Stolberg zeigt sich als Bühne der Welt

Ehemalige ausländische Studenten der TH Aachen, die in ihren Heimatländern Karriere gemacht haben, besuchen die Region.

Foto: L. Otte
Foto: L. Otte

Über den Zaun gelehnt ruft eine Kinderschar aus der Kita Zauberkiste einer Gruppe von Menschen etwas zu: „Hallooo“, ertönt es lautstark vom Rande des Vichtbaches an der Zweifaller Straße. Die Kinder winken den strahlenden Gesichtern stürmisch entgegen, ohne dabei zu wissen, wen sie da genau vor sich haben: 14 Wissenschaftler aus aller Herrenländer, darunter die Türkei, China, Brasilien, Indonesien, die Mongolei, Vietnam und Argentinien, die jetzt die Schauplätze unsere Stadt besuchten und sich vor allem eines zeigten: beeindruckt.

 

Die Kupferstadt als Bühne der Welt! Es liegt in der Natur der Sache, dass jeder Student irgendwann nach seinem Abschluss seiner eigenen Wege geht. Seltener dagegen ist es, an die Universität zurückzukehren. Für die Wissenschaftler des Fachbereichs der Geo-Ressourcen, die nun auch in Stolberg auf Entdeckungstour gingen, war es nach Jahren ein Homecoming zur RWTH, ein Wiedersehen von Aachen und der Region.

 

Die Zeiger der Uhr zeigen kurz vor zwei. An dem ehemaligen römischen Tempelbezirk bei Kornelimünster fährt ein Reisebus vor, und die Fahrgäste steigen aus. Allen voran Dr. Sven Sindern, Leiter für Geochemie und Umweltanalytik am Institut für Mineralogie und Lagerstättenlehre der TH Aachen: „This place is called Varnenum“, beschreibt er den Ort, wo heute die Reise in die Vergangenheit einer zweitausendjährigen Geschichte beginnen wird. Die Leute drehen sich interessiert zu den Steingefügen um, während Dr. Sindern erzählt. Hinter ihnen liegen bereits acht Tage der Weiterbildung unter der Thematik „Globale Herausforderung: Bergbau und Umwelt“, zur der sie die RWTH Aachen eingeladen hat.

 

Als Alumni, also Ehemalige, die hier einst studierten, promovierten oder forschten, haben sie in ihren jeweiligen Ländern mittlerweile einflussreiche Professuren inne, sind Experten auf ihren Gebieten. Ihre Stimme zählt – in jener wissenschaftlich geführten Diskussion, in der es dieser Tage nicht nur um die Leistung eines entwicklungspolitischen Beitrages seitens der TH geht, sondern vielmehr um die Zukunft der Erde und unseresgleichen.

 

Der Wind wird stärker. Die Ausgrabungsstätte verlassen. Es geht weiter in Richtung Stolberg. Noch heute gehört die Stadt mit der Bleihütte und metallverarbeitenden Betrieben aus zu den bedeutendsten Standorten in Deutschland: „Stolberg hat eine traditionsreiche Geschichte. Der lang andauernde Bergbau, die Erzaufbereitung, die Metallverarbeitung. All das hat Einfluss auf die Stadt, die Landschaft und die Umwelt. Wir sehen die Effekte“, sagt Sindern. Auf dem Schlangenberg in Breinig begeben sich die Wissenschaftler auf die Suche nach Spuren der Geschichte und begegnen ihnen schließlich in ihrer ästhetischsten Form: als Galmeiveilchen. Mit zarten gelben Blüten wachsen sie, 276 Meter hoch gelegen, neben vier weiteren Arten der Metallophytoflora, auf dem butterweichen Boden. Hier, wo seit dem römischen Zeitalter bis in das 19. Jahrhundert Bergbau betrieben wurde: „Das Vermächtnis hoher Bleikonzentrationen“, betont der Gruppenleiter und stimmt damit nachdenklich: Wie kann etwas so Schönes aus einer Tätigkeit resultieren, die der Umwelt bekanntermaßen Schaden zufügt? Wir nähern uns der Problematik und dem eigentlichen Grund, warum alle hier in Stolberg zwischen Vergangenheit und Zukunft stehen. Sindern erklärt: „Unser industrielles wirtschaftliches Handeln basiert immer auf Rohstoffverbrauch. Die ganze Gesellschaft ist dadurch aufgebaut. Die Weltbevölkerung steigt, ebenso der Bedarf an mineralischen und fossilen Rohstoffen. Wir werden künftig mehr verbrauchen, ob wir wollen oder nicht. Und wir werden uns damit abfinden müssen, die Ressourcen zu nutzen.“

 

Rational gesehen, logische Worte. Dennoch erschüttern sie ein wenig. Sindern setzt fort und zerlegt die aufkommenden Gedanken: „Die Trennung zwischen den bösen Rohstoffproduzenten und den anderen gibt es nicht. Auch wenn wir mit der Praxis nicht direkt in Berührung kommen, leben wir alle davon. Man kann sich nicht rausreden.“ Ernüchterung und dennoch, ein kleiner Hoffnungsschimmer. Vielleicht bleibt es eine Frage der Handhabe? Wenige Zeit später im Stadtkern selbst geht es zu Fuß weiter. Die bunte Truppe macht Halt am Kupferhof Schart, wo sie schließlich auf die Kinder treffen. Als es durch die Gasse in der Schart hoch zur Finkenbergkirche geht, äußert eine der Exkursionsteilnehmerinnen, wie schön es hier doch sei. In besonderer Weise bringen dies auch die kurzzeitigen Sonnenstrahlen auf den still gelegenen Kupfermeisterfriedhof zur Geltung. Eine idyllische wie imponierende Szenerie gleichermaßen.

 

Auf den letzten Metern hin zu Prym berichten zwei Alumni von ihrer Geschichte. Dr.-Ing. Zulfiadi Zulhan aus Indonesien und Professor Dr.-Ing. Anna Luiza M. Ayres da Silva aus Sãn Paulo. Zulfiadi hat von 2002 bis 2005 in Aachen seinen Doktor gemacht, ist spezialisiert auf dem Gebiet der Eisen- und Hüttenkunde und arbeitet am Technologischen Institut Bandung: „Ich verbinde mit Aachen und Deutschland natürlich viel. Meine Studienzeit und Freunde. In Stolberg ist es auch sehr schön, die Fassaden, die Geschichte, der Bergbau – das alles fasziniert mich“, so der 44-Jährige.

 

Aber vor allem ist es Anna, die beeindruckt ist von dem Leben hier. „Ich vermisse das. Brasilien erlebt gerade wieder eine sehr große Krise. Es gibt keine Arbeit, Korruption, die Menschen gehen weg. Was kann ich machen? Ich liebe meine Heimat, wir demonstrieren“, sagt sie. Und erzählt, dass es bei ihr viele Bergwerke gebe, aber alles im Vergleich zur Bundesrepublik anders sei: „Deutschland ist als Industrienation sehr stark. Man sieht immer die modernsten Methoden. Natürlich versuche ich, das, was ich hier an Wissen erfahre, zuhause weiterzugeben.“

 

Die Notwendigkeit einer nachhaltigen Rohstoffversorgung ist eine der größten Herausforderungen, derer wir uns gegenüber sehen. Ein Verständnis von Umweltrisiken, -problemen und -überwachung eine fundamentale Basis zur Veränderung. Und Stolberg trug nun einen kleinen Teil dazu bei: „Das Besondere ist, dass die Stadt – auf so dichtem Raum – eine geschichtliche Bandbreite zwischen Bergbau, Metall und Aufbereitung widerspiegelt, die sich irgendwo auch in den Hintergründen der Leute wiederfindet“, so Sindern gegen Ende der Tour.

 

Auch wenn es bei dem Homecoming ein bisschen wie bei einer Tagung zuging, so stand im Vordergrund doch primär das Kennenlernen – für potenzielle zukünftige Projekte im Namen der Wissenschaft.

 

In Erinnerung werden hoffentlich die Kinder bleiben, die wie eingangs beschrieben, winkten…

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

Kandidat für den Städteregionsrat
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