Gegen Bäume boxen ohne sich dabei weh zu tun

Von Mammutbäumen, Hochwild, Niederwald und der Armada: Lesertour mit Theo Preckel auf den Spuren der Forstwirtschaft im Wandel der Zeiten.

Foto: J. Lange
Foto: J. Lange

„Es war schon anstrengend“, sagt am Ende die Vierjährige Paula. „Und es hat viel geregnet“, stimmt ihre Fünfjährige Freundin Jule zu: „Aber es hat Spaß gemacht!“ Und Lydia, die nicht nur in ihrer jungen Jahren immer wieder im Wald unterwegs war, schwelgt in Erinnerungen und Wunschberufen, hin und hergerissen zwischen Goldschmiedin und Försterin. „Ich liebe Forsthäuser“, sagt die 55-Jährige. Das hat sie bei der Lesertour unserer Zeitung zwar nicht von innen gesehen, aber bei dem fast zweistündigen Spaziergang jede Menge Waldluft schnuppern können. Und die riecht bei Regen besonders intensiv ...

 

Pünktlich zum Start unserer Lesertour mit Forstoberrat Theo Preckel öffnet der Himmel seine Schleusen und lässt es schütten. Aber mitten im Wald nahe dem Forsthaus Roggenläger ist deutlich weniger von dem Nass zu spüren. Die Blätter des Baumbestandes dämpfen die nimmer müde werdenden Tropfen. Und die Stolberger erweisen sich als wind- und wetterfest. Regenjacke - oder Mantel, Hut, Schirm oder Kapuze, festes Schuhwerk – halt dem Wetter angepasste Kleidung – fertig ist unser Leser für eine der beliebten Exkursionen mit Stolbergs Förster.

 

Die sind nicht nur unterhaltsam, weil Theo Preckel immer einen feschen Spruch auf den Lippen hat, sondern vor allem, weil er jede Menge Information verständlich und interessant rüberbringt. Ganz authentisch. Denn Preckel liebt seinen Stadtwald. Wenn Stolberg im kommenden Jahr sein 900. Stadtjubiläum feiert, kann er auf 30 Dienstjahre in der Kupferstadt zurückblicken. Das ist eine Zeitspanne, in der ein Förster bereits die ersten Früchte seiner Arbeit wahrnehmen kann. „Wir haben den Wald nur von unseren Enkeln geliehen“, bringt Theo Preckel seinen Beruf auf den Punkt. Der ist zugleich Berufung. „Jeder Förster möchte seinen Wald besser übergeben, als er ihn übernommen hat.“

 

Und im Laufe seiner drei Jahrzehnte als Hüter des Stolberger Stadtwaldes hat dieser sein Gesicht deutlich verändert. Der Anteil des Laubwaldes ist deutlich gestiegen. 43 Prozent sind heute Laub- oder Mischwald, nur noch 57 Prozent Nadelwald. 1998 lag das Verhältnis noch bei 32:68. Das ist ökologisch gesehen eine rasante Verbesserung, ökonomisch allerdings etwas problematischer.

 

Der Stolberger Stadtwald hat viele Funktionen. Er ist Biotop für Flora und Fauna, das Zuhause des Wildes und damit eine Art „lebendiger Kühlschrank“, er dient als wichtiger Wasserspeicher, was bei dieser Tour besonders einprägsam ist, und als „Saubermacher“ der Luft und sicherlich auch der Holzproduktion. Stolbergs Stadtwald ist eine Symbiose aus Nutz- und Naturwald, aus Holzproduktion und Erholungsfunktion, ein Gebiet, das man in Zahlen messen oder auch in Emotionen fühlen kann. Eine komprimierte Mischung von all dem erleben unsere Leser bei der Sommertour im Regen auf den Spuren der Forstwirtschaft im Wandel der Zeiten.

 

Jonas darf gleich zu Beginn auf einen Mammutbaum boxen – ohne sich auch nur einen Finger weh zu tun. „Ganz schön weich“, sagt der Zehnjährige. Mammutbäume stammen eigentlich aus Amerika. Aber ein Vorgänger Preckels, Förster Banehl, hat ab 1877 ein Arboretum nahe dem Forsthaus Roggenläger angelegt. Das ist eine Sammlung exotischer Bäume, die zumeist nur in botanischen Gärten zu finden ist, aber live im Stolberger Stadtwald erlebt werden kann. Auch Preckels Vorgänger Fritz Wagner hat an dieser „Live-Ausstellung exotischer Pflanzen“ gearbeitet. Dieser Mammutbaum steht aber bereit seit 1877 im Stadtwald und kann es noch einige Jahrhunderte lang tun. Die ältesten Bäume dieser Art sollen über 3000 Jahre alt sein. „In Amerika gibt’s sogar eine Straße, die durch einen Mammutbaum führt“, erzählt Preckel. Der größte lebende Baum dort hat den Namen „General Sherman Tree“, ist 84 Meter hoch, hat einen Umfang von 34 Meter und ein Volumen von 1500 Kubikmetern. In Stolberg sind die vergleichsweise jungen Exemplare von solchen Visionen und Dimensionen noch weit entfernt, aber durchaus typisch für ihre Art. Ihre Rinde ist dick, faserig und weich – ein Schutz vor Waldbränden. Denn selbst wenn die Rinde bei einem Waldbrand verkokelt, dem Kernholz können die Flammen nichts anhaben.

 

Der Mensch ist eigentlich das Lebewesen, dass dem Wald am meisten anhaben kann. Das hat er in der Vergangenheit bewiesen. Und das ist auch heute noch in Südeuropa oder den schottischen Highlands nachvollziehbar. Der Raubbau an der Natur hat sichtbare Spuren hinterlassen. Ein Beispiel ist König Philip II.: Als der spanische Infant ab 1570 die Armada aufbauen ließ, wurden unzählige Wälder abgeholt. Der Waldanteil Spaniens ist damals von 81 auf 23 Prozent gesunken. Noch heute gilt die iberische Halbinsel deshalb so kahl. Denn an Aufforstung dachte seinerzeit noch niemand.

