Narrentanz, Trauermarsch und Improvisationskunst

Marina Baranova zeigt ihr meisterhaftes Talent.

Foto: Marie-Luise Otten
Foto: Marie-Luise Otten

Als Meisterin der Improvisation erwies sich Marina Baranova, die ihr aktuelles Programm „Hypersuites“ nun auch nach Berlin, Bremen, München und Brüssel im Stolberger Klassik-Festival vorstellte.

 

Die deutsch-ukrainische Künstlerin hatte sich mit deutschen und französischen Komponisten aus der Barockzeit beschäftigt, deren Stücke sie zu Suiten zusammengesetzt hatte und auf ihre eigene Weise spielte. Sie baue ihre Assoziationen bei freien Stellen innerhalb der Stücke auf, erklärte sie zu Beginn, wie es auch schon andere Komponisten vor ihr getan haben. Am Beispiel der „Sarabande und Variationen über La folia“ zeigte sie, wie De Salina, Rachmaninow, ein Bach-Sohn oder Grieg dieses melodisch-harmonische Satzmodell von Georg Friedrich Händel umgesetzt haben. Von übermütiger Ausgelassenheit als Narrentanz über einen Trauermarsch bis hin zu einer norwegischen Melodie war alles möglich.

 

Die zweite Suite brachte Musik von Jean Philippe Rameau. Die französischen Barockkompositionen unterscheiden sich von den deutschen durch ihre fantasievolleren Namen, so Baranova. In den fünf Sätzen sei ganz viel Einfluss ihrer Eltern erkennbar. In der Ukraine hatte die Familie eine kleine Wohnung, und in jedem Zimmer stand ein Klavier. Ihre Mutter unterrichtete Klassik, ihr Vater Jazz und dank dieser unterschiedlichen Welten konnte Baranova sehr früh ihre Leidenschaft sowohl zur Klassischen Musik als auch zur Improvisation entdecken.

 

Nach der Pause ging es mit zwei Hypersuiten über Musik von Johann Sebastian Bach und Francois Couperin weiter. Was die Veränderung und den Reiz der einzelnen Sätze ausmachte, war, dass sie für Orgel geschrieben, nun aber auf dem Steinway-Flügel gespielt wurden. Dazu kam die persönliche Interpretation der hochbegabten Künstlerin. Sie hat Fantasie, bedient sich verschiedener Stile, Formen und Gattungen und setzt sie auf neue, individuelle Weise zusammen. Noten gibt es dafür nicht. Ihre Musik eröffnet neue Horizonte, ist kreativ und überraschend und bot im reizvollen Ambiente des Saals ein außergewöhnliches Musikerlebnis.

 

Nach dem stürmischen Applaus spielte sie eine Eigenkomposition zu dem Märchen „Der Feuervogel“ als Zugabe. Hier ging es um die ständige Suche nach dessen Wunderfeder, die den Menschen Glück bringt.

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

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