Gegenstände, die Geschichten erzählen

Die Kunstkurse des Ritzefeld-Gymnasiums haben sich mit dem Thema „Erinnerung“ beschäftigt.

Die Besucher der Ausstellung können unter anderem das Acrylbild der Schülerin Tabea Marx begutachten. Foto: Ritzefeld-Gymnasium
Die Besucher der Ausstellung können unter anderem das Acrylbild der Schülerin Tabea Marx begutachten. Foto: Ritzefeld-Gymnasium

Im Zinkhütter Hof eröffnet am Freitag, 16. Juni, um 17 Uhr, die Ausstellung „DENK MAL – subjektive und öffentliche Erinnerung“ der Kunstkurse der Sekundarstufe II des Ritzefeld-Gymnasiums. Die Bilder werden bis zum 3. Juli zu sehen sein. Manche Objekte müssen wegen einiger Großveranstaltungen im Zinkhütter Hof jedoch schon vorher abgebaut werden.

 

Ausgangspunkt der in der Ausstellung gezeigten Arbeiten bildet die Auseinandersetzung mit dem französischen Künstler Christian Boltanski, aber auch anderen Künstlerinnen und Künstlern wie Nikolaus Lang, Rebecca Horn und Ai Weiwei, die sich allesamt mit dem Thema „Erinnerung“, aber auch dem Sammeln beziehungsweise dem Konservieren und Erzeugen von Erinnerung beschäftigen und beschäftigt haben. So suchten die Schülerinnen und Schüler selbst nach Gegenständen, die ganz persönliche Erinnerungen zu einer ihnen bekannten Person auslösten – alles im Grunde alltägliche Gegenstände, die vermutlich in Schubläden und Regalen vieler Haushalte zu finden sind, aber durch die persönlichen Geschichten einzigartig werden. Sie setzten diese zunächst malerisch und dabei möglichst naturalistisch um und inszenierten sie in einem zweiten Arbeitsschritt in einem Schaukasten. Diese Gegenstände wurden dadurch aus ihrer ursprünglichen Umgebung herausgerissen und erlauben es dem Betrachter der Ausstellung, sich eine ganz eigene Geschichte zum Gegenstand zu machen, in eigenen Erinnerungen zu versinken.

 

Die Schaukästen sind innerhalb der Ausstellung in einer gemeinsamen Installation der beiden Q2-Kurse zu sehen. Zu lesen sind auch zahlreiche Texte zu den Gegenständen, die jeweils die persönliche Geschichte der Schülerinnen und Schüler erzählen. Ob die Geschichten komplett wahrheitsgetreu, ausgedacht oder auch ein bisschen verändert wurden, ist dabei nebensächlich. Denn eine Sache ist auf jeden Fall unumstößlich: Erinnerungen sind nie objektiv, sie durchlaufen immer einen Prozess und werden kontinuierlich gefiltert und verändert. Bewusst oder unbewusst. Von dieser subjektiven Erinnerung ausgehend beschäftigten sich die beiden Grundkurse mit verschiedenen Denkmälern: Was gibt es eigentlich für Denkmäler? Was macht ein gutes Denkmal aus? Wie wird Erinnerungsarbeit ausgelöst? Muss ein Denkmal stören, um seinem Zweck nachzukommen? Wie anspruchsvoll, wie abstrakt darf es sein? Wie kann ein Denkmal Erinnerung auslösen, ohne voyeuristisch zu sein? Wie sehr darf es provozieren? Diese Fragen beschäftigten die Schülerinnen und Schüler innerhalb dieses Themenkomplexes. Dabei wurden zunächst verschiedene Denkmäler formal-ästhetisch untersucht und bewertet.

 

Im Rahmen der praktischen Aufgabe gestalteten die beiden Kurse einen Entwurf für ein Denkmal in Stolberg zu einer bedeutenden Person, einem Ereignis oder zur Stolberger Geschichte. Dabei sollte ein geeigneter Standort in der Stadt, ein adäquater Darstellungsmodus sowie eine überzeugende Bildsprache gefunden werden. Entstanden sind am Ende sehr vielfältige Arbeiten, die hier zum Teil als Modell, aber auch als Zeichnung beziehungsweise als Fotomontage zu sehen sind. Zu nennen wäre hier etwa ein Denkmal für den Stolberger Künstler Hartmut Ritzerfeld oder auch für die „Quärrismännchen“.

 

Zu sehen sind darüber hinaus einige Hochdrucke aus dem vergangenen Schuljahr, die sich mit dem vor 80 Jahren entstandenen Wandgemälde „Guernica“ von Pablo Picasso beschäftigen. Die Schülerinnen und Schüler lösten – nach einer Auseinandersetzung mit den Bildsymbolen, der Komposition und den historischen Hintergründen – ein Bildelement aus Picassos Wandbild „Guernica“ heraus und setzten dieses in einen neuen, aktuellen Kontext. Die Schülerarbeiten transportieren auf diese Weise die Erinnerung an den spanischen Bürgerkrieg mit ihren Bildzitaten in neue Zusammenhänge. Bei der Ausstellungseröffnung gibt es einführende Worte vom Museumsleiter Sebastian Wenzler sowie vom Schulleiter des Ritzefeld-Gymnasiums Ulrich Boddenberg.

 

Quelle: Super Mittwoch

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