Breite Rückendeckung für Ampel-Lösung

Bewohner der Altstadt zeigen sich erfreut, dass das Verkehrsproblem auf der Altstadtachse nach drei Jahrzehnten angepackt wird.

Foto: J. Lange
Foto: J. Lange

Die Quadratur des Kreises ist zwar nicht ganz gelungen, aber es zeichnet sich eine breite Zustimmung der Bürgerschaft ab für die geplanten Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung auf der Altstadtachse von Burg-, Vogelsang- und Hastenrather Straße. Gut 150 Bewohner des Quartiers spendeten am Ende der Informationsveranstaltung reichlich Applaus – dafür, dass sich die Stadt nach über drei Jahrzehnten der Verkehrsproblematik endlich annimmt und auch für den vorgeschlagenen Kompromiss einer Ampel mit Kennzeichenerkennung und Blitzer.

 

Eine klare Minderheit von weniger als zehn Teilnehmern plädierte am Ende entweder für den Beibehalt des Status Quo oder eine Lösung mit Pollern (die in der Anwohnerbefragung mit breiter Mehrheit abgelehnt wurden). Etwa gleichauf lag die Zustimmung zu den beiden vorgestellten Varianten: Eine Ampel für beide Fahrtrichtungen ungefähr in Höhe der Vogelsangkirche bei den Haus-Nr. 24 / 25 oder aber eine überlappende Lösung mit versetzten Ampeln: für die Fahrtrichtung Innenstadt etwa am Kleikplatz oder Alter Markt und für die Fahrtrichtung Donnerberg am Seifenplatz. Über diese Details wird der Ausschuss für Stadtentwicklung, Verkehr und Umwelt auf seiner Sitzung am 7. Juni befinden, kündigte Tim Grüttemeier an. Installiert und in Betrieb genommen werden soll die Anlage – verbunden mit einer breiten Informationskampagne und entsprechendem Vorlauf – noch in diesem Jahr, sagte der Bürgermeister.

 

„Das ist ein großer Schritt in die richtige Richtung“, brachte ein Bürger die Meinung der Mehrheit auf den Punkt, die ganz offensichtlich froh war, dass die Verkehrsproblematik endlich einmal in Angriff genommen worden ist. Klar wurde aber auch, dass der vorgeschlagene Kompromiss einige Probleme noch offen lässt. Das größte davon ist wohl der Busverkehr. Auf die Anbindung des Quartiers an den Öffentlichen Personennahverkehr soll einerseits nicht verzichtet werden, anderseits werden die normalen Linienbusse – teilweise werden für den Schülerverkehr auch Gelenkbusse eingesetzt – als zu groß für die enge Altstadt und das Fahrgastaufkommen eingeschätzt. Aber auf kleinere Busse will die Aseag nicht umsteigen, erklärte Grüttemeier, weil der Bus am Ende der Linie 72 auf eine andere Route wechsele. „Wir stehen weiterhin in Gesprächen mit der Aseag“, versicherte Grüttemeier, dass die Stadt eine andere Regelung für die Altstadt erreichen wolle. Denkbar wäre beispielsweise eine Lösung, wie sie in Monschau mit dem „Netliner“ getestet werde – eine Art Rufbussystem mit Kleinbussen.

 

Ein weiteres Problem sind die Geschwindigkeiten, mit denen die Busse auf der Achse unterwegs sind. „Gemessen am Fahrplan der Aseag bleiben ihnen nur vier Minuten für die 1,4 Kilometer zwischen dem Haltepunkt Altstadt und dem Lindchen“, so Grüttemeier weiter. Das bedeute eine durchschnittlich erforderliche Geschwindigkeit von mehr als 21 km/h. „So kann das nicht funktionieren“, meinte der Bürgermeister.

 

Auch unabhängig von den Bussen werden die zu hohen Geschwindigkeiten auch dann ein Thema bleiben, wenn mit der Ampel-Lösung der Anliegerverkehr durchgesetzt wird. Allerdings haben sowohl die Untersuchungen der Verkehrsplaner Prof. Dr. Markus Oeser und Dr. Dirk Kemper von der Ingenieurgesellschaft Straßenwesen Aachen wie auch die Beobachtungen der Anwohner ausgemacht, dass die Masse der Raser unter dem bisherigen Durchgangsverkehr zu suchen sei. „Ohne Durchgangsverkehr werden es einige Raser weniger sein“, markierten Teilnehmer. Aber „wir Anlieger werden uns auch an die eigene Nase fassen müssen“, sagte eine Bürgerin.

