Der Weg zum Tennisprofi ist noch steinig

Unsere Autorin Leona Otte nimmt ihre erste Unterrichtsstunde beim „Schnuppertag“ des Stolberger SV. Auch Viele Kinder am Netz.

Foto: L. Otte
Foto: L. Otte

Als Kind hatte ich eine geraume Zeit die naive Vorstellung, dass ich beruflich einmal nur zwei Dinge werden könnte: Friseurin oder Tennisspielerin. Letzterer Wunsch war damals zweifellos auf Steffi Graf zurückzuführen und in meinen Augen die durchaus attraktivere Variante. Und nun stehe ich als Zeitungsmitarbeiterin auf einem Tennisplatz! Und werde erstmals selbst einen Tennisschläger schwingen.

 

Schon von der Straße aus sieht man eine ganze Kinderschar auf einem der vier Plätze in Mausbach herumwuseln. Von ihnen haben sich also auch ein paar auf den Weg zum Schnuppertag des Stolberger SV gemacht. Herzlich werde ich von Ulli Schulden, dem Sport- und Pressewart, sowie von Michi Metzen, eine von den 184 Mitgliedern des Clubs, empfangen. Wir gehen die Treppen hinunter. Der Platz, auf dem ich ernsthaft zum ersten Mal den Schläger schwingen werde, rückt näher. Die Nervosität steigt. So viele Gesichter um uns herum, die mich beobachten und sich vermutlich köstlich über meine Tollpatschigkeit amüsieren werden.

 

Genauso fällt mir plötzlich meine Ballangst aus vergangenen, etwas traumatischen Sportunterrichtstagen in der Schule wieder ein. Egal, es gibt kein zurück: Jetzt wird Tennis gespielt!

 

Eine jungen Frau lacht mich an: Janna Scholl. Ich erfahre, dass sie mich an die Hand nehmen wird, um mir die Tennis-Welt näherzubringen. Entspannung macht sich breit, denn Janna ist wirklich souverän. Um die Unfallgefahr zu minimieren, wird der Platz, der bei der Hitze staubtrocken ist, zunächst mit Wasser besprüht. Dann geht es los: „Für den Grundschlag stellst du deine Beine leicht auseinander, den linken Fuß nach vorn“, erklärt die 21-Jährige. „Den Schläger fasst du unten an, schwingst ihn diagonal hoch zur linken Schulter und versuchst, den Ball mittig zu treffen.“

 

Leichter gesagt, als getan. Doch ich treffe. Von Gegenüber, von der anderen Seite des Netzes, wirft mir Janna einen Ball nach dem anderen zu. Die gute Nachricht: Keiner wird verletzt! Die weniger Gute: Von 41 Bällen wandern 18 an mir vorbei.

 

„Keine Sorge, am Anfang sah das bei mir auch so aus“, muntert sie mich auf. Ich lache, als sie hinzufügt, dass sie damals erst zehn gewesen sei. „Wer weiß“, sage ich, „vielleicht bin ich ja inkognito hier und eigentlich ein Tennisprofi.“ Zum zweiten Mal an diesem Tag flackert das Bild von Steffi Graf in meiner Erinnerung auf. Wieder geht der Ball ins Aus. Ein eindeutiges Sinnbild für meinen gescheiterten Versuch mit der Theorie, das Blatt zu wenden.

 

„Klar, und du spielst seit deinen Jugendtagen“, kommt es scherzhaft von der anderen Seite zurück. An meinem Image als Profi muss ich zweifellos noch arbeiten. Nach der Einführung frage ich Janna, was für sie das Reizvolle am Tennis ist. Sie überlegt: „Ich denke, es macht mir einfach Spaß. Es ist ein guter Ausgleich neben meiner Ausbildung. Man kann runterkommen. und ich bin glücklich, wenn ich einen schönen Ball spielen kann und am Ende total kaputt bin.“

 

Während im Hintergrund die dumpfen Aufschlaggeräusche der anderen Tennisspieler zu hören sind, setzte ich mich mit Ulli Schulden zusammen: „Wir bieten den Schnuppertag an, weil wir uns davon versprechen, neue Mitglieder zu gewinnen, aber vor allem, weil wir versuchen möchten, ein paar Kinder auf den Platz zu bewegen“, betont der Sport- und Pressewart.

 

Natürlich, es ist kein Geheimnis, dass so manchem Verein die Nachwuchstalente fehlen. Bedacht auf eine langjährige Tradition seit 1983, möchte auch die Zukunft der Spielklassen des Vereins gesichert sein. „Ich habe jetzt nicht gezählt, aber ich sehe viele neue Gesichter “, zeigt sich Schulden erfreut. Die möchte ich mir genauer ansehen.

