„Stolberg war und ist bis heute nicht selbstbewusst“

Am kommenden Sonntag ist wieder Tag des Offenen Denkmals, der in diesem Jahr unter dem Motto „Macht und Pracht“ steht. An dem Aktionstag beteiligt sich auch die Kupferstadt und lädt am 10. September um 12 und um 15 Uhr zu Sonderführungen ein, bei denen die Teilnehmer den historischen Spuren von Macht und Pracht in Stolberg nachgehen werden. Der Super Mittwoch hat vorab mit Stadtarchivar Christian Altena gesprochen, der die Führungen leitet.

Foto: Benjamin Zilkens
Foto: Benjamin Zilkens

„Macht und Pracht“ ist das Motto des diesjährigen Tags des offenen Denkmals – inwiefern trifft dieser Slogan denn auf Stolberg zu?

 

Christian Altena: Macht ist natürlich immer relativ. Sie hängt zum Beispiel von der beherrschten Fläche und den Möglichkeiten der Herrscher ab. Daran gemessen war Stolberg nicht unbedingt ein mächtiger Ort. Aber es gab hier eine funktionierende Gemeindeverwaltung und eine Unterherrschaft. Das war im damaligen Herzogtum Jülich-Berg eine Form der abhängigen Herrschaft, die den Unterherren aber weitgehende Souveränität ließ. Zusätzlich gab es noch die wirtschaftliche Macht, also die der Kupfermeister, die diese politische Macht ergänzten und ihr sogar ein bisschen entgegenstanden. Burgherren und Kupfermeister, das ist das, was sich in der Altstadt manifestiert. Dennoch war Stolberg eher eine kleine Unterherrschaft, vergleichbar später mit kleinen Kommunen, die sich selbst auf einer kleineren Ebene repräsentierte und dabei auch eine gewisse Pracht entwickelt hat.

 

Wo ist diese Pracht denn heute noch sichtbar?

 

Altena: Da ist natürlich die Burg als Ort der Herrschaft, da sind die Kupferhöfe und da sind die Kirchengemeinden, in denen man nach Pracht suchen kann. Aber fast noch spannender ist die Suche nach Stellen, wo man Pracht erwartet, sie aber dann doch nicht findet.

 

Wie meinen Sie das?

 

Altena: Einerseits war Stolberg die kleinste Unterherrschaft im gesamten Herzogtum Jülich. Alleine deswegen stieß die Pracht aufgrund der beschränkten Möglichkeiten schnell an ihre Grenzen. Andererseits wollten die protestantischen Kupfermeister auch gar keine große Prachtentfaltung, weil dies dem puritanischen Gedanken entgegenstand. Während man sich also an anderen Orten mit vielen Manufakturen und einer starken Händlerschaft gegenseitig mit Pracht zu übertrumpfen versuchte, finden wir genau das in Stolberg nicht. Bei der Führung werden wir aber zum Teil sehr subtile Zeichen der Pracht finden, auf die ich als Bauhistoriker hinweisen kann. Denn an vielem läuft man einfach vorbei, ohne es überhaupt wahrzunehmen.

 

Wenn es diese Zeichen von Macht und Pracht ja gibt bzw. sie zum Teil auch bewusst nicht gesetzt wurden, war Stolberg dann eine selbstbewusste Stadt?

 

Altena: Ich sehe das persönlich und auch als Historiker so, dass Stolberg nie selbstbewusst war und es bis heute nicht ist. Es gibt historische Gründe dafür, dass sich die Stolberger Bevölkerung immer sehr gering geschätzt hat. Der Ort war schon seit der Frühen Neuzeit eine Arbeitersiedlung und insofern gibt es kein wirklich städtisches Selbstbewusstsein. Deshalb kann man die Frage einerseits verneinen. Auf der anderen Seite, bei den höher gestellten Kupfermeistern, muss man sagen, dass dort definitiv Selbstbewusstsein vorhanden war, auch bis ins 20. Jahrhundert hinein. Das ist eine Diskrepanz, die man in der Stolberger Mentalität aus meiner Sicht bis heute spüren kann.

 

Woran machen Sie das fest?

 

Altena: Auch wenn es sich bessert: Die Stolberger haben meiner Meinung nach immer noch den Hang dazu, sich klein zu machen. Dabei ist Stolberg ja eine wirtschaftlich weltweit bedeutende Stadt. Wir haben hier gut ein Dutzend Weltmarktführer in verschiedenen Branchen. Welche Stadt in der Region – von Aachen einmal abgesehen – kann das schon von sich behaupten? Aber für die Menschen hier ist das entweder so selbstverständlich oder gedanklich so weit weg, dass das gar nicht wahrgenommen wird. Das vorherrschende Image ist doch: Ja, wir haben eine Burg und eine Altstadt, aber mehr auch nicht. Und in der Hinsicht muss ich erwidern: Viele andere Städte haben eben nicht so eine schöne Altstadt mit Burg, die der Krieg verschont hat.

 

Das sagen Sie jetzt, weil Sie als gebürtiger Stolberger nicht schlecht über ihre Heimat reden wollen...

 

Altena: Nicht nur. Ich sage den Stolbergern immer wieder, wie toll und bedeutsam ihre Stadt ist. Und zwar auch aus historischer und bauhistorischer Perspektive, also mit dem nötigen Abstand und Blick von außen. Klar, in anderen Städten werden zum Tag des Offenen Denkmals Prachtbauten, Schlösser und große Barock-Kirchen geöffnet und alle staunen über Goldverzierungen und Stuck an den Wänden. Das bietet sich bei uns einfach nicht an. Für die Führung habe ich mir überlegt, trotzdem nach Spuren von Macht und Pracht zu suchen, weil das etwas ist, das die Leute hier nicht erwarten. Die Menschen denken: „Bei uns gibt es nichts Besonderes, ein paar alte Häuser vielleicht. Macht hatten wir nie, wir waren immer arm.“ Es ist ein schöner Ansatz zu sagen: Nein, wenn man sich mit dem richtigen Blick auf die Suche begibt, kann man auch bei uns Spuren von Macht und Pracht finden.

 

Quelle: Super Mittwwoch

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