„Der Karneval ist wunderbar subversiv“

Der neue Vorsitzende der Fidele Zunfthäre , Robert Walz, spricht über das bevorstehende Jubiläum. Vorverkauf für die Sitzung läuft.

Foto: S.-L. Gombert
Foto: S.-L. Gombert

Einen neuen Chef und ein jeckes Jubiläum vor der Brust: Es tut sich was bei der Stolberger Karnevalsgesellschaft Fidele Zunfthäre, die in der kommenden Session 8X11-jähriges Bestehen feiert und damit eine von Stolbergs ältesten KGs ist. Sarah-Lena Gombert hat sich mit dem neuen KG-Vorsitzenden Robert Walz über die Herausforderungen für Vereine, über seine neue Aufgabe und über die kommende Session unterhalten.

 

Warum wird die nächste Session anders als alle anderen?

 

Walz: Erst einmal glaube ich, dass keine Session ist wie die vorherige. Und für meine Karnevalsgesellschaft bedeutet das eben, dass wir im nächsten Jahr achtmal elf Jahre alt werden. Und so eine Jubiläumssession ist für uns schon etwas Besonderes.

 

Gewisse Standardtermine hat Ihre Zunft ja jedes Jahr. Sieht das in der kommenden Session anders aus?

 

Walz: Wir gehören zu Stolbergs ältesten Karnevalsgesellschaften – und dann ist so ein stolzer Geburtstag natürlich schon auch etwas Außergewöhnliches. Und man muss sagen, dass die Altvorderen viel Weitblick bewiesen haben im Jahr 1930: Denn unser Jubiläum fällt jetzt mit dem Jubiläum der Stadt Stolberg zusammen (lacht). Das heißt, dass unsere Zunft somit auch das Programm im Rahmen der 900-Jahr-Feierlichkeiten der Stadt bereichern kann.

 

Woran werden die Stolberger Jecken merken, dass Sie Geburtstag feiern?

 

Walz: Das wichtigste wird sein, dass wir endlich wieder eine Sitzung in der Stadthalle abhalten werden, und zwar am 4. Februar 2018. Das ist eine Tradition, die in den vergangenen Jahren zurückgefahren wurde. Wir wollen ein klares Zeichen setzen, dass wir uns wieder auf Stolbergs größte Bühne wagen und davor auch keine Angst haben. Unsere Sitzung wird an einem Sonntag stattfinden, denn wir haben uns bewusst dazu entschieden, zu einer Familiensitzung einzuladen, damit auch unsere Kinder auftreten und ihre Freunde mitbringen können. Ich glaube, das ist etwas, das in Stolberg bislang fehlt. Außerdem sind noch mehrere kleine Veranstaltungen geplant, die wir parallel laufen lassen wollen. Auch auf unsere Teilnahme am Rosenmontagszug darf man sich freuen. Mehr will ich aber noch nicht verraten…

 

Es geht also darum, den Karneval wieder in die Innenstadt zu holen…

 

Walz: Also, die Stolberger wissen schon ganz gut, wie man Karneval feiert. Aber ja, wir wollen mal wieder eine größere Veranstaltung im Stadtzentrum anbieten, und zwar für alle Stolbergerinnen und Stolberger.

 

Können Sie ein bisschen über diese Sitzung verraten?

 

Walz: Wir werden so wenig wie möglich mit auswärtigen Kräften arbeiten, also nicht mit Künstlern aus Eschweiler, Aachen und Köln. Es sollen vor allem Stolberger auf der Bühne stehen. Wir denken, dass lokale Kräfte die Stadt besser beschreiben können. Der Büttenredner, der die Entwicklung hier vor Ort aufgreift, ist mir deutlich lieber. Kurzum: Ein Fest von Stolberg, für Stolberg, in Stolberg.

 

Was macht denn eigentlich Ihren Karnevalsverein aus im Vergleich zu den anderen in der Stadt?

 

Walz: Es gibt schon einige Unterschiede. Wir sind zum einen ein ortsungebundener Verein, anders als Beispielsweise die Ortsteilgesellschaften. Unsere Mitglieder kommen auch nicht nur aus der Innenstadt, sondern auch aus ganz Stolberg. Auf der einen Seite ist das ein Vorteil, weil man sagen kann: Wir sind überall aktiv. Andererseits ist es nirgendwo eine Selbstverständlichkeit, unserer Zunft beizutreten. Wer in Mausbach wohnt, geht natürlich zu den Wölleklös. So etwas haben wir nicht. Wir sind zum anderen ständisch organisiert, und sind aus der Kolping-Bewegung heraus geboren. Wir verstehen uns selbst als den Handwerkerverein und versuchen das auch in den letzten Jahren immer durch die Sessionsorden darzustellen, es gibt bei uns Ordenspaten. Vor zwei Jahren waren das die Schmiede, in der vergangenen Session die Fleischer.