 

Um das Clubhaus herum sind zwölf Jungs und Mädels, erfahrene wie unerfahrene, gerade dabei „Toter Ball“ zu spielen. Kurz begegne ich Michael Kramer, einem Erwachsenen, dessen Herz eigentlich für Tischtennis schlägt, sich heute aber auch in Tennis verliebt hat. Die Kinder laufen lautstark dem Ball hinterher, der immer in Bewegung bleiben muss, und versuchen, ihn herüber zur Gegnerischenmannschaft zu kicken. Der Anblick ist einfach zu süß.

 

Und spätestens hier merke ich, ich bin wirklich nicht alleine. Berivan Ayaz ist zehn Jahre. Die Schülerin ist zum zweiten Mal mit von der Partie. Durch ihre Schwester wurde sie auf den Sport aufmerksam: „Sie hat immer davon gesprochen. Ich fand das schön und jetzt habe ich selber gemerkt, dass es eine ganz gute Idee war, zu schnuppern“, erzählt mir die junge Dame im Schneidersitz auf dem Rasen.

 

Der Tag ist auch für sie etwas Besonderes: frische Luft, Bewegung, die anderen Kinder und nette Leute, die einem wirklich alles erklären: „Für den ersten Eindruck ist es ganz gut, aber ich habe noch ein paar Schwierigkeiten beim Aufschlag“, teilt die Zehnjährige mir ihre Erfahrung mit. Auf die Frage, was sie denn später einmal werden wolle, sagt sie: „Schauspielerin.“ Einer Eingebung folgend, hake ich nach: „Und früher?“ Die Antwort wirft mich für einen Augenblick zurück in meine eigene Kindheit: „Professionelle Tennisspielerin, die Turniere spielt und später unterrichtet“, sagt Berivan. Ich kann nicht anders, und muss einfach grinsen.

 

Im nächsten Schritt trainiere ich zusammen mit Trainer Stefan Metzen. Es wird ernster. Mit viel Ruhe und Geduld weiht er mich abermals in die Grundlagen ein: Vorhand, Rückhand, einhändig, zweihändig, Hauptaktion, Hilfsaktion. Ich verstehe mittlerweile alles und gebe mir Mühe, die verinnerlichten Gedanken, die in meinem Kopf wie Tennisbälle herum springen, auf das Spielfeld zu übertragen. Auch, wenn wir nun mit druckreduzierten grünen Bällen spielen, die nicht so arg hüpfen, schlage ich mich, zumindest mit der rechten Hand, besser denn je: „Du bist wirklich sicher, dass du vorher noch nie gespielt hast?“, fragt Metzen noch einmal nach. Ich spüre, wie mir die Röte ins Gesicht steigt. Erstaunt über meine unerwarteten Lauf und mich selbst. Die Bilanz vom Training: 25 Bälle habe ich über das Netz geschmettert, lediglich bei einem hat es nicht geklappt. Vielleicht doch Profi?

 

Ich bin bereit. Was Stefan Metzen während des Trainings nicht wusste: undercover war dies nicht nur ein Training, um zu sehen, ob Tennis mir Spaß macht oder mir gar liegt, sondern eiskalte Berechnung für das folgende, alles entscheidende Match mit Janna.

 

Wir treten Angesicht zu Angesicht einander gegenüber. Mein Herz pocht. Ich weiß, ich habe eine verdammt starke Gegnerin vor mir. Die Spannung steigt. Wir sind wie Angelique Kerber und Karolina Pliskova bei den US Open, dabei herrscht eine Atmosphäre wie bei einem Duell im Wilden Westen, nur ohne die Musik.

 

Janna hat Aufschlag. Der Tennisball fliegt über das Netz. Jetzt heißt es Konzentration und Schnellsein. Der Ball dreht sich um seine eigene Achse, fliegt durch mich zurück. Es geht hin und her. Ich gebe alles, springe, schlage mit voller Wucht und: verliere mit 2:10. „Ganz egal, wie man spielt. Hauptsache, du hast Spaß gehabt“, äußert die glückliche Gewinnerin, als wir uns verabschieden. Das hatte ich. Auch wenn ich den Sieg des heutigen Matches nicht in der Tasche hatte, so doch lauter tolle Erfahrungen, niedergeschrieben auf meinen Blatt Papier.

 

Auf dem Heimweg dachte ich dann noch einmal über Jannas Worte nach und verstand plötzlich mehr als zuvor, was sie meinte, als sie sagte: „Ich bin glücklich, wenn ich am Ende total kaputt bin.“ Tatsächlich ein gutes Gefühl – vielleicht auch eines für die Zukunft…

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

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