Rehkitze vor Tod durch Mäher retten

Der Landesjagdverband Nordrhein-Westfalen warnt vor Verlusten bei Jungtieren , wenn große Wiesen in der Landschaft gemäht werden müssen.

Foto: Jagdverband
Foto: Jagdverband

Ein großes Anliegen der Jäger und Landwirte ist es in diesen Tagen, die Mähverluste bei Jungtieren so gering wie möglich zu halten.

 

Der Landesjagdverband Nordrhein-Westfalen wirbt dazu seit rund 15 Jahren gemeinsam mit der Landwirtschaftskammer NRW für wildtierschonende Mähverfahren – mit Erfolg, denn im neuen NRW-Landesnaturschutzgesetz ist das Mähen von innen nach außen zwingend vorgeschrieben.

 

Von innen nach außen

 

„Das bleibt dann aber auch einer der ganz wenigen Punkte, die in den letzten Jahren vom Gesetzgeber zum Besseren gedreht wurden“, sagt Bernd Roggenkamp mit Blick auf eine ansonsten recht unglückliche und überhebliche NRW-Umweltpolitik der letzten Jahre. Beim Mähen von innen nach außen wird von der Wiesenmitte kreisförmig bis zum äußeren Rand gemäht. Alternativ dazu kann von einer Feldseite zur anderen gemäht werden.

 

Wichtig ist, dass die Wiesenbewohner möglichst lange unter Ausnutzung natürlicher Deckung in benachbarte Felder und Hecken flüchten können. „Das ist vor allem für Wiesenbrüter hilfreich“, den „Duckern“, also Jungtieren, die bei Gefahr nicht flüchten, sondern sich ducken, hilft dieses Verfahren nicht. Auch Rehkitze sind in ihren ersten Lebenstagen Ducker. Ihnen helfen wir in anderer Weise.“ So sind am Abend vor dem Mähtag von Jägern und Landwirten aufgestellte Scheuchen oder Plastiktüten wahre Lebensretter.

 

Ricken, wie die Reh-Mütter in der Jägersprache heißen, erkennen und misstrauen der bewussten Störung und bringen das Jungwild von dieser unwirtlich gewordenen Stelle an einen sicheren Ort. Zusätzlich suchen am Mähtag häufig Jäger mit Jagdgebrauchshunden die Wiesen ab. Gut ausgebildete Vorstehhunde ergreifen die gefundenen Jungtiere nicht, sondern zeigen sie ihren Hundeführern nur an.

 

Jäger betten das gefundene Jungwild dann auf große Grasbüschel und legen es an einen sicheren Platz abseits der zu mähenden Wiese ab. Vermehrt kommen auch akustische Wildretter zum Einsatz, die mit rund 120 Dezibel das Jungwild vertreiben sollen.

 

Das Absuchen mit Drohnen und/oder speziellen Infrarot-Sensoren steckt noch in der Erprobung. Übrigens, wer Ende Mai/Anfang Juni Rehkitze in Wald und Feld findet, sollte sie und natürlich auch anderes Jungwild auf keinen Fall anfassen. „Man lässt die Kitze am besten unberührt an ihren Lagerstätten, sonst droht ihnen der Tod“, so Bernd Roggenkamp. Anderenfalls werden die Muttertiere von der menschlichen Witterung so stark abgeschreckt, dass sie ihren eigenen Nachwuchs nicht mehr annehmen.

 

„Selbstverständlich sollte es auch sein, dass Hundehalter jetzt ganz besonders auf ihre Vierbeiner achtgeben und sie sicherheitshalber lieber ganz an die Leine nehmen.“ An dieser Stelle sei auch noch mal daraufhin gewiesen, dass Unfälle mit Wildtieren per Gesetz gemeldet werden müssen. Zuletzt musste der Jagdaufseher wieder ein Stück Rehwild unterhalb des Frackesberg kurz vor dem Ortseingang Zweifall von der Straße holen, das von einem unbekannten Autofahrer angefahren und achtlos liegen gelassen wurde.

 

„Für ein solches Verhalten fehlt mir allerdings gänzlich das Verständnis“, sagt Bernd Roggenkamp.

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

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