Tor zum Bürgerwald bleibt vorerst zu

Niemand will die Kosten der Altlastenbeseitigung im Propsteier Wald übernehmen. Gesprächsfaden ist wieder aufgenommen.

Bürgerwald, Camp CO2-Zero – die Pläne für den Prop­steier Wald liegen seit Jahren auf dem Tisch. Nur geschehen ist bisher nichts, zumindest nicht viel. Im Jahr 2011 wurde die Initiative mit dem Deutschen Naturschutzpreis des Bundesamtes für Naturschutz ausgezeichnet. Die Stadt Eschweiler und die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) haben im Dezember 2013 eine Rahmenvereinbarung für eine Kooperationspartnerschaft abgeschlossen. Seitdem herrscht Stillstand. Das Camp CO2-Zero scheint unwahrscheinlicher denn je: Die BImA würde das Areal der Stadt verkaufen und dabei einen wirtschaftlich angemessenen Preis erzielen wollen. Die Stadt hingegen scheint nicht bereit, eine entsprechende Summe auf den Tisch zu legen. Annäherung gibt es allerdings bei dem Thema Bürgerwald. „Es ist vorgesehen, Teilbereiche für den Besucherverkehr zukünftig zu öffnen“, teilt Thorsten Grützner von der BImA mit. Dies ist ein Ergebnis des Gesprächs mit der Stadt Eschweiler Mitte Mai. Wann, ist jedoch nicht klar.

 

Im Eschweiler Rathaus ist man frustriert. Vor wenigen Wochen erneuerte Bürgermeister Rudi Bertram seine Kritik an der BImA. Man werde hingehalten, sagte der Verwaltungschef. „Die Pläne werden politisch gehemmt, was sicherlich auch damit zusammenhängt, dass die Stolberger den Autobahnanschluss an die A4 haben möchten“, meint Bertram. Bisher hat das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur entsprechende Anfragen Stolbergs abgelehnt. Die Begründung: Die Abstände zwischen den einzelnen Zufahrten auf dem Teilstück der Autobahn 4 seien zu gering. Dazu zähle auch die Raststätte Aachener Land Süd. Die Stadt Eschweiler lehnt einen weiteren Autobahnanschluss entschieden ab, der in ihren Augen vor allem die Menschen in Röhe weiter belasten würde. Er würde zudem über Eschweiler Stadtgebiet führen.

 

Der ehrenamtlich agierende Förderverein Propsteier Wald, der den Bürgerwald unter anderem als außerschulischen Lernort entwickeln will und eine Waldbewirtschaftung nach dem Genossenschaftsprinzip anstrebt, steht schon seit Jahren in den Startlöchern. Einer der Initiatoren, Eberhard Büttgen, arbeitet inzwischen auch bei der Stadtverwaltung an dem Thema. Er zeigt wenig Verständnis dafür, dass die Gespräche zwischen BImA und Stadt einige Monate ruhten, und fürchtet, dass das Areal an den Meistbietenden veräußert wird. In der Konsequenz kann dies dazu führen, dass die Bewirtschaftung in dem Forst lediglich nach wirtschaftlichen und nicht nach naturnahen und ökologisch wertvollen Aspekten erfolge. Zudem wäre er wie bisher nicht für die Menschen zur Naherholung nutzbar. „Der Wald ist Eigentum der Bundesrepublik und damit der Bürger – das bestmögliche Ergebnis kann auch ein gelungenes Naherholungsgebiet mit einem hohen ökologischen Wert sein“, meint er.

 

Es hakt jedoch an einer entscheidenden Stelle: beim Geld. Der Förderverein oder die Stadt Eschweiler können die von der BImA genannte Kaufsumme bei weitem nicht aufbringen. „Die Konditionen für den Kauf haben sich nicht geändert“, teilte der Technische Beigeordnete Hermann Gödde auf Anfrage von Bündnis 90/Die Grünen in einer der letzten Ratssitzungen mit. Für die Fläche besteht zudem ein Verdacht auf Altlasten und Kampfmittelbelastung, die beseitigt werden müssen. Dies kostet viel Geld. Mehr noch, sie führt auch dazu, dass die Tore des Waldes geschlossen bleiben. „Die BImA kann das fragliche Areal wegen der Verkehrssicherungsverpflichtung des Eigentümers derzeit nicht öffnen“, sagt Thorsten Grützner.

