Einblick in die Seele Frankreichs

Städtepartnerschaftskomitee lädt erstmals zu einem Chanson-Abend in Stolberg ein. Referent Otto Brombach aus Aachen wagt mit den Besuchern einen Ritt durch die französische Kulturgeschichte.

Foto: M.-L. Otten
Foto: M.-L. Otten

Seit 25 Jahren pflegen Stolberg und Valognes ihre Städtepartnerschaft. Zum ersten Mal gab es jetzt im Ritzefeld-Gymnasium auf Einladung des Partnerschaftskomitees einen französischen Chanson-Abend mit Otto Brombach. Es war jedoch kein Liederabend im üblichen Sinne, sondern eine Reise durch die Epochen der französischen Chansons, beginnend vor 150 Jahren. Der Aachener Referent hatte sein Hobby mit Bildern, Filmausschnitten, Geschichten und viel Musik gewürzt, sodass viel Bekanntes, aber auch Unbekanntes zu Tage kam. Die fünfzig Interessierten verfolgten bei einem Glas Wein den und kurzweiligen Ausführungen, so dass die zwei Stunden wie im Fluge vergingen.

 

Mit „Les Émigrants“ von Charles Aznavour, Sohn armenischer Einwanderer, begann der Abend. Chansons ist das französische Wort für Lieder, die in Paris entstanden. „Diese Lieder sind nicht gemacht zum Mitschunkeln oder Mitklatschen, weil sie nicht heiter und nicht schön, sondern politisch und pfiffig sind“, so Brombach, „sie geben Einblick in die französische Seele“.

 

1871 begann die „gute alte Zeit“: Obwohl der Deutsch-Französische Krieg gerade erst vorbei war, was im Lied „Sous les ponts de Paris“ poetisch zum Ausdruck kam, begann man mit dem Bau des Eiffelturms als Zeichen des Aufschwungs. Der nun folgenden Zeitspanne von etwa 30 Jahren ging eine Reihe von positiven Entwicklungen voraus: industrielle Revolution, Fortschritte in Hygiene und Medizin, Olympische Spiele, neue Kunstformen wie Impressionismus oder Jugendstil, atonale Musik, Psychoanalyse. Die Zeiten waren hektisch und die Wünsche bescheiden. In dieser „Belle Epoque“ blühten die französischen Chansons auf. Während des Ersten Weltkriegs war wenig Lebensfreude, dementsprechend gab es wenig Lieder. In Erinnerung geblieben ist das „Chanson de Craonne“ von 1915. Das Antikriegslied entstand vermutlich als Chanson de Lorette.

 

Zwischen den Weltkriegen kam der Jazz nach Europa. Die neue Musik beeinflusste die gesamte Avantgarde von Paris. Mittlerweile hatte auch das Radio Einzug in die Haushalte genommen und wurde zum Massenmedium. 1936 versuchte die Front populaire durch politische und soziale Reformen einen höheren Lebensstandard und mehr politische Freiheiten zu geben. „Die Internationale“ war das weltweit am weitesten verbreitete Kampflied der Arbeiterbewegung.

 

Zum Markenzeichen des französischen Chansons wurden Georges Brassens und Django Reinhardt sowie der Gesellschaftstanz Java. Doch dann bahnten sich wieder Katastrophen an: der Spanische Bürgerkrieg zwischen 1936 und 1939 und der Zweite Weltkrieg. Das Lied der Partisanen, „le chant des Partisans“, war das populärste Lied der Résistance, dem Licht in einer dunklen Zeit, und ist aktuell bis heute. Beim Einzug ins Panthéon, Frankreichs nationaler Ruhmeshalle, gedenkt man jedes Jahr am 14. Juli Jean Moulins, des Beamten, der die Widerstandskämpfer aller Regionen ohne Waffen vereinte, 1943 verhaftet und in Lyon hingerichtet wurde. Die vierjährige Besatzungszeit durch die Nazis von 1940 bis 1944 haben wie kaum eine andere Zeit das kollektive Bewusstsein der Franzosen geprägt. Neben der Widerstandsbekämpfung war die Kollaboration für die Besatzungsmacht von großer Bedeutung. Zu den Kollaborateuren zählten Maurice Chevalier, Charles Trenet und Edith Piaf, die Förderin großer Kollegen wie Yves Montand, Georges Moustaki oder Charles Aznavour. In der Nachkriegszeit entstanden auf dem Rive Gauche mit dem Quartier Latin, St. Germain-des-Prés und dem Montparnasse-Viertel in den folgenden 25 Jahren viele Kleinkunstbühnen, auf denen zum Beispiel Boris Vian, Brigitte Bardot oder Les frères Jacques Chansons sangen. Oft waren die Gäste berühmter als die Ausführenden auf der Bühne.

 

Während am rechten Seine-Ufer, dem Geschäfts-, Handels- und Bankenviertel, der Wohlstand seinen Lauf nahm, waren es am linken Seine-Ufer die Intellektuellen, die sich niederließen. Bald aber wurde nicht mehr in den Kellerlokalen gesungen, sondern in den großen Sälen wie dem Olympia (3030 Plätze) oder Bobino (800 Plätze). Wichtige Repräsentanten dieser Zeit sind der rebellische Jacques Brel („Ne me quitte pas“), der 1978 verstarb und schon zu Lebzeiten zu einem Mythos wurde und die Chansonnière Barbara, die durch ihr „Göttingen“-Lied in Deutschland und Frankreich Furore machte und somit viel zur deutsch-französischen Annäherung beigetragen hat. Sie half auch Sergi Reggiani, seinen Interpretationen von Liedern Georges Moustakis oder Jacques Préverts einen unverwechselbar eigenen Tonfall zu verleihen. Englische und amerikanische Einflüsse sowie die Schlager veränderten zudem das französische Chanson der Nachkriegszeit. Dennoch zeigte sich im letzten Ausschnitt (Paris 2002) mit „Je voudrais vous revoir“, einer Hommage an den Widerstandskämpfer Jean Moulin, des französischen Komponisten und Chansonniers Jean Jacques Goldmann, dass der alte Esprit gepaart mit neuer Musik weiterlebt.

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

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