Im Wahnsinnstempo durch die Kurven

Bei den offenen Rennen des Automodellclubs können auch Ungeübte den Regler in die Hand nehmen.

Foto: Benjamin Zilkens
Foto: Benjamin Zilkens

Wer mittwochsabends die alte Schule auf der Dorfstraße in Werth betritt und die knarzenden Treppenstufen in den ersten Stock hinaufgeht, könnte sich im ersten Moment an unangenehme Dinge erinnert fühlen. Denn das Geräusch, das dort aus dem ehemaligen Klassenraum in den Flur dringt, ähnelt in etwa dem eines Bohrers beim Zahnarzt. Es gibt allerdings einen gewaltigen Unterschied: Statt zum medizinischen Werkzeug wird hier zum Handregler gegriffen und ordentlich Gas gegeben. Das tut nicht weh, sondern macht – ganz im Gegensatz zum Zahnarztbesuch – gewaltigen Spaß! Werth ist die Heimat des 1. Stolberger Automodellclubs, bereits 1963 gegründet und damit deutschlandweit der älteste, noch existierende seiner Art.

 

Der Fachterminus für das Hobby, zu dem sich die zwölf Vereinsmitglieder jede Woche treffen, ist „Slotracing“. „Die Fahrzeuge sind spurgebunden, haben also einen Leitkiel, der in einem Schlitz auf der Bahn geführt wird“, erklärt Andreas Quadflieg, der fast seit der Clubgründung mit an Bord ist. „Mein Vater war ein Schulkamerad des allerersten Vorsitzenden Karl Küpper, der den Club auch gegründet hat. Irgendwann hat er mich gefragt, ob ich nicht einmal mitkommen will und dann bin ich da hängen geblieben. Ich bin aber auch einfach ein Autonarr“, ergänzt er mit einem Grinsen.

 

Slotracing – das ist also eine Art Carrerafahren. Und irgendwie doch nicht. Denn die wuchtige Bahn im Klassenraum sieht so gar nicht wie die typischen Rennstrecken aus, die auch heute noch in vielen Kinderzimmern zu finden sind und die Eltern beim Staubsaugen in den Wahnsinn treiben. Etwa dreißig Meter ist diese lang, nicht aus fertigen Teilen zusammengesetzt, sondern in mühevoller Handarbeit aus Holz selbst geschreinert. „Das ist fast die Ursprungsbahn, wie sie seit 1985 hier im Gebäude steht“, so Quadflieg, der 1989 sogar Deutscher Meister im

Slotracing wurde. „Wir haben lediglich noch eine sechste Spur drangesetzt und ihr einen neuen Anstrich verpasst.“

 

An diesem Abend steht der GT3-Cup auf dem Programm. „Das sind einfach noch schöne Autos, die bei den Fahrern sehr beliebt sind“, sagt Quadflieg. Es gebe allerdings auch deutlich schnellere Klassen mit vor allem optisch ganz anderen Modellen. Nur: „Die sehen kaum noch wie ein Auto aus, sondern sind nur auf Leistung ausgelegt.“ Also flach, leicht und möglichst aerodynamisch. Die GT3-Modelle, die nun über die Bahn flitzen, können auf der Geraden rund 30 km/h schnell werden, absolvieren die 30 Meter lange Strecke mit ihren vier Kurven in vier bis fünf Sekunden. Zum Vergleich: Die schnellsten Klassen bei der Weltmeisterschaft schaffen eine doppelt so lange Bahn mit sechs Kurven in deutlich unter zwei Sekunden. Geschwindigkeiten über 100 km/h sind also kein Problem – außer für ungeübte Beobachter. „Die sind dann so schnell, dass der Zuschauer das kaum verfolgen kann und vielleicht nur noch einen weißen Strich sieht“, sagt der Vorsitzende des Automodellclubs Kalle Stenten. Wobei auch dies nur eine Frage der Perspektive sei. „Als Fahrer sieht man sein Auto immer. Es kann schon passieren, dass der Zuschauer mit den Augen nicht hinterherkommt und man selbst hat den Regler in der Hand und denkt: verdammter Mist, ist das langsam heute.“

 

Die Herangehensweise an das Hobby „Slotracing“ kann ganz unterschiedlich sein. Während sich die einen einfach ein Auto kaufen, es auf die Spur setzen und abdüsen, nehmen interessierte Bastler ihr Modell erst einmal auseinander und versuchen, es schneller zu machen. So haben die meisten Clubmitglieder ein eigenes Köfferchen mit Werkzeug und Ersatzteilen dabei. Zum Beispiel, um die Reifen zu wechseln. Die Boxengasse im Kleinformat ist allerdings auch notwendig. „Wenn die Bahn zwei Grad wärmer oder kälter wird, ändert sich schon das Fahrverhalten des Autos“, betont Stenten. „Dann muss man entsprechend härtere oder weichere Varianten aufziehen.“ Auch der unter dem Auto montierte Schleifer, der den Strom abgreift, müsse wegen Verschleißes häufig ausgetauscht werden. Geheimnisse bei der Optimierung der Fahrzeuge gebe es nicht. „Bei uns ist es immer so gewesen, dass Neulinge unterstützt werden. Wenn jemand das erste Mal hier ist und der Wagen läuft nicht annähernd so wie unsere, schauen wir da mit drauf. Denn das macht einem Einsteiger sonst keinen Spaß, der hört ja sofort wieder auf.“ Wer kein eigenes Modell hat, kann übrigens trotzdem immer mittwochs ab 19 Uhr vorbeischauen. Zum Austesten stehen ein paar Gästeautos zur Verfügung.

 

Technisches Wissen ist also keine Voraussetzung, ein wenig Interesse am Schrauben sollte man aber schon mitbringen. Und am Motorsport. „Wer damit überhaupt nichts anfangen kann, wird sich auch hier nicht wohlfühlen“, meint Andreas Quadflieg. Darüber hinaus sollten Slotracer ein gutes Reaktionsvermögen und ein kluges taktisches Verhalten mitbringen. „Es wäre ja zum Beispiel Unsinn, wenn ich kurz vor Ende mit mehreren Runden in Vorsprung liege und dennoch volle Pulle gehe und das Auto womöglich in die Bande setze. Da ist dann einfach ausrollen lassen angesagt.“

 

Im Gegensatz zum richtigen Motorsport an der frischen Luft ist Slotracing natürlich vollkommen risikolos. „Es hätte mich zwar immer mal interessiert, in einem richtigen Rennwagen zu sitzen“ sagt Andreas Quadflieg. „Aber ich war auch so realistisch zu sagen, dass ich das nicht haben muss. Wenn ich hier mit Vollgas gegen die Bande fahre, ist im ungünstigsten Fall das Auto kaputt, aber nicht ich.“

 

Quelle: Super Mittwoch

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