 

Wie sieht es mit Nachwuchs aus?

 

Walz: Wir sind derzeit rund 120 Mitglieder und mit dem Nachwuchs sieht es eigentlich ganz gut aus. Gerade in der letzten Session sind wieder einige Kinder beigetreten. Was schön daran ist: Da sind ganze Familien eingetreten, das ist keine Selbstverständlichkeit. Ich glaube, das ist eine gute Chance für uns, eine nachhaltige Kinder- und Jugendarbeit zu entwickeln.

 

Nachwuchsprobleme haben ja nicht nur Karnevalsvereine. Aber was bedeutet das eigentlich, Mitglied in eurem Verein zu sein – außer zu feiern?

 

Walz: Karneval nur als Feiern zu verstehen ist zu kurz gesprungen. Die Zunft beispielsweise macht mehr als nur feiern. Selbstverständlich ist das unser Kerngeschäft und wir machen auch die klassischen Veranstaltungen wie Sessionseröffnung, Ordensverleihung, Frühschoppen und so weiter. Aber ich glaube, was tatsächlich wichtig ist, dass Karneval die einzige Zeit im Jahr ist, in der der Rheinländer uneingeschränkt Rheinländer sein kann, in der die Mundart gepflegt und weitergegeben wird. Der Karneval ist etwas wunderbar subversives, die Bürger gegen die Obrigkeit. Die Herrschenden werden symbolisch entmachtet durch jemanden aus dem Volk. Das ist, wenn man so will, eine urdemokratische, friedfertige Bewegung. Das sind Werte, die oft zu kurz kommen. Außerdem sind die Gesellschaften nicht nur zwischen dem 11.11. und Aschermittwoch aktiv. Wir zum Beispiel beteiligen uns auch an „Stolberg goes…“, der Stadtparty und dem Weihnachtsmarkt. Unser Vereinsheim, das Burghaus, stellen wir auch für andere kulturelle Veranstaltungen gerne zur Verfügung.

 

Das heißt, außerhalb der Session ist keine Pause im Vereinsleben…

 

Walz: Genau. Wir bieten auch weitere Termine für die Mitglieder an, vor allem auch für die Kinder. Es ist also ein ganz normales Vereinsleben wie in anderen Vereinen auch. In einem Fußballverein wird ja auch nicht nur Fußball gespielt, sondern ist eine Gemeinschaft, die zusammenwächst und gepflegt wird.

 

Warum sollte ein Mensch Freizeit in einem Karnevalsverein verbringen und nicht im Sportverein?

 

Walz: Das eine schließt das andere ja nicht aus. Aber im Karneval feiern wir Rheinländer uns nun einmal selbst, unsere Tugenden und Macken, all das, was uns ausmacht.

 

Was macht den Rheinländer aus?

 

Walz: Man verzweifelt an Problemen nicht. Man kann im Zweifelsfall über die Dinge lachen und nimmt vieles mit Humor. Man ist eher der subversive Typ und lässt sich nicht alles gefallen. Dabei geht der Rheinländer aber nicht mit Aggressivität vor, sondern zieht die Sache genüsslich durch den Kakao. Hinzu kommt, dass der Karneval sich aus einer stolzen Bürgergesellschaft speist, und das sind schon Werte, die mir wichtig sind.

 

Wieso entscheidet man sich dann irgendwann, dass man diesem Verein vorstehen möchte?

 

Walz: Ich bin sozusagen in diesen Verein hereingeboren worden. Mein Großvater war Vorsitzender, mein Vater war Kommandant und meine Schwester war Mariechen. Schon bevor ich offiziell Mitglied war, war ich bei den Zunftveranstaltungen dabei. Und dass es in Vorständen Veränderungen gibt, ist ganz normal. Unser bisheriger Vorsitzender hat das jetzt lange Jahre gut gemacht und möchte verständlicherweise etwas kürzer treten. Und wie das dann so ist: Ich wurde gefragt und habe gerne zugesagt (lacht).

