Aus Gussfabrik werden moderne Häuser

Das Bild an der Würselener Straße in Atsch hat sich in den vergangenen Jahrzehnten entscheidend gewandelt.

Foto: Archiv
Foto: Archiv

Was tun? Die Glocke hat einen Riss. Flicken oder neu gießen? Man entscheidet sich für einen Neuguss. Also wird der Bronzemantel zerschlagen, das Material eingeschmolzen und ein erneuter Versuch unternommen. Diesmal gelingt das Werk. Stolz wird danach die fehlerfreie Glocke, vermutlich die erste und einzige die jemals in Stolberg hergestellt wurde, auf einem Pferdefuhrwerk durch den Ort gefahren: Diese Situation ereignete sich in den frühen 1950er Jahren als die an der Würselener Straße liegende Eisen- und Metallgießerei Voss für den Dachreiter der Kirche St. Sebastianus eine Glocke anfertigte.

 

Es gibt im Stadtarchiv ein historisches Foto vom Gelände der Gießerei aus dem Jahr 1972. Allerdings lag das Werk zu diesem Zeitpunkt schon einige Jahre still. Denn bereits Mitte der 1960er Jahre hatte man die Produktion in der Gießerei eingestellt. Hergestellt wurden hier neben Glocken überwiegend Graugussteile für die Dürener Papierindustrie. Gegründet hatte man die Firma 1878. Anfänglich von Carl Bündgens geleitet, wurde das Werk in den 1920er Jahren von Reinhard Voss übernommen. Mit der Übernahme durch Voss war auch ein Neubau verbunden. 1925 wurde die kleine Gusshalle, der im hinteren Bereich ein Schmelzofen angeschlossen war, vergrößert und außerdem die Lücke zwischen dem Voss‘schen Wohnhaus und dem Betrieb geschlossen. Diese in den 1920er erfolgte Neugestaltung des zweigeschossigen Backsteinbaus ist auch auf dem historischen Foto noch erkennbar. Je zwei Fensterachsen sind durch zwei senkrechte Lisenen abgetrennt. Unterhalb der Dachtraufe ist ein waagerechtes Zahnfries angebracht. Über drei große Dachgauben wird die Abluft in die Umwelt abgegeben. Diese Produktionsweise führte dazu, dass die Würselener Straße zeitweise in eine dichte Qualmwolke gehüllt war, wie sich ein ehemaliger Mitarbeiter erinnert. Als der Umweltschutz griff, war die kleine Firma schon stillgelegt.

 

Auf dem historischen Foto liegt links die Gaststätte „Königshügel“. Diese gastronomische Einrichtung war 1957 entstanden. Zuvor war dort ein Lebensmittelladen ansässig. Wie eingangs schon erwähnt hatte die Gießerei Voss in den 1960er Jahren ihren Betrieb eingestellt. 1981 war die Bausubstanz so marode geworden, dass auch eine Unterstellmöglichkeit für Kirmes- und Zirkusfahrzeuge nicht mehr in Frage kam. Wenig später wurde die Firma abgebrochen und das Gelände für die Wohnbebauung genutzt.

 

In der Folgezeit entstanden auf dem früheren Terrain der Firma Voss mehrere Wohnbauten. An die ehemalige Gießerei erinnert nur noch das Voss‘sche Wohnhaus und Bürogebäude, das auf dem Foto von 1972 und auf einem aktuellen Bild der Situation vor Ort als zweites Gebäude von links zu sehen ist. Dieses Gebäude ist vermutlich um 1900 entstanden.

 

Das heutige Straßenbild lässt keinen Vergleich mehr zu früher zu. Die Gießerei Voss ist natürlich, wie beschrieben, aus dem Ortsbild verschwunden. Sie hat dafür einer ansprechend gestalteten, modernen Wohnbebauung Platz gemacht.

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

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