„Okta Logue“ und „Höchste Eisenbahn“

Doppelkonzert im Rahmen des Kulturfestivals X der Städteregion im Zinkhütter Hof: Psychedelic-Rock und „unpeinliche“ Popmusik.

Foto: Ben Wolf
Foto: Ben Wolf

Die schlechte Nachricht für Musikfreunde ist, dass das Konzert von „The Notwist“ am kommenden Samstag im Zinkhütter Hof bereits ausverkauft ist. Doch es gibt auch eine gute Nachricht – oder sogar zwei – , denn das Kulturfestival X der Städteregion beglückt die Kupferstadt in diesem Jahr gleich drei Mal mit feinster Livemusik. Und für das Doppelkonzert von „Okta Logue“ und „Die Höchste Eisenbahn“ am kommenden Freitag, 23. Juni, im Museum Zinkhütter Hof sind noch Karten im Vorverkauf (Bücherstube am Rathaus) sowie Restkarten an der Abendkasse erhältlich.

 

Ab 17.30 Uhr können im ZInkhütter Hof noch Tickets für fünf Euro erworben werden, ab 19 Uhr spielt „Okta Logue“. Und gegen 20.30 Uhr beginnt der Auftritt von „Die Höchste Eisenbahn“.

 

Entspannter Psychedelic-Rock ist von „Okta Logue“ zu erwarten. Und auch wenn die Band unter anderem mit Neil Young, dem großen alten Mann der Rockmusik, auf Tour war, auch wenn sie eine herausragende Coverversion des Eagles-Klassikers „Hotel California“ abgeliefert hat, auch wenn die Rockmusik der 1960er und 1970er unbestreitbar Teil ihrer musikalischen DNA ist: Man täte „Okta Logue“ aus dem hessischen Griesheim grob Unrecht, wenn man sie auf eine Retro-Rockband reduzierte.

 

Denn das Quartett beweist mit seinem aktuellen Album „Diamonds And Despair“, das im April 2016 erschienen ist, dass es ausgesprochen zeitgemäß klingt. Den Kern von „Okta Logue“ bilden Benno Herz (Bass, Gesang) und sein Bruder Robert Herz (Schlagzeug). Sie gründeten die Band im Jahr 2007 zusammen mit Philip Meloi (Gitarre), kurz darauf vervollständigte Nicolai Hildebrandt (Keyboards) das Line-Up. 2012 erschien das Debütalbum „Ballads Of A Burden“, 2013 der Nachfolger „Tales Of A Transit City“, der „Okta Logue“ auch international Aufmerksamkeit verschaffte.

 

Nach den Aufnahmen zu „Diamonds And Despair“ hat Nicolai Hildebrandt die Band verlassen. Ganz ohne Streit: Er will sich schlicht anderen Dingen zuwenden. Ersetzt worden ist er durch Max Schneider, der schon im Studio mit dabei war und die Band ab sofort auch auf der Bühne verstärken wird – natürlich auch beim Konzert in Stolberg. „Okta Logue“ verbindet in ihrer Musik die klassischen Rock-Elemente mit einem entspannten Groove und vor allem flächigen, psychedelischen Synthie-Klängen.

 

Insgesamt reißt die Band auf „Diamonds And Despair“ letzte stilistische Barrieren vollends ein und orientiert sich viel stärker an sphärischen Pop-Sounds. Statt an Neil Young denkt man plötzlich an „Tame Impala“, statt an die „Eagles“ an „MGMT“ oder an „Midlake“.

 

„Die Höchste Eisenbahn“ macht Popmusik für Leute, die bei dem Wort Popmusik normalerweise die Nase rümpfen. Mit der „Eisenbahn“ aber funktioniert es. Man denkt an die 1980er Jahre, an „La Boum – die Fete“, an die Neue Deutsche Welle und ein kleines bisschen vielleicht auch an „Münchener Freiheit“.

 

Wem das alles etwas peinlich ist – Jugendsünden und so weiter –, den rettet „Die Höchste Eisenbahn“. Denn das Quartett aus Berlin verleiht seinen Songs mit einem hervorragenden Händchen für Rhythmen, Melodien und Refrains zwar einen unverschämten Pop-Appeal.

 

Aber es kombiniert dies mit sehr frechen, lebensklugen Texten und einem derart mitreißenden Vortrag, dass es jeder zu befürchtenden Peinlichkeit den Wind sofort aus den Segeln nimmt. Bereits im Jahr 2015 waren „Die Höchste Eisenbahn“ beim Kulturfestival X der Städteregion zu Gast und verzauberten das Publikum in der Aachener Citykirche mit ihren treffend schrägen Geschichten aus dem Leben ganz normaler Menschen.

 

Die Köpfe der Band, Francesco Wilking und Moritz Krämer, haben zusammen mit Felix Weigt und Max Schröder inzwischen eine feste Struktur gefunden und das zweite Album „Wer bringt mich jetzt zu den anderen?“ veröffentlicht. Darauf werden die Songideen noch ein wenig breiter ausgewalzt, etwa in der aktuellen Single „Gierig“, die mit Streichern aufwartet, die auch einer Motown-Veröffentlichung gut zu Gesicht stehen würden.

 

Ein wenig „Fleetwood Mac“ schimmert durch „Lisbeth“, eine Ode an die erste Liebe, die sich schon nach einmaligem Hören fest im Kopf eingenistet hat. So wie eigentlich jedes Stück der „Höchsten Eisenbahn“.

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

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