LVR ruft Minister Groschek an

Der oberste Denkmalschützer muss nun über den Steinweg 38 entscheiden.

Sie sind nicht nur historisch versiert, sondern versuchen sich auch an taktischen Finessen: Die Denkmalschützer aus der Abtei Brauweiler in Pulheim haben sich Zeit bis zum letzten Moment gelassen, um die Oberste Denkmalbehörde beim Ministerium für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr zur abschließenden Entscheidung anzurufen. Am 8. März hatte der Stadtrat den Antrag des LVR-Amtes für Denkmalschutz auf Unterschutzstellung des Ensembles Steinweg 38 einstimmig – bei einer Enthaltung – abgelehnt.

 

Sodann verblieb den Pulheimern zwei Monate Zeit, Beschwerde einzulegen. Gestern informierte Dr. Helmtrud Köhren-Jansen als Abteilungsleiterin Inventarisation die Stadt Stolberg, dass der LVR von seiner Möglichkeit, die Entscheidung beim Landesminister einzufordern, jetzt Gebrauch macht.

 

Zumindest bis zur Landtagswahl am 14. Mai ist mit Michael Groschek (SPD) just jener Minister der oberste Denkmalschützer des Landes, der der Stadt einen 80-prozentigen Zuschussregen von insgesamt mehr als zehn Millionen Euro zur Modernisierung der Innenstadt beschert.

 

Ein Projekt dabei ist der Abriss der Häuser Steinweg 38 und 40 inklusive Vicht-Überbauung und Nebengebäude auf der anderen Bachseite, um einen Quartiersplatz mit Blick auf Burg und Bach realisieren zu können. Bereits seit 2009 wird in Stolberg an diesem Projekt gearbeitet. Angesichts der umfangreichen, bereits unter Denkmalschutz stehenden Bausubstanz in der Altstadt hatten die Planer sich explizit dafür entschieden, die beiden nicht unter Schutz stehenden Häuser für einen Abriss ins Auge zu fassen. Dieses Vorhaben fand eine breite Rückendeckung in der Bevölkerung bei einer Planungswerkstatt und Bürgerbeteiligung. Daraufhin informierte im Juli 2016 ein Stolberger das LVR-Amt über eine potenzielle Schutzwürdigkeit der früheren Korbmacherei.

 

Nach Recherche und Ortstermin schloss sich der LVR der Meinung des Stolbergers an. Das Gebäude sei ein bauliches Zeugnis für den Ausbau des städtischen Handwerks und Gewerbes und trage maßgeblich zum charakteristischen Erscheinungsbild des Steinwegs bei. Den Antrag auf Denkmalschutz lehnte die Stadt mit konträrer fachlicher Ansicht ab.

 

Bei einem Besuch der Entwicklungsprojekte in der Stolberger Innenstadt schaute sich Michael Groschek persönlich auch das in Rede stehende Gebäude an. Beobachter werteten dabei das deutliche Kopfschütteln des Ministers als eindeutiges Indiz.

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

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