„Mit Alternativen wird der Standort interessant“

Damit sich der Einzelhandel in Stolberg wieder erholt, ist eine gemeinsame Kraftanstrengung nötig.

Viele Lokale im Steinweg fristen ein trauriges Dasein - der Leerstand ist weiterhin hoch. Allerdings: Der Einzelhandel hat Potenzial, wie unter anderem das Frühlingsfest beweist.Fotos: B. Zilkens/Archiv
Viele Lokale im Steinweg fristen ein trauriges Dasein - der Leerstand ist weiterhin hoch. Allerdings: Der Einzelhandel hat Potenzial, wie unter anderem das Frühlingsfest beweist.Fotos: B. Zilkens/Archiv

Am Dienstagabend kam der für Marita Matousek erlösende Anruf von der Gewerkschaft Verdi. „Der verkaufsoffene Sonntag anlässlich des Frühlingsfests am 6. und 7. Mai ist gesichert“, so das Vorstandsmitglied des Stolberger Stadtmarketings. Wenn auch mit Auflagen: So dürften nur die Geschäfte rund um den Kaiserplatz, das heißt vom unteren Teil des Steinwegs bis zum Bastinsweiher, öffnen. Die Läden in Richtung Mühle und im Burgcenter bleiben hingegen dicht. Verdi begründe dies damit, dass diese Geschäfte zu weit vom eigentlichen Geschehen – nämlich dem Frühlingsfest – entfernt seien, so Matousek. Nach einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts aus dem November 2015 dürfen Städte wie Stolberg nur maximal vier Mal im Jahr und nur in Verbindung mit bestimmten Veranstaltungen, die im Vordergrund stehen müssen, ihre Geschäfte auch sonntags öffnen.

 

Dem Schutz der Sonntagsruhe zum Trotz – gerade die verkaufsoffenen Sonntage spielen für die Entwicklung des Einzelhandels in der Innenstadt eine bedeutende Rolle. „Man wird sonntags von neuen Leuten entdeckt“, sagt Barbara Kohler, die im Burgcenter und auf dem Steinweg zwei Modehäuser betreibt und ebenfalls im Stadtmarketing aktiv ist. „An diesen Tagen haben die Händler die Gelegenheit, sich zu präsentieren und durch Freundlichkeit und gute Beratung von der Konkurrenz – zum Beispiel dem E-Commerce – abzuheben.“ Und Werbung in eigener Sache zu betreiben haben der Einzelhandel und die Stadt bitter nötig. Viele Geschäfte in der Innenstadt stehen nach wie vor leer. Die Anzahl der „Zu vermieten“-Schilder ist vor allem im Steinweg hoch, zum Teil hängen sie dort schon seit mehreren Jahren. „Da kann man sich vorstellen wie die Ladenlokale von innen aussehen“, sagt Marita Matousek. „Mit einmal tapezieren ist es da nicht getan. Die Fassade, die Schaufenster, die Innenausstattung, der Brandschutz: alles müsste neu gemacht werden.“ Hohe finanzielle Hürden also, die Einzelhändler nehmen müssen, bevor sie hier ein Geschäft öffnen. Es gibt allerdings einen Hoffnungsschimmer. „Im Steinweg sind wir uns bewusst, dass dort noch viel Potenzial vorhanden ist“, gibt Timo Abels vom Amt für Wirtschaftsförderung der Stadt zu. „Erfreulicherweise gibt es hier aber bereits konkrete Gespräche mit Interessenten und Immobilieneigentümern.“

 

Und über die gesamte Länge der Rathausstraße sei der Leerstand momentan überschaubar, ergänzt Abels. Dort hat sich mit der Neugestaltung von Bastinsweiher und Kaiserplatz zuletzt einiges getan, was auch beim Stadtmarketing wohlwollend registriert wird. „Man merkt einfach, dass sich nun etwas bewegt und dass ein Ruck durch Stolberg geht“, sagt Barbara Kohler. Wenn die Einkaufsstraßen attraktiv und gepflegt seien, würden sich auch wieder Geschäfte ansiedeln. Allerdings sei das nicht ohne die Bevölkerung möglich, an der es nun liege, die Einkaufsgewohnheiten zu ändern. „Im Moment fahren die Stolberger zum Einkaufen lieber nach Eschweiler. Deshalb muss man die Leute dazu bekommen, dass sie die Geschäfte, die es in Stolberg noch gibt, auch besuchen. Sonst geht das Ladensterben hier weiter“, gibt Marita Matousek zu bedenken. Dazu zähle auch, dass die Stolberger ihre Stadt wieder positiver wahrnehmen und darstellen sollten: „Wenn an einem verkaufsoffenen Sonntag jemand vor der Kasse steht und sagt: „Was habt ihr für eine tolle Burg und eine wunderschöne Altstadt!“, dann kommt derjenige in 99 Prozent der Fälle nicht aus Stolberg“, sagt Barbara Kohler. Eigenwahrnehmung und Fremdwahrnehmung – in Stolberg liegen dazwischen manchmal Welten.

 

Diese Differenz kann aber nur überbrückt werden, wenn alle – Handel, Verwaltung und die Stolberger selbst – an einem Strang ziehen. „Die Stadt muss das passende Ambiente schaffen und die Händler müssen mehr Mut aufbringen, sich hier in der Stadt anzusiedeln“, fordert Barbara Kohler. Konkurrenz belebe schließlich das Geschäft. „Wenn es nur noch drei abgezählte Läden gibt, überlege ich mir als Kunde, ob ich überhaupt in die Stadt gehe. Aber wenn es Alternativen gibt, wird der Standort interessant. Dann werden die Leute wiederkommen.“

 

Nachgefragt bei Timo Abels, Einzelhandelsbeauftragter der Kupferstadt Stolberg

Investoren zeigen Interesse an Stolberg - harte Zeiten für Einzelhändler an der Rathausstraße

 

Abels: „Viele Jahre wurde zu wenig in Stolbergs zentrale Achse investiert, nun kommt aber Bewegung rein und sowohl Stadt als auch Eigentümer investieren wieder gemeinsam. Das macht sich auch an einem gestiegenen Interesse von auswärtigen Investoren bemerkbar, mit denen wir als Verwaltung in Kontakt stehen.

 

Gleichwohl bleiben die Baumaßnahmen aber natürlich eine enorme Herausforderung, insbesondere die Anfang Mai beginnende Baustelle entlang der Rathausstraße. Das wird für alle Geschäftsleute entlang der Rathausstraße sicherlich keine einfache Zeit werden. Als Stadt versuchen wir die Zeit der Baustelle mit verschiedenen Werbe- und Informationsaktionen in Kooperation mit dem Stadtmarketing Stolberg, sowie den ansässigen Händlern und Geschäftsleuten zu begleiten.

 

So wird es zum Beispiel Banner und Flyer geben, die von den Händlern mit den verschiedensten Rabattaktionen begleitet werden. Die wichtigste Nachricht ist, dass die Geschäfte entlang der Rathausstraße über die gesamte Dauer der Baustelle erreichbar sind! Wir stehen hier im ständigen Kontakt mit den ansässigen Händlern und Geschäftsleuten, um bei Problemen möglichst schnell reagieren zu können."

 

Quelle: Super Sonntag

Kandidat für den Städteregionsrat
Dr. Tim Grüttemeier

 

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