 

Um die finanzielle Situation zu klären, bestanden mehrere Überlegungen: Verkauf oder Verpachtung der Sonderbauflächen Camp CO2-Zero, Verkauf von Ökopunkten aus Kompensations- und Ausgleichsmaßnahmen und Bau von Windenergieanlagen im Prop steier Wald. Alle diese Möglichkeiten werden aktuell nicht mehr debattiert. „Die Umsetzung des bekannten Eingriffs- und Ausgleichskonzeptes, das die Stiftung Rheinische Kulturlandschaft erstellt hat, wird nach wie vor angestrebt“, teilt Grützner mit. Die Umsetzung solle beispielsweise für Bundesbedarfsträger für A&E (Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen), aber auch für Dritte projektbezogen umgesetzt werden – allerdings nicht als Ökokonto, heißt es.

 

Dass monatelang Schweigen zwischen BImA und Stadt Eschweiler herrschte, räumt die Bundesbehörde ein. Bei der Erarbeitung eines Nutzungs- und Entwicklungskonzeptes habe es nach der Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung „unterschiedliche Vorstellungen über die konkrete Ausgestaltung“ gegeben. Auch die Entwicklung der Flüchtlingszahlen soll zu einer zeitlichen Verzögerung geführt haben: Man habe die bebauten Bereiche der Liegenschaft dem Land NRW zur Prüfung einer möglichen Flüchtlingsunterbringung melden müssen.

 

Zum Camp CO2-Zero heißt es auf der Homepage der Stadt Eschweiler noch forsch: „Die Stadt beabsichtigt, das Projekt Camp CO2-Zero mit der Durchführung der Bauleitplanverfahren sowie mit der Profilierung und Etablierung der Forschungsschwerpunkte, in Kooperation mit den regionalen Hochschulen und Forschungseinrichtungen, maßgeblich zu entwickeln.“ Dies ist jedoch bisher nicht geschehen. Wohl aus Kostengründen. Die BImA legt dem Vorhaben keine Steine in den Weg – wenn der Preis stimmt. „Auf Grundlage eines solchen Nutzungskonzeptes wäre die BImA in der Lage, im Falle eines Kaufantrages durch die Stadt Eschweiler einen Kaufpreis zu ermitteln und Verkaufsverhandlungen zu führen“, sagt Grützner.

 

Immerhin: Stadt, Förderverein und BImA sprechen wieder miteinander, nachdem die Verwaltung mehrfach mitgeteilt hatte, dass Anfragen unbeantwortet geblieben sein sollen. Eine Öffnung in Teilbereichen scheint wieder greifbar. Rudi Bertrams Aussage klingt in diesem Zusammenhang trotzig: „Wir werden an diesem Projekt dranbleiben, aber die Unterstützung von oben ist nicht vorhanden.“

 

In Zahlen: 370 Hektar groß, 350 Munitionshütten

 

  • Der Propsteier Wald ist etwa 370 Hektar groß. Auf 270 Hektar befinden sich das ehemalige Material- und Instandsetzungslager „Camp Astrid“ (10 Hektar) sowie das angeschlossene Munitionsdepot „Prop-steier Wald“ (260).
  • Bis zum Jahr 1995 waren dort belgische Truppen stationiert. Davon zeugen noch heute 23 Häuser und Hallen, 350 Munitionshütten sowie 23 Kilometer befestigte Wege.
  • Mit dem Abzug der Truppen ging der Wald in den Besitz der Bundesrepublik Deutschland über. Er wird verwaltet und vermarktet von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA).

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

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