Den Rennradvereinen gehen die Mitglieder aus

Der RC Dorff aus Stolberg wird immer älter, die ESG aus Eschweiler hat immer weniger Mitglieder. Vereine suchen händeringend nach jungen Radsportfans – aber diese haben häufig andere Interessen.

Foto: Imago/Mint images
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Es ist gut zwei Wochen her, da ist die Tour de France durch unsere Region gefahren. Zwar hat sie Stolberg und Eschweiler knapp verfehlt, bei vielen bleibt die Faszination für diese Sportart dennoch. Auch Roland Fuchs (74) und Josef Braun (66) sind große Rennradfans, wohl auch, weil sie diesen Sport seit vielen Jahren aktiv betreiben.

 

Für den Vorsitzenden und den Geschäftsführer des Vereins RC Dorff, ist es aber längst nicht mehr nur Faszination – wie früher. Hinzu mischt sich immer häufiger auch Sorge und Pessimismus, dass der Rennradsport in Stolberg an Bedeutung verliert. Der Grund: Das Durchschnittsalter der rund

100 Vereinsmitglieder liegt bei etwa 60 Jahren und nur wenige junge Menschen treten dem Verein bei. Außerdem fehlt es an Frauen – weniger als zehn der 100 Mitglieder sind weiblich. Einige befreundete Vereine hätten sich in der Vergangenheit bereits auflösen müssen. „Wir hoffen, dass wir das nicht tun müssen“, sagt Braun. Aber unwohl ist ihm schon, wenn er sich die Situation des Vereins, den es immerhin seit etwas mehr als 30 Jahren gibt, anschaut.

 

Das Problem kennt auch Hans Steinmetz, Geschäftsführer der ESG Radsport. Der Verein hat zurzeit 56 Mitglieder, die mehr oder weniger aktiv sind. Der Verein, der zu Gründungszeiten im Jahr 1985 nur für Rennradfahrer gedacht war, hat mittlerweile sogar mehr Mitglieder, die Mountainbike fahren. Das Problem: Viele, so ist sich Steinmetz sicher, fahren zwar gerne Fahrrad, hätten aber kein Interesse am Vereinsleben, denn das ist mit Pflichten, Versammlungen und einzuhaltenden Zeiten verbunden. Das wollten heutzutage die wenigsten eingehen. Bis 2014 hat es in Eschweiler jedes Jahr ein Radrennen gegeben – die ESG war der Initiator. Doch wegen mangelndem Interesse und zu hoher Kosten, wurde das Rennen eingestellt. Heute fällt selbst das wöchentliche Training des Vereins häufig aus. Man treffe sich eher spontan in kleineren Gruppen.

 

Für Josef Braun ist Rennradfahren mehr als nur ein Ausdauersport. Er schätzt vor allem das Gemeinschaftsgefühl. Er ist seit 18 Jahren Mitglied, seit einigen Jahren auch Geschäftsführer. Dass das Vereinsleben im stetigen Wandel ist, weiß er. Könnte er es ändern, würde er es vermutlich tun. Er würde dann mehr junge Menschen für den Radsport begeistern. „Aber zwingen kann man keinen“, sagt er.

 

Die Gründe dafür scheinen aber auf der Hand zu liegen: Der Verein nimmt nämlich nicht an Rennen teil. Und für viele ist es gerade das, was den Reiz ausmacht. Schließlich wollen sich viele mit anderen messen. „Unser Anliegen ist ein anderes“, sagt Fuchs. „Wir sind alle unterschiedlich schnell. Aber wir haben eine besondere Philosophie im Verein. Wir fahren gemeinsam los und kommen auch gemeinsam an.“ Fast keiner, der im Verein ist, hätte Ambitionen gehabt, irgendwann einmal an der Tour de France oder an einem anderen Rennen teilzunehmen, ist sich Fuchs sicher. Trotzdem muss sich der Verein darüber im Klaren sein: Begeistert man keine jungen Menschen für den Rennradsport, könnte ihm in ein paar Jahren das Aus drohen. Dabei ist gerade Rennradfahren im Vergleich zu vielen anderen Sportarten unkompliziert und weniger kostenaufwendig, sagt Braun. Der Mitgliedsbeitrag pro Jahr kostet 40 Euro. Hinzu kämen Kosten für Kleidung, Fahrradhelm, der im Verein übrigens Pflicht ist, und Schuhe, in die man in der Regel nur einmal investieren muss. „Gute Rennräder bekommt man heute schon für weniger als

1000 Euro“, sagt Braun. Natürlich gebe es auch welche, die die 10 000 Euro Marke überschreiten, aber das sei beim RC Dorff nicht der Maßstab. Im Gegenteil. Hier ginge es um Spaß an der Gemeinschaft und am Breitensport.

 

Während beim RC Dorff nur im Winter Mountainbike gefahren wird, hat sich das bei der ESG mehr als etabliert. Mehr als die Hälfte der Mitglieder, haben kein Rennrad mehr, sondern sind auf das Mountainbike umgestiegen. „Das ist vor allem für junge Menschen viel aufregender“, sagt Steinmetz.

 

2016 sind in Deutschland laut Informationen des Zweirad-Industrie-Verbands 4,05 Millionen Fahrräder verkauft worden, davon etwa 162 000 Rennradräder. Das entspricht einem Anteil von vier Prozent. Nur Holland- und Tourenräder werden mit 3,5 Prozent noch weniger verkauft. Besteht also ein Zusammenhang zwischen dem konstant niedrigen Verkauf und dem weniger werdenden Mitgliedern? Das ließe sich nur schwer sagen. Denn nicht jeder, der gerne Rennrad fährt, müsse gleich einem Verein beitreten. Viele Rennradfahrer betrieben den Sport auch nicht der Rennen wegen, sondern weil es ihnen Spaß macht.

 

Früher, erzählt Braun, hätte sich der Verein dreimal in der Woche abends zum Training getroffen. Heute wäre es unter der Woche für viele Berufstätige schwierig. Inzwischen haben sich einige Senioren zusammengetan – sie treffen sich an fünf Tagen in der Woche, um gemeinsam rund 60 bis 70 Kilometer mit dem Rennrad zu fahren. „Wer jetzt glaubt, dass die Senioren langsam und ganz gemütlich unterwegs sind. Der irrt sich“, sagt Fuchs. „Wir kommen auch ordentlich ins Schwitzen. Nur, weil wir nicht an Rennen teilnehmen, heißt das noch lange nicht, dass wir den Sport nicht ernst nehmen“, sagt er.

 

Treffen mit den Radsportfreunden

  • Wer sich dem Verein anschließen möchte, hat dazu immer am ersten Donnerstag im Monat beim Stammtisch der Radsportfreunde in der Raststätte „Zur Treppe“ in Stolberg Breinig, die Möglichkeit. Der Radsportverein empfiehlt, sich vorher per E-Mail an rc-dorff@outlook.de anzumelden.

 

Weitere Infos unter:

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

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