Großen und kleinen Menschen selbstlos Freude gemacht

Beim Pfarrfest in Vicht packen viele Helfer mit an, damit der Tag ein besonderer wird. Gemeinsinn hält ein Dorf zusammen.

Foto: C. Hahn
Foto: C. Hahn

Eigentlich fing der Sonntag nicht gut an – eigentlich. Rudi Dreuw, Vorsitzender des Vichter Pfarrgemeinderates, war extra zum Stolberger Hauptbahnhof gefahren, um dort einen Gastpriester abzuholen. Denn daheim war gestern Pfarrfest, und dazu gehört halt eine Messe. Doch der Priester kam nicht. Stattt dessen hieß es: „Strecke gesperrt“ – eine Erfahrung, die auch viele Reisende machen, denn besonders an Wochenenden entpuppt sich, schon der vielen Baustellen am Schienenstrang wegen, der Fahrplan der Bahn als ein einziges großes Überraschungsei. Aber da der Geistliche aus der Kaiserstadt nicht ankam und wohl auch nicht ankommen konnte, andererseits eine Messe ohne Priester halt keine Messe ist, musste der erprobte Katholik Dreuw halt selber ran: Anstelle der Messe hielt der Laie ohne Weihe mit Messdienern und einer Kommunionhelferin einen Wortgottesdienst. Auf der Orgelbühne saß derweil der 14-jährige Martin Schikarski aus Breinig, der unlängst in Kai Pflaumes Junioren-Show „Frag doch mal die Maus“ zu Bildschirmruhm gelangt war.

 

Was ein Dorf ausmacht und zusammenhält – das konnten die Besucher während des zweitägigen Pfarrfestes nicht nur am ebenso unfreiwilligen wie gekonnten Einsatz merken. Wer die Budengasse auf der Rumpenstraße herauf und hinunter spazierte, der konnte zum Beispiel immer wieder sehen, wie die Mitglieder des Organisatoren-Teams um Jochen Emonds wieselflink hin und her eilten, mal Sonnenschirme zu den Biertischen brachten, mal dieses, das oder jenes taten. Dabei zeigten neben den treuen Mitgliedern der katholischen Gemeinde am Ort auch immer wieder Mitglieder der lokalen Vereine und Organisationen ihre Hilfsbereitschaft.

 

Ohne Honorar und Rechtsanspruch auf ein Dankeschön stellten sie das Personal für einige Stände zwischen Mehrzweckhalle und Kirche St. Johannes Baptist, natürlich Seite an Seite mit anderen Kräften. Die Leute von der Feuerwehr übernahmen zum Beispiel den Grill – kein Problem, denn nicht an heißen Tagen wie dem Sonntag haben sie in ihrem Metier mit besonderer Hitzeentwicklung zu tun. Derweil betrieben Aktive der Jungen Union die garantiert elektronikfreie Kegelbahn aus Holz, während ein Landwirt mit schwerem Schlepper den Planwagen voller Fahrgäste zu einer Rundfahrt durch Vicht zog.

 

Einwohner, die nicht lange diskutieren, wenn es darum geht, großen und kleinen Mitmenschen eine Freude zu machen, gab es gestern und vorgestern Abend viele – zum Beispiel tüchtige Waffelbäcker, Verkäuferinnen von Verzehrskarten und Karnevalisten am Zapfhahn. Engagement und Gemeinsinn sind der Kitt, der ein Dorf wie Vicht zusammenhält. Alle, die diesem Pfarrfest in diversen Rollen Leben und Gestalt gaben, habe das am Wochenende eindrucksvoll vorexerziert.

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

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