„Hier bin ich herzlich aufgenommen worden“

Im Interview blickt Prof. Dr. Roland Fuchs auf 50 Jahre als Arzt im Krankenhaus zurück. Zweite Heimat in Stolberg gefunden. Ruhestand noch lange nicht in Sicht.

Foto: K. Toussaint
Foto: K. Toussaint

Unermüdlicher Einsatz für die Diagnostik und Therapie von Krebs- und Blutkrankheiten, verbunden mit einer bewegten Biografie: Prof. Roland Fuchs feiert an diesem Samstag sein 50-jähriges Jubiläum als Arzt im Krankenhaus mit einem medizinischen Symposium an der Uniklinik Aachen. Hier arbeitet der 74-Jährige seit 2009 in den Kliniken für Gastroenterologie und Hämatologie. Zur Ruhe setzen will er sich auch in den kommenden Jahren noch nicht.

 

Das Symposium „Neue Entwicklungen in der Diagnostik und Therapie hämatologischer und onkologischer Erkrankungen“ findet heute zwischen 8.30 und 11.00 Uhr im Hörsaal 1 der Uniklinik RWTH Aachen statt.

 

Herr Professor Fuchs, wieso sind Sie dem Krankenhaus so lange treu geblieben?

 

Fuchs: Ich hatte nie eine andere Vorstellung, als im Krankenhaus zu arbeiten. Als ich damals begann, ging die Tätigkeit in meinem Fachbereich auch gar nicht anders als im Krankenhaus. Eine private Niederlassung war für mich dann auch später nie eine Option. Nach 20 Jahren als Chefarzt in Eschweiler bin ich seit 2009 im Aachener Klinikum. Meine Mentalität ist nicht die der Rückschau und des Ausruhens – das kommt später! Ich habe immer eine produktive und Freude erzeugende Arbeit gemacht, sie war immer ein wichtiger Teil meines Lebens. Mit 65 Jahren hatte ich noch keinen inneren Abschluss mit der Arbeit gefunden.

 

Was hat sich in diesen 50 Jahre insbesondere in der Krebsdiagnostik und -therapie getan?

 

Fuchs: Vor 50 Jahren gab es für Krebserkrankungen der Organe eigentlich noch gar keine Therapie, zumindest keine Bestrahlung oder Chemotherapie mit ausreichender Wirksamkeit. Ich habe sozusagen alle Entwicklungen mitgemacht, die sich mit der Ausweitung medikamentöser Behandlung ergeben haben. Die erste Krebsart, die so behandelt wurde, war der Hodenkrebs in den Siebziger Jahren – bis dahin ausschließlich eine todbringende Erkrankung. Innerhalb der letzten Jahrzehnte hat die Kombination verschiedener Verfahren – Operationen, Strahlen- und Chemotherapie, in jüngerer Zeit auch insbesondere die Immuntherapie – ganz erhebliche Verbesserungen in der Therapie ergeben. In den 70er Jahren hat man damit begonnen, mit adjuvanten Therapien die Heilungsraten deutlich zu verbessern, zum Beispiel mit post-operativer Chemotherapie, zunächst bei Brustkrebs, später auch bei Lungen- und Darmkrebs. Vor 50 Jahren waren solche Behandlungsverfahren noch unbekannt.

 

Sie sind in der ehemaligen DDR aufgewachsen, haben in Bukarest und Leipzig studiert und dann in Erfurt und Magdeburg im Krankenhaus gearbeitet. Was hat Sie dann nach Westdeutschland geführt?

 

Fuchs: Im Auftrag der Regierung der DDR wurde ich nach Libyen geschickt, um die dortigen Ärzte zu den besten Hämatologen der Welt zu machen. Der Aufenthalt in Libyen hat mir gezeigt, dass ich nicht mein Leben lang im ostdeutschen Regime leben kann. Ich bin dann zunächst ohne meine Familie geflohen und fand mich mit 32 allein im Sauerland wieder.

 

Konnten Sie einen großen medizinischen Unterschied zwischen West und Ost feststellen?

 

Fuchs: Ja, sehr! Ich musste alles neu lernen, es gab komplett andere Medikamente. Was in der DDR besser war, war die medizinische Grundausbildung, die auf eine klassischere Untersuchungspraxis setzte.

 

Seit 1988 haben Sie dann in Eschweiler im Krankenhaus gearbeitet und in Stolberg gelebt. Wie kam es dazu?

 

Fuchs: Bei meinen Stationen in Wüsten, Rottenburg am Neckar, Wiesbaden und Duisburg habe ich gemerkt, dass es ohne Vitamin B, also ohne fördernde Unterstützer innerhalb Westdeutschlands unmöglich war, einen Chefarztposten zu bekommen. Mein großes Verlangen nach der Familienzusammenführung hat mich aber stark gemacht. Und mein mönchisches Leben in der Zeit, im Schwesternheim ohne jeden Komfort, hat mir eine nahezu vollständige Konzentration auf den Beruf erlaubt. Nach zweidreiviertel Jahren gelang die Familienzusammenführung. Ich bin dann schnell aufgestiegen in einen Bereich, in dem Wissenschaft einen großen Teil der Arbeit ausmacht. Am Essener Uniklinikum habe ich viel aufholen können, was in der Ausbildung in der DDR gefehlt hat. Dass ich auf meine Bewerbungen als Chefarzt dennoch nur Absagen bekam, war eine sehr schmerzerzeugende und frustrierende Erkenntnis. Ich war ja nicht weniger qualifiziert als andere. Dann kam der Anruf aus Eschweiler. Und obwohl das nicht meine erste Intention war, hat es sich als Glücksfall erwiesen, den Posten anzunehmen.

 

Ihre Bücher und Kurse haben inzwischen mehrere Generationen von Hämatologen ausgebildet. Welche Bedeutung hat die Lehrtätigkeit in Ihrem beruflichen Leben?

 

Fuchs: Mein Lehrprogramm zur Erkennung von Blutkrankheiten gilt inzwischen als Standardwerk. Das beflügelt mich gewaltig und lässt keine Langeweile aufkommen. Ich habe selbst die amerikanische Art und Weise der Wissensvermittlung kennengelernt und interaktive Formen übernommen. Das Lehrprogramm habe ich zunächst in Eschweiler durchgeführt und dann auf vier weitere Standorte ausgeweitet. Für Aachen haben wir einen sehr speziellen Ableger entwickelt, der das Ausbildungssystem, was ich in Eschweiler unterrichte, ergänzt. Mein jährlicher Lehrauftrag in Eschweiler wird aber weiterhin mit Herzblut von mir selbst durchgeführt. Beruflich gesehen ist dies mein größter Erfolg.

 

Sie haben einmal gesagt, dass Sie in Stolberg „soziale Reintegration“ erfahren haben. Was bedeutet Stolberg Ihnen?

 

Fuchs: Als ich von meinem ordentlichen Leben in der Heimat alleine nach Westdeutschland kam, habe ich das Prinzip der sozialen Entwurzelung erlebt. Diese Erfahrung von Heimatlosigkeit und Entwurzelung war sehr schmerzlich. Und in der Anfangszeit habe ich sehr darunter gelitten, keine emotionale Beziehung zu jemandem zu haben. Stolberg als Wohnort hat sich dann eher zufällig ergeben, da es in Eschweiler nichts zu mieten gab, als ich die Stelle im Krankenhaus annahm. In Stolberg habe ich soziale Reintegration erfahren. Inzwischen bin ich in mindestens zehn Vereinen Mitglied, in Dreien davon sehr aktiv. Ich bin Förderer des Museums in der Torburg, Organisator des Burggrafenfestes und Vorsitzender des Radclubs RC Dorff. Der Radsport ist mir sehr wichtig. Mit dem Fahrrad zu fahren, bedeutet auch etwas Tiefenpsychologisches: Man kann nicht mogeln, sondern macht nur das, was man mit eigener Kraft auf das Rad bringt. Ich sehe den Sport außerdem allgemein als soziale Verbindung durch das gemeinsame Erleben. Dass sich alles so entwickelt hat, ist nicht selbstverständlich, dafür empfinde ich eine große Dankbarkeit. Die Spende des Galminusbunnens in Stolberg war eine meiner besten Investitionen!

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

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