 

Über eine nachhaltige Bewirtschaftung des Forstes machte sich zwei Jahrhunderte später Ludwig XIV. von Frankreich Gedanken. Erste Gesetze regelten eine Bewirtschaftung des Waldes. Als Vater der nachhaltigen Forstwirtschaft gilt Hans Carl von Carlowitz. Der damalige Leiter des Oberbergamtes Freiberg veröffentlichte 1713 unter dem Eindruck der Folgen des 30-jährigen Krieges das Buch „Sylvicultura oeconomica, oder haußwirthliche Nachricht und Naturmäßige Anweisung zur wilden Baum-Zucht“. Darin fasste von Carlowitz das Wissen seiner Zeit zusammen, erweiterte es durch eigene Erfahrungen und formulierte erstmals das Prinzip der Nachhaltigkeit. Der langen Worte Konsequenz: Was geerntet werden will, muss zuvor gesät werden.

 

Viele Jahrtausende konnten sich die Menschen aus dem Wald einfach nur bedienen, berichtet Preckel. Angefangen hat die Nutzung des Forstes mit der Evolution des Menschen in der Steinzeit. Seinerzeit diente der Wald neben dem Schutz der wenigen Menschen nur zum Sammeln von Beeren und Wurzeln zum Jagen.

 

Aber je weiter der Mensch sich entwickelte, um so mehr bediente er sich der Waldes und seiner Potenziale. Die Ausbeute aus Flora und Fauna wuchs nicht nur immens, sondern der Wald wurde gezielt ausgebeutet. Der fruchtbare Boden diente als Dünger, das Holz als Baustoff für Hütten wie für Burgen sowie Wild, Wurzeln und Beeren als Nahrung. Und die Wälder selbst wurden als Weide für das Vieh genutzt – die sogenannten „Hudewälder“.

 

Wo gerodet wurde, bildete sich zwar durch Stockausschlägen ein Niederwald, aber dessen Bäume erreichen nicht mehr Umfänge, die eine wirtschaftliche Nutzung als Bauholz ermöglichen. Die Erkenntnis wuchs, dass nur ein aus Samen oder Setzlingen gewachsener Hochwald die erwünschte Ernte ermöglicht.

 

Dagegen haben die Begriffe Nieder- und Hochwild kaum etwas mit der Größe des Wildes zu tun. Die Jagd auf Niederwild – wie Reh, Hase, Fuchs oder Marder – durfte der niedere Adel ausüben, während entsprechend das Hochwild – wie Rot-, Damwild und Wildscheine – dem Hochadel vorbehalten waren. Heute, insbesondere seit dem Orkan Kyrill vor zehn Jahren, hat sich der Bestand an Rotwild im Stadtwald verfünffacht, schätzt Preckel. „Das Revier verträgt etwa 15 Tiere, es sind aber mehr als 50“, sagt Preckel. Entsprechend groß sind die Beeinträchtigungen in den Kulturen durch Verbiss und Schälschäden – viel Arbeit für die Jäger.

 

Apropos Arbeit: „Die Forstwirtschaft bietet genau so viele Arbeitsplätze wie die Automobilindustrie“, sagt Preckel und verweist auf die Wertschöpfungskette von der eigentlichen Tätigkeit im Wald bis hin zur Veredlung beispielsweise in der Möbelbranche. In seinem Stolberger Forstamt zählt der Forstoberrat neben einem Mitarbeiter im Büro fünf feste Kollegen inklusive eines Auszubildenden. „Sie sind ein tolles Team“, sagt Theo Preckel stolz.

 

Vergleichbar stolz sind unsere interessierten Leser auf die unterhaltsame und lehrreiche Führung – trotz des Regens. „Der Spaziergang hat mir sehr gut getan“, sagt ein begeisterter Bernd Umhofer, der sich noch von einer kürzlichen Erkrankung erholt. Auch der wissbegierige Jonas ist fasziniert: „Es hat sehr viel Spaß gemacht.“

 

Interessante Zahlen aus dem Stolberger Forst

 

  • Der Stolberger Stadtwald hat eine Fläche von 1423 Hektar. Er ist im Vergleich zu 1998 um 55,6 Hektar angewachsen. Dies beruht vor allem auf Ankäufen und Aufforstungen in Zweifall und Camp Astrid sowie die Übernahme der Waldstreifen in der Donnerberger Siedlung.
  • Der Waldanteil der Kupferstadt liegt bei überdurchschnittlichen 52 Prozent (NRW 27 Prozent, Deutschland 32 Prozent). 257,3 Hektar sind als Naturschutzgebiet ausgewiesen.
  • Mit 41 Prozent macht die Fichte die größten Bestände aus, gefolgt von Buche (19 %), Eiche (14 %), Kiefer (10 %) und Douglasie (4 %). Seit 1999 wurden neue Kulturen mit 355 600 Pflanzen begründet, davon 223 600 Buchen, Eichen, Erlen und Eschen. Zur Gewinnung von Vermehrungsgut zugelassen sind mehrere Bestände von Traubeneichen im Stadtwald.
  • Der Stadtwald wird unter ökologischen Aspekten ökonomisch bewirtschaftet. Er dient aber ausgiebig als Erholungswald. Das Wanderwegenetz erstreckt sich über 150 Kilometer; zudem werden 40 Kilometer Reitwege unterhalten. Vier feste Schützhütten und mehr als 100 Bänke laden zum Verweilen ein.

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

Kandidat für den Städteregionsrat
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