Anbau trotz Blei im Boden? Kein Problem!

Die Grundschule Gressenich pflanzt im eigenen Acker Gemüse an. Der mit Schwermetall belastete Boden wurde ausgetauscht.

Fotos: Sonja Essers
Fotos: Sonja Essers

Kennen Sie Dornröschensalat? Nein? Dornröschensalat ist eine andere Bezeichnung für Feldsalat und der wächst seit dieser Woche im Schulacker der Grundschule Gressenich. Zum Start des neuen Schuljahres nimmt die Schule um ihre Leiterin Petra Bleimann an einem Projekt teil, bei dem Stolberg in der Städteregion zu den Vorreitern zählt: der sogenannten Gemüseackerdemie. In einem rund 70 Quadratmeter großen Beet wachsen nun neben Feldsalat auch Kohlrabi, Endiviensalat, Fenchel, Gurken, Kresse, Radieschen, Chinakohl, Kopfsalat, Pflücksalat und Rote Beete. Die Einweihung des Beetes fand nun pünktlich zum ersten Schultag statt. Dass dieses Projekt jedoch überhaupt umgesetzt werden konnte, war so zunächst nicht klar. Schließlich gab es ein Problem: Der Boden in Gressenich ist mit Schwermetallen belastet. Der Anbau von Gemüse schien also unmöglich. Doch dazu später mehr.

 

In den Böden in Stolberg bestehen teilweise erhebliche Anreicherungen der Schwermetalle Cadmium, Blei und Zink. Diese treten zum Teil naturbedingt in der Nähe von oberflächennahen Erzlagerstätten auf, sind aber auch durch Erzabbau, Erzverhüttung und andere industrielle Prozesse über die Luft, Gewässer oder direkte Ablagerungen verbreitet worden. Belastungsschwerpunkte sind das engere Stadtgebiet und die Ortsteile Büsbach, Breinig und Gressenich. Die Bleigehalte des Bodens betragen dort teilweise das 100-fache und die Zinkgehalte das 200-fache des Cadmiumgehaltes. Gressenich bildet die Ausnahme. Dort liegen überwiegend Bleianreicherungen vor.

 

Nimmt man Cadmium und Blei verstärkt und über einen längeren Zeitraum über die Nahrung zu sich, können diese Schwermetalle für Menschen gesundheitsschädlich sein. Zink hingegen löst Wachstumsbeeinträchtigungen bei Pflanzen aus. Damit Stolberger dennoch Gemüse anbauen können, hat die Verwaltung im Jahr 2011 eine Broschüre mit Anbau- und Verzehrempfehlungen herausgegeben (siehe Infobox). Diese habe auch heute noch Bestand, wie Stolbergs Technischer Beigeordneter Tobias Röhm weiß.

 

Er war auch Ansprechpartner für Petra Bleimann. Im November des vergangenen Jahres wurde die Schulleiterin von Sonia Franken von der Actimonda-Krankenkasse, die die finanziellen Mittel für die Gemüseackerdemie bereitstellt, angesprochen. Bei einem anderen Projekt hatte man bereits zusammengearbeitet, und nun wollte man mit der Gemüseackerdemie an den Start gehen. Eine Bodenprobe, die vor dem Anbau durchgeführt wurde, hatte allerdings ein niederschmetterndes Ergebnis. „Als das Ergebnis kam, habe ich gedacht, dass das doch nichts mit unserem Acker gibt. Dass wir ihn zum Schulstart eröffnen können, hätte ich nie gedacht“, sagt Bleimann.

 

Bleimann meldete sich bei Tobias Röhm, und dieser setzte sich dafür ein, dass das Projekt schließlich doch umgesetzt werden konnte. Dazu musste der Mutterboden von den Mitarbeitern des Technischen Betriebsamtes ausgetauscht werden (siehe Nachgefragt). Dass das Projekt doch noch an den Start gehen konnte, machte nicht nur Schüler und Lehrer glücklich. „Es ist ein Beispiel dafür, wie man mit wenigen Mitteln einen tollen Erfolg erzielen kann“, so Röhm. Eine Auswahl aus der ersten Ernte, die in den nächsten vier bis acht Wochen ansteht, ist ihm bereits zugesichert.

 

Geleitet wird das Projekt, bei dem die Mitglieder der Natur- und Umwelt-AG sich zwei Mal in der Woche um das Unkrautjäten und die Bewässerung kümmern, von Gabi Jansen. Sie ist zahlreichen Stolbergern auch als Kräuterhexe bekannt und kennt sich bestens mit der Natur und den Pflanzen aus. Das wurde bereits bei der ersten Bepflanzung in dieser Woche deutlich. Voller Ehrgeiz kümmerten sich die kleinen Experten um den Acker und überzeugten die Gäste mit ihrem Fachwissen. Denn auch diese hatten vom Dornröschensalat noch nie gehört.

 

Belastete Böden: Tipps für Anbau im eigenen Garten

 

  • In Zusammenarbeit mit der Landesanstalt für Ökologie, Landschaftsentwicklung und Forstwirtschaft entwickelte die Stadt Stolberg im Jahr 2011 eine Informationsbroschüre mit Anbau- und Verzehrs-empfehlungen für schwermetallbelastete Klein- und Hausgärten.
  • Eine detaillierte, auf das Grundstück bezogene Analyse kann erst Auskunft über den Zustand des jeweiligen Gartens geben. Sie kann bei der Landwirtschaftlichen Untersuchungs- und Forschungsanstalt (LUFA) in Bonn in Auftrag gegeben werden.
  • Die Verschmutzung des Gemüses kann durch das Auslegen von Mulchfolien oder durch den Anbau in Kleingewächshäusern oder abdeckbaren Frühbeetkästen gemindert werden.
  • Der Anbau von Kräutern und Gewürzen kann allerdings problemlos in kleineren Beeten oder Behältern mit aufgefülltem Fremdboden stattfinden.
  • Da Sellerie und Spinat Cadmium besonders stark aufnehmen, sollte auf den Anbau dieser Gemüsearten vorsorglich generell verzichtet werden.
  • Das im eigenen Garten angebaute Gemüse und Obst sollte vor dem Verzehr gründlich gereinigt werden. Wurzel- und Knollengemüse ist zu schälen. Bei Blattgemüse sollten die äußeren Blätter nicht verzehrt werden.
  • Bei der Anlage eines Komposthaufens sollte man auf das Laub von Pflanzen, die starken Immissionen ausgesetzt waren, verzichten.

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

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