 

Es gab auch eine Reihe von Fragen (u.a. zu Wendemöglichkeiten) und Vorschlägen (u.a. zu den Standorten) zu den Details. Grundsätzlich bleiben für die Anwohner alle Häuser wie bisher aus beiden Richtungen erreichbar. Sie können ihre Kennzeichen beim Ordnungsamt registrieren lassen, so dass sie an der Ampel automatisch Grün erhalten. Zudem werde es Ausnahmeregelungen bei besonderen Erschwernissen (z.B. Pflegedienste, Möbelwagen) geben. Bevor für geblitzte Fahrzeuge Bußgeldbescheide von der Städteregion zugestellt werden, werden diese Fälle im städtischen Ordnungsamt vorgeprüft. Außer den Anliegern dürfen nur Feuerwehr und Polizei die Ampel passieren. Außen vor bleiben Taxis, Lieferdienste und auch Besucher. Sie dürfen ihr jeweiliges Ziel nur vom Donnerberg beziehungsweise von der Innenstadt aus anfahren.

 

Zu Beginn hatte der Bürgermeister die Entwicklung der Altstadtachse noch einmal Revue passieren lassen, auf die unterschiedlichen Interessenkonflikte hingewiesen und die Ergebnisse der Anwohnerbefragung erläutert, die mit einem Rücklauf von 37 Prozent eine überdurchschnittliche Resonanz hatte und ein recht einheitliches Handlungsbild sowohl im gesamten Quartier wie auch im engeren Altstadtbereich aufwies.

 

Markus Oeser und Dirk Kemper erläuterten die Verkehrsuntersuchung, die bei einer täglichen Belastung von gut 2000 Fahrzeugen einen Anteil von 25 Prozent Durchgangsverkehr, also rund 500 Fahrzeuge, und erhebliche Geschwindigkeitsverstöße – auf der Hastenrather Straße wurde Tempo 70 gemessen – zum Ergebnis hatte.

 

Eine kurze Chronik zu den Entwicklungen auf der Altstadtachse

 

  • 1980er: Altstadtsanierung und Umwidmung der bisherigen K6 in eine Anwohnerstraße mit verkehrsberuhigtem Bereich. Bereits 1984 kommt es zu ersten Demonstrationen. Seitdem ist das Verkehrsaufkommen in der Burgstraße ein Dauerthema in Stolberg.
  • Ende 2006: Verkehrsplaner Gerd Bücker fordert (im Rahmen der Untersuchungen für eine Osttangente zwischen Donnerberg und Gressenich) eine Unterbindung des Durchgangsverkehrs, etwa durch eine Schrankenregelung. Verkehrsmessungen ergaben einen Durchgangsverkehr von rund 17 %.
  • November 2013: Verkehrszählungen der Städteregion bescheinigen zwischen 18,9% und 27,9% der Fahrzeuge fahren im Bereich der Burgstraße mit deutlichen Geschwindigkeitsüberschreitungen.
  • September 2015: Die Thematik wird im Rahmen eines Bürgerdialogs aufgegriffen. Rund 85 Prozent der Anwesenden sprechen sich für eine Sperrung der Burgstraße aus.
  • Oktober 2015: Verkehrsausschuss befasst sich erstmalig intensiv mit der Thematik und berät den Vorschlag der Verwaltung zu einer Anwohnerbefragung.
  • Dezember 2015: Der Verkehrsausschuss des Stolberger Stadtrates beschließt eine Anwohnerbefragung für den erweiterten Altstadtbereich
  • Januar 2016: Einsendeschluss der Anwohnerbefragung.
  • Sommer 2016: Es erfolgt die Auswertung der Befragung und Beauftragung eines Verkehrsplaners.
  • September 2016: Verkehrsmessungen beginnen.
  • 22. September 2015: Das Verwaltungsgericht legt der Stadt die Durchsetzung der Verkehrsregelung in der Burgstraße auf.
  • November 2016: Die Präsentation der Ergebnisse erfolgt im Verkehrsausschuss. Sie endet allerdings mit einem weiteren Fragenkatalog der Politik.
  • März 2017: Bürgermeister drängt Politik zu einer Entscheidung. Verkehrsausschuss beschließt Kostenuntersuchung und Bürgerinformation.
  • 7. Juni 2017: Termin zur abschließenden Entscheidung des Ausschusses.

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

Kandidat für den Städteregionsrat
Dr. Tim Grüttemeier

 

Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU)

in der StädteRegion Aachen

Martinstraße 8

52062 Aachen

 

Telefon: 0241 / 470 71 70
Telefax: 0241 / 470 71 77
E-Mail: gruettemeier@cdu-staedteregion-aachen.de

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