farbiger Nagel in vorgebohrte Löcher geschlagen werden. 20 Pfennig kostete der günstigste rote Nagel, für die wenigen goldenen musste man fünf Mark geben – nach heutiger Kaufkraft etwa 25 Euro! Die Gesamtsumme von 12 000 DM kam nie zusammen, die beabsichtigte Bestimmung einer Jugendherberge auf der Burg ebenso wenig. Als zu klein erwies sich das Gemäuer während der Überlegungen. Die Feier war eine des ‚kleinen‘ Stolberg, gelegen zwischen Hauptbahnhof und Hammerberg, Dorff und Donnerberg. Besucher aus Zweifall und Werth, Breinig und Vicht, Schevenhütte und Venwegen, deren Orte 1972 hinzukamen, dürften auch in großer Zahl das Spektakel verfolgt haben.

 

Ritter auf Pferden, Landsknechte und Edeldamen, Kupfermeister, Zimmerleute, Brauer, Jäger sowie Pferdekarren, Kutschen und Oldtimer und viele andere Teilnehmer bildeten den Tross, der bei Augenzeugen – trotz des regnerischen Wetters - noch immer unvergessen ist. Der Wappenschild gibt bis heute Zeugnis einer Stadt mit einer großen Geschichte, die ihre Jubiläen mit Selbstbewusstsein begehen kann. 2018 wird Stolberg 900 Jahre alt, 2022 werden alle 17 Stadtteile ihre 50-jährige Zusammengehörigkeit feiern.

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

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