Die Euphorie ist dem Alltag gewichen

Im Hromadka-Haus in Zweifall leben junge Flüchtlinge. Rund zwei Jahre nach der Eröffnung hat sich dort viel getan. Ehrenamtler sind Mangelware.

Foto: Jürgen Lange
Foto: Jürgen Lange

Ein neues Zuhause für junge Flüchtlinge: Diese Aufgabe erfüllt das Hromadka-Haus in Zweifall. Seit fast zwei Jahren leben in der Einrichtung junge Menschen, die aus ihrer Heimat geflohen sind und in Deutschland ein neues Leben beginnen möchten – auch in Stolberg. Und was hat sich seit der Eröffnung getan? Jede Menge, sagen Guido Lusetic, Fachbereichskoordinator des Zentrums für soziale Arbeit in Burtscheid, und Burkhard Büttgen, pädagogischer Einrichtungleiter. Sie wissen allerdings auch, dass die Entwicklungen nicht immer nur ins Positive verlaufen.

 

25 junge Männer zwischen 14 und 18 Jahren leben derzeit in der Unterkunft. Die so genannte Clearinggruppe war zu Beginn für Jugendliche gedacht, die erst wenige Tage in Deutschland waren, noch keine Asylanträge gestellt und noch nicht die obligatorische ärztliche Untersuchung hinter sich gebracht hatten. Sie löste sich allerdings schnell auf. „Am Anfang war der Flüchtlingsstrom sehr groß, doch dann fand schnell eine Umverteilung statt und wir wurden zur abgebenden Kommune“, sagt Lusetic.

 

So wurde die Clearinggruppe zu einer von insgesamt zwei Regelgruppen. In diesen leben momentan jeweils zehn Jugendliche. Jeder von ihnen hat sein eigenes Zimmer mit einem angeschlossenen kleinen Badezimmer – Dusche inklusive. „Aus diesem Grund ist der Standort in Zweifall auch sehr beliebt. Hier haben die Jugendlichen ihre Privatsspähre. Deshalb sind wir eigentlich auch immer ausgebucht“, sagt Lusetic.

 

Neben den beiden Regelgruppen gibt es auch noch die so genannte Verselbstständigungsgruppe, in der fünf Jugendliche ab 16 Jahren sich nahezu eigenständig um ihren Haushalt kümmern und nach einer eigenen Wohnung suchen. „Das ist ein autarker Bereich. Hier haben die Jugendlichen die Möglichkeit, noch einmal zu üben, bevor sie in eine eigene Wohnung ziehen“, sagt Lusetic.

 

Die Suche nach einer passenden Bleibe ist allerdings keine einfache Angelegenheit, wie Lusetic und Büttgen wissen. Das Problem: Nicht nur geeigneter Wohnraum werde in der Region immer seltener. Auch der Preis müsse stimmen. Schließlich gehen die jungen Erwachsenen im Hromadka-Haus fast alle noch zur Schule. Einer von ihnen absolviert eine Ausbildung, ein weiterer junger Mann ist auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Auch das stellt oft eine Herausforderung dar. Immer wieder gebe es Firmen, die die Jugendlichen mit einer langfristigen

Perspektive locken und ihnen nach wenigen Tagen mitteilen, dass man ihnen nicht helfen könnte.

 

Unterkriegen lassen sich die jungen Erwachsenen davon allerdings nicht. „Sie sind sehr ehrgeizig und ich bin immer wieder überrascht, wie schnell sie sich in deutscher Sprache verständigen können. Die deutsche Gesellschaft ist eine Leistungsgesellschaft und das nehmen die Jugendlichen hervorragend an“, sagt Lusetic. Das liegt seiner Meinung nach vor allem an der guten Zusammenarbeit mit den Stolberger und Aachener Schulen. Dort sind die Jugendlichen in Förderklassen untergebracht. „Schulverweigerung ist bei uns kein Thema“, sagt Lusetic.

 

Auch in iherer Freizeit sind die Jugendlichen aktiv. Erst in den Osterferien machten sie – in Zusammenarbeit mit der Polizei – ihren Fahrradführerschein, momentan verschönern sie den Außenbereich des Hromadka-Hauses. Die einstigen Terassen, die dort bereits vorhanden waren, sollen reaktiviert werden. Die Gehwege konnten die Jugendlichen bereits erneuern, zudem haben sie vor aus Paletten Lounge-Möbel zu bauen. „Wir möchten uns hier gerne auf einen längeren Zeitraum einstellen“, sagt Lusetic, der die Zusammenarbeit mit der Gemeinde und dem Träger (siehe Infobox) lobt. Dieser baut nun auch eine neue Heizungsanlage in das Gebäude ein.

 

Auch mit der Nachbarschaft gebe es keine Probleme. „Am Anfang hatten wir schon Bedenken, aber wir erfahren sehr viel Unterstützung. Es gibt keinen Protest in irgendeiner Form“, sagt Lusetic.

 

Die Jugendlichen, die im Hromadka-Haus leben, sind nicht nur unbegleitet nach Deutschland gekommen. „Der Trend ändert sich. Mittlerweile gibt es auch Inobhutnahmen aus Familien heraus oder auch Aufnahmen aus Pflegefamiilen“, sagt Lusetic. Eine Situation, an die sich auch die Mitarbeiter gewöhnen müssen. „Elternkontakt hat bisher keine Rolle gespielt. Darauf müssen wir unsere Mitarbeiter vorbereiten und entsprechend schulen. Das wird aber kein großes Thema sein“, sagt Lusetic und fügt hinzu: „Unsere Aufgabe ist es, jedem Jugendlichen das zu bieten, was er braucht.“

 

Gebraucht werden auch Ehrenamtler. „Konnten wir 2015 und 2016 die Anfragen gar nicht bedienen, meldet sich mittlerweile keiner mehr. Nach der Euphorie kommt meistens die Realität“, sagt Büttgen. Nur wenige kommen regelmäßig in das Hromadka-Haus und bieten dort Nachhilfe oder Freizeitaktivitäten an. Patenschaften gebe es jedoch so gut wie keine mehr. „Viele kamen mit anderen Vorstellungen und wurden enttäuscht“, sagt Büttgen. Dabei seien Menschen, die die Jugendlichen bei Behördengängen oder zum Arzt begleiten, unverzichtbar. „Es ist hilfreich, wenn Menschen da sind, die ihnen Dinge erklären, ganz ohne Druck“, sagt Büttgen.

 

Mehr Plätze wird es im Hromadka-Haus in Zukunft übrigens nicht geben. „Durch das Umverteilungsgesetz werden nicht mehr Plätze benötigt“, sagt Lusetic. Die Jugendlichen aus dem Hromadka-Haus fahren in den Sommerferien für zehn Tage an die Ostsee. Schließlich gehört auch das zu dem Leben eines „ganz normalen“ Jugendlichen dazu.

 

Die bewegte Geschichte des Hromadka-Hauses

 

  • Das Hromadka-Haus ist nach dem tschechoslowakisch evangelisch-lutherischen Theologen Josef Lukl Hromádka benannt. Errichtet wurde das Gebäude im Jahr 1883.
  • Da esüber wenig Raumkapazität verfügte, wurde 1972 ein Neubau errichtet. Der Bau, der im Dachbereich einen Saal und im Erdgeschoss Übernachtungsmöglichkeiten bot, wurde mit dem Altbau verbunden.
  • Eine zweite Erweiterung folgte 1980. Dabei entstanden ein Heimleiterwohnhaus und ein Anbau. Auch sie sind mit dem Altbau verbunden.
  • Ab 2003 wurde es als Ausbildungsstätte für Zivildienstleistende genutzt. Ab 2006 pachtete Rob Heijne das Gebäude, in dem niederländische Krebspatienten Erholung finden sollten. 2011 gab er es an den Eigentümer zurück. Danach stand es vier Jahre leer.
  • Neue Pächter sind Cornelia und Udo Wilschewski vom Zentrum für soziale Arbeit (ZfsA) in Aachen-Burtscheid in der Trägerschaft des Evangelischen Frauenvereins Aachen.

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

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