„In ganz Europa steigt das Niveau der Athleten“

Die Kettlebell-Gruppe der Stolberger Turngemeinde trägt heute die Deutsche Meisterschaft aus. Trainer und Teilnehmer Vadim Sichwardt im Interview.

Foto: Tyrone sShwark
Foto: Tyrone sShwark

Er betreut bei der Stolberger Turngemeinde die Abteilung „Kettlebell“. Vadim Sichwardt unterstützt den Verein mit seinem fachlichen Wissen und seiner langjährigen Erfahrung in der Sportszene. Seit 2008 ist der gebürtige Kasache für Deutschland aktiv, bereits dreimal wurde er Deutscher Meister. Jetzt hat er den Kampf um den nationalen Titel nach Stolberg geholt und möchte mit seiner Trainingsgruppe sportlich überzeugen. Tyrone Schwark sprach mit ihm über das heutige Event und den Kettlebell-Sport in Deutschland.

 

Was ist Kettlebell-Sport genau?

 

Sichwardt: Er kommt aus Russland, wurde aber auch schon nachweislich Anfang des letzten Jahrhunderts in Deutschland betrieben. Es geht darum ein Gusseisen, das im Wettkampf zwischen 16 und 32 Kilogramm wiegt, mit einem Henkel zu reißen oder zu stoßen. Es ist also eine Gewichthebersportart. Dann gibt es auch noch kombinierte Bewegungsabläufe. Ziel ist es jedenfalls, in zehn Minuten so viele saubere Wiederholungen zu machen, wie es geht.

 

Worauf kommt es bei dieser Sportart an?

 

Sichwardt: Das Wichtigste ist die Technik, reine Kraft reicht hier nicht aus. Mein damaliger Trainer hat immer gesagt, dass man sich kaputt macht, wenn die Technik nicht stimmt. Darauf achte ich auch beim Training im Verein. Lieber mit weniger Gewicht anfangen und sich dann steigern, als gesundheitliche Schäden zu riskieren. So stark hier der ein oder andere meiner Athleten ist, am Besten ist es immer, mit weniger Gewicht die richtige Technik zu üben. Und sobald die verinnerlicht ist, kann man auch im Endeffekt deutlich mehr Gewichte stemmen.

 

Was ist das Besondere am Kettlebell-Sport?

 

Sichwardt: Jeder kann ihn betreiben. Früher war es eine reine Männersportart, heute sind auch Frauen dabei. Meine Tochter ist sogar auch schon begeisterte Kettlebell-Sportlerin. Es ist eine perfekte Sportart für Leute, die den ganzen Tag im Büro sitzen und sich noch auspowern wollen. Man trainiert den ganzen Körper in 30 Minuten. Man baut dabei nicht nur Muskeln auf, sondern trainiert auch funktionell, also arbeitet gleichzeitig an der Koordination und Beweglichkeit.

 

Wie sind Sie an den Sport gekommen?

 

Sichwardt: Ich bin in einem Dorf in Kasachstan geboren, da gab es immer einen Mann, der diesen Sport betrieben hat. Ich war immer begeistert, ihn zu sehen, er war ein sehr großer, starker Mann. So wollte ich auch werden. In meiner alten Heimat ist Kettlebell-Sport sowas wie hier Basketball oder Handball und somit auch Teil des Schulsports. Irgendwann wurde jener Mann zu unserem Sportlehrer. Ich habe ein halbes Jahr mit ihm trainiert und war immer noch so begeistert, dass ich bis heute dabei bin. Es fasziniert mich, dass Muskelkraft alleine nicht reicht. Ich möchte nicht trainieren, um aufgepumpt auszusehen. Mein Ziel ist es, Spaß daran zu haben, etwas für meine Gesundheit zu tun.

 

Wie viele Stolberger betreiben den Sport und wer?

 

Sichwardt: Also bei uns sind es 15 aktive Sportler, die in unserem kleinen Trainingsraum regelmäßig trainieren. Das sind Männer, Frauen und Jugendliche – wir sind ein bunter Haufen. Wir haben auch zwei Sportler mit Handicap bei uns. Natürlich kommen immer wieder neue Leute dazu, aber das ist unser harter Kern.

 

Was muss man denn mitbringen, um bei Ihnen trainieren zu können?

 

Sichwardt: Eigentlich nicht viel. Die Motivation und der Wille sind das Wichtigste. Wir haben genug Gewichte für jeden, an der nötigen Ausrüstung sollte es also nicht scheitern. Natürlich sollte man schon im Sportdress erscheinen. Gerne können sich alle Interessierten bei mir für ein Probetraining anmelden.

 

Wie erfolgreich ist die Stolberger Turngemeinde?

 

Sichwardt: Von unseren 15 Mitgliedern nehmen elf an der Deutschen Meisterschaft teil. Diese Quote spricht schon für sich. Außerdem haben wir schon Teilnehmerinnen und Teilnehmer an internationalen Wettbewerben gehabt. Und wir haben drei ausgebildete Wettkampfrichter – von insgesamt 18 in ganz Deutschland. Wir sind schon gut aufgestellt und können auch am Wochenende zuversichtlich an den Start gehen. Vor anderen Vereinen müssen wir uns, obwohl wir immer noch eine kleine Trainingsgruppe sind, nicht verstecken.

 

Wie schwierig ist es, Leute für Ihren Sport zu begeistern?

 

Sichwardt: Natürlich ist es immer sehr schwierig. Aber ich denke, dass das ein generelles Problem des Vereinssports ist. Junge Leute wechseln heutzutage oft zwischen mehreren Sportarten hin und her. Da fehlt oft die nötige Konstanz. Ich hoffe, dass wir nach dem Event am Wochenende wieder neue Mitglieder begrüßen können. Das wäre auch für das ganze Organisatorische und den Trainingsablauf bei uns sehr gut.

 

Wer kommt alles zu der Deutschen Meisterschaft?

 

Sichwardt: Wir erwarten 200 Besucher. Insgesamt nehmen 75 Sportlerinnen und Sportler am Wettbewerb teil. Besonders freue ich mich auch, dass der Bürgermeister zur Eröffnungsfeier kommt und auch der Präsident des Bundesverbands mit seinem Team aus Berlin anreist.

 

Was wird den Gästen neben dem Sport geboten?

 

Sichwardt: Wir haben ein breites Programm aufgestellt. Zur Eröffnungsfeier wird es auch einige Showelemente geben. Für das leibliche Wohl wird ebenfalls bestens gesorgt sein. Zum Beispiel wird ein Frittenwagen vor der Halle bereit stehen.

 

Und wie läuft der sportliche Teil ab?

 

Sichwardt: Um 11 Uhr beginnt die Eröffnungsfeier, ab 12 Uhr beginnt der sportliche Teil. In den verschiedenen Disziplinen wird es mehrere Durchgänge à fünf Sportler geben. Zehn Minuten lang können sie dann ihre Leistung abrufen, zwischen den Durchgängen gibt es jeweils eine dreiminütige Pause. Das Ganze wird ungefähr sechs Stunden dauern. Abschließend wird es noch einen Teamwettbewerb geben, der allerdings nicht zum offiziellen