Der Biber erobert jetzt den Omerbach

Bau einer Burg oberhalb des Hochwasserdamms des Wasserverbandes bei Gressenich. Erste Ansiedlung im Stadtwald.

Fotos: J. Lange / imageBROKER/Heinz
Fotos: J. Lange / imageBROKER/Heinz

„Warum hat er mir nur die schönen Buchen angeknabbert und nicht die Erlen?“, schmunzelt Theo Preckel. Aber Schwarzerlen sind nun einmal selbst unter Bibern keine Delikatesse und werden in der Regel verschmäht. Buchen dagegen sind viel schmackhafter für die Nagetiere, die in Stolberg auf dem Vormarsch sind. Bereits im Dezember macht der Stolberger Förster die unübersehbaren Spuren des Bibers im Norden des Stadtgebietes an der Inde nahe der Steinfurt aus. Den Bau eines häuslichen Dammes hat seinerzeit wohl der Wasserverband Eifel-Rur (WVER) mit Blick auf die ohnehin angespannte Hochwasserlage unterminiert.

 

Aber jetzt machen es Exemplare der Art „Castor fiber“ dem Wasserverband nach und bauen sich ein neues Appartement nur wenige Meter oberhalb des Hochwasserschutzdammes, den der WVER vor fünf Jahren am Fuße des Naturschutzgebietes errichten ließ. Für ein Stauvolumen von knapp 9500 Kubikmetern baute der WVER einen 90 Meter langen Damm und bewegte dafür 3700 Kubikmeter Erde. Der Biber gibt sich da am Omerbach bescheidener und setzt auf Reycling.

 

„Die noch herumliegenden Äste von einer früheren Durchforstung hat der schon eingebaut“, sagt Preckel und zeigt auf die angeknabberten Zweige, die bereits den Omerbach überspannen. Das Fundament für den Biberbau ist gelegt. Material für den Weiterbau liegt bereits bereit. Die erste noch jüngere Buche ist gefällt, liegt für den Abtransport und den Einbau parat. Ein dickerer Stamm ist so weit rundherum angenagt, dass es nur noch ein paar Bisse bedarf, um ihn kippen zu lassen. Und auch bei weiteren Stämmen lugt unter der dunklen Rinde schon das blank genagte Kernholz hervor: Die Konstruktion der noch ganz jungen Biberburg am Omerbach, die einen Durchmesser von bis zu zwölf Metern und eine Höhe von zwei Metern erreichen kann, kann in den nächsten Tagen weitergehen. Selbst zu Gesicht bekommen hat der Stolberger Forstrat den hier aktiven Biber, bzw. das Biber-Paar, noch nicht. „Das sind dämmerungsaktive und scheue Tiere“, sagt Theodor Preckel. Wo der „kleine Theo“ bis zur Fertigstellung seines neuen Domizils untergekommen ist, ist ebenso ungewiss. Als sicher gilt aber, dass er vor vier Wochen seine ersten Ansiedlungsversuche ein Stück oberhalb der heutigen Baustelle am sogenannten „Bunkertümpel“ unternommen hat. Ein in typischer Manier gefällter Baum ist das Indiz dafür. Aber der Tümpel ist zu klein und nicht tief genug für ein standesgemäßes Anwesen für monogame Biber-Eltern, die in kleinen Familienverbänden mit ihren ein- bis zweijährigen Jungtieren unter einem „Dach“ leben. Jedenfalls ist Stolbergs Förster gehörig stolz, dass der erste Biber es sich in „seinem“ Stadtwald nun gemütlich macht. In einem Seitenarm des zum Staatsforst gehörenden Solchbachtals haben die nagenden Säugetiere bereits einen stattlichen See aufgestaut. „Und im Tal der Wehe sind sie natürlich schon länger“, sagt Preckel.

 

Dort waren in den 1980er Jahren neun aus Polen stammende Biber ausgesetzt worden. Sie haben sich mittlerweile dem Einzugsgebiet der Rur folgend bis tief in die Eifel und im Norden bis nach Roermond ausgebreitet. Ihre Population wird auf über 1200 Exemplare in der Euregio geschätzt.

 

Sorgen um mögliche Folgen für den Stadtwald macht sich Preckel nicht. Sorgen bereiten ihm da mehr das Rot- und Schwarzwild, deren übergroßer Bestand deutliche Spuren in den Kulturen hinterlässt, – und die Eschen. Ihre Bestände sind in Stolberg aktuell durch Pilzerkrankungen und Insektenbefall deutlich in Mitleidenschaft gezogen.

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

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