Sportler bereiten Förster ernste Sorgen

Abschussquote wird nicht erfüllt. Theo Preckel: Nutzer des Waldes sollen auf den Wegen bleiben und Rücksicht üben.

Foto: J. Lange
Foto: J. Lange

Die Erlebnisse, die Theo Preckel aus dem Stolberger Stadtwald zu berichten weiß, sind schon bemerkenswert. Der Förster erzählt von zwei Mountainbikern, die so schnell und verbissen auf ihren Rädern unterwegs waren, dass sie frontal zusammengeprallt sind. Er erzählt von den beiden Mädels hoch zu Ross, die mit sechs frei laufenden Hunden über einen Wildacker dahertraben. Der Forstoberrat kann ein Klagelied davon singen, dass Crossläufer und -biker sich durchs Unterholz schlagen oder sich Hunde in Fahrradreifen verbeißen.

 

„Das muss doch alles nicht sein“, sagt Theodor Preckel und versucht es mit einem Appell. Wieder einmal, wie es schon häufiger während seiner knapp drei Jahrzehnte im Dienste der Stadt. Denn mit unregelmäßiger Regelmäßigkeit schlagen die Nutzer des Waldes immer wieder mal heftiger über die Stränge. Und das führt zu vielerlei Konflikten, die Preckel lieber im Fürderhin vermieden wissen möchte. „Ohne Rücksicht geht es nicht“, sagt der Förster, der für Geduld und Verständnis, im Zweifelsfall für eine klare Ansage, aber auch für seine Liebe zu Hunden, Pferden und Wild bekannt ist. „Man muss doch bitte seinen Verstand einsetzen“, sagt Preckel.

 

Nach den neuen Regeln des Forstgesetzes müssen Hunde im Wald nicht mehr angeleint sein, wenn sie „im Einwirkungsbereich“ des Halters sind. Aber man stelle sich vor, der Hund läuft 50 Meter vor Herrchen oder Frauchen um eine Kurve und steht vor einem erschreckten Spaziergänger. „Es ist doch verständlich, wenn manche Menschen dann Angst bekommen“, sagt Preckel, um dann mit dem Kopf zu schütteln. „Erst recht, wenn der Hund ein Rottweiler ist“. Da wird auch einem gestandenen Förster mulmig zu Mute. Wer reitet, hat alle Aufmerksamkeit nötig, sich auf sein Pferd zu konzentrieren. Einen, geschweige denn sechs frei laufende Hunde im Einwirkungsbereich haben zu wollen, geht gar nicht.

 

„Es muss doch ein Miteinander geben“, appelliert Preckel an die Vernunft der Waldbesucher. Immer mehr Menschen nutzen die Stolberger Wälder als Freizeit- und Erholungsort. Wanderer, Jogger, Walker, Hundehalter, Radfahrer, Reiter, Botaniker, Insektenkundler und so fort. „Das funktioniert nur, wenn man Rücksicht aufeinander nimmt und nicht auf irgendein vermeintliches Recht pocht“. Und – ganz wichtig für den Förster – auf den Wegen bleibt. Das müsse doch möglich sein, denn „wir haben über 150 Kilometer Wanderwege, 40 Kilometer Reitwege und sechs Schutzhütten“. Und dann muss man sich nicht auch noch abseits der gut befestigten Strecken durch Unterholz und Kulturen schlagen, betont Stolbergs Förster.

 

Denn dadurch wird das Wild gestört und die Jagdpächter von ihrem Job abgehalten. In fünf Bezirken versuchen rund 20 Jäger den Wildbestand in den Griff zu bekommen. Und der ist im Stolberger Stadtwald viel zu hoch. Gut 50 Stück Rotwild tummeln sich in einem Revier, das vielleicht 15 Stück verträgt. Ein drastischer Überbestand von Schwarzwild sorgt vor allem für immense Schäden auf Wiesen und Feldern, während im Forst eher gelegentlich Kulturen durchwühlt werden.

 

Das Rotwild findet nicht genug Nahrung. Es kommt zu Verbiss- und Schälschäden, die die Nutzung wie auch Verjüngung des Stolberger Waldes beeinträchtigen. Preckel zeigt beispielhaft eine Kultur zwischen Fischweiher und Sinziger Schneise. Vor acht Jahren wurde sie mit knapp 80 Zentimeter hohen Setzlingen angelegt. Sie haben es in der Masse auf kaum einen Meter gebracht, müssten aber stolze 2,50 Meter messen. Aber der Verbiss der jungen Triebe durch das Rotwild macht dem Wachstum schwer zu schaffen. „Junge Buchen sind sehr begehrt und vor allem Douglasien, weil sie so schön nach Orangen schmecken“. Die Konsequenz für den Förster ist, dass der Bestand von Hand immer wieder freigemäht werden muss. „Das ist flächendeckend personell und finanziell einfach nicht zu leisten“, sagt Preckel.

 

Seit Jahren schaffen es die Jäger nicht, ihre Abschussquoten zu erfüllen. Von Jahr zu Jahr liegen sie um 25 Prozent unter ihrem Soll. Die zu geringe Abschussquote summiert sich im Nachwuchs. Im Hürtgenwald wurde Bilanz gezogen. 28 Ansitze sind im Durchschnitt erforderlich, um ein Mal zum Erfolg zu kommen, berichtet der Förster.

 

Und ein entscheidender Grund dafür, dass Jäger nicht zum Schuss kommen, ist der Umstand, dass sich Freizeit- und Erholungssuchende nicht an die Wege halten, sondern bei ihren Ausflügen das Wild ins tiefste Dickicht drängen. Und wenn sich dann zwei Reiter mit sechs Hunden auf einem Wildacker tummeln, der angelegt wurde, damit sich die wilden Wiederkäuer dorthin bewegen, der stört nicht nur den vierstündigen Wiederkäuer-Rhythmus, sondern behindere auch den regulatorischen Eingriff. „Jäger sind keine Bambi-Killer“, sagt Preckel plakativ. „Wir müssen den Wildbestand in Grenzen halten, sonst gelingt nicht die Verjüngung des Waldes“.

 

Alle Schneisen, die die Stürme Kyrill & Co. vor rund zehn Jahren in den Wald geschnitten haben, sind mittlerweile wieder aufgeforstet. 43 Prozent sind heute Laub- oder Mischwald, nur noch 57 Prozent Nadelwald. 1998 lag das Verhältnis noch bei 32:68.

 

„Wir haben den Wald nur von unseren Enkeln geliehen“, sagt Theo Preckel. Und wiederholt seinen Appell an alle Nutzer, aufeinander Rücksicht zu nehmen und auf den Wegen zu bleiben. Auch damit er den Stadtwald in einem besseren Zustand weiterreichen kann, als er ihn übernommen hat. Es gibt aber auch eine gute Nachricht aus dem Stadtwald: „Der Vandalismus hat in meinem Revier glücklicherweise nachgelassen, so Theo Preckel.

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

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