 

Das ist mit Sicherheit mit viel Arbeit verbunden im Jubiläumsjahr…

 

Walz: Ja, das kann man schon sagen. Zu den Standardterminen kommen ja weitere hinzu. Und außerdem erwartet man ja, dass bei einem Jubiläum alles besonders gut wird. Und da bin ich froh und dankbar, dass unser bisheriger Vorsitzender im geschäftsführenden Vorstand erhalten bleibt und mir mit Rat und Tat zur Seite stehen wird.

 

Es geht ja auch um die Vereinsarbeit. In der heutigen Gesellschaft kein ganz einfaches Thema.

 

Walz: In der Tat! Ich habe den Eindruck, dass viele Vereinen Probleme mit Nachwuchs haben. Ich glaube, dass wir als Verein unseren Mitgliedern einen Mehrwert bieten müssen, um interessant zu bleiben. Was habe ich davon, wenn ich diesem Verein beitrete? Diese Frage stellen sich die Menschen heute häufiger als noch vor Jahrzehnten. Für uns steht hier der Familienaspekt im Vordergrund. Es gibt viele Mitglieder mit Kindern, denen wir beweisen müssen: Bei uns können eure Kinder sich beim Tanzen sportlich betätigen, sie lernen unsere Mundart und wir bieten das ganze Jahr über ein attraktives Programm. Klar: Das bedeutet auch Arbeit für die Organisation des Vereins.

 

Bei all der Arbeit, die auf Sie zukommt: Worauf freuen Sie sich am meisten in der Session?

 

Walz: Das wird mit Sicherheit die Sitzung in der Stadthalle sein! Auf einer großen Bühne zu stehen, das ist schon schön – besonders natürlich dann, wenn die Halle ausverkauft ist. Und darauf arbeiten wir hin, Stolberg ein einzigartiges Fest zu bieten, eine Art Leistungsschau des Stolberger Karnevals. Und wir glauben ganz fest: Man muss nicht neidisch nach Eschweiler gucken und auch nicht ehrfürchtig nach Aachen und Köln. Bei uns in Stolberg sind die Feste vielleicht was kleiner, aber dafür auch weit weniger kommerziell und einfach herzlicher. Der Kartenvorverkauf hat übrigens bereits begonnen und Karten sind bei jedem Mitglied oder in der Gaststätte „Beer o’Clock“ im Steinweg zu erwerben.

 

Muss der Karneval in Stolberg lernen, selbstbewusster zu sein?

 

Walz: Ich glaube, insgesamt kann der Stolberger mit mehr Stolz auf seine eigene Stadt blicken. Nicht nur im Karneval. Wir sind eine der schönsten Städte der Region mit stolzer Vergangenheit, die Entwicklung stimmt an vielen Stellen. Auch unser Karneval hat viele Höhepunkte, lebt aber letztlich vom Zutun der eigenen Bürger. Das heißt ganz einfach: Wenn Feste gut besucht werden, ist mehr Stimmung. Und wenn mehr Leute mitziehen, sind mehr Veranstaltungen möglich. Karneval ist ja kein Event, das von einem kommerziellen Anbieter kommt, sondern von Ehrenamtlern in zumeist kleinen Vereinen getragen wird.

 

Apropos Feste: Zelt auf dem Kaiserplatz – ja oder nein?

 

Walz: Hinter dem Festzelt auf dem Kaiserplatz steckte immer ein kommerzieller Veranstalter. Und wenn der kein Geld mehr verdient, wird er kein Zelt mehr aufbauen. Das ist eine Entscheidung, die letztlich die Stolberger treffen. Man kann aber nicht sagen, dass die Existenz des Stolberger Karnevals von diesem Zelt abhängt. Auch an anderer Stelle in der Stadt wird ja schön gefeiert, am Fettdonnerstag und auch am Rosenmontag – in der Altstadt zum Beispiel. Grundsätzlich wäre das durchaus denkbar, dass der Kaiserplatz wieder mehr ins Karnevalsgeschehen eingebunden wird. Die Schlüsselübergabe am Fettdonnerstag ist ja auch wieder am Rathaus. Aber Entwicklungsmöglichkeiten gibt es wirklich zuhauf.

 

Vorverkauf für die Jubiläumssitzung

 

  • Die Jubiläumssitzung der Fidele Zunfthäre findet am Sonntag, 4. Februar, um 14.11 Uhr in der Stadthalle statt.
  • Der Verein verspricht ein Programm mit den besten Kräften des Stolberger Karnevals und vielen Überraschungen.
  • Tickets gibt es ab sofort bei den Mitgliedern und im „Beer o‘Clock“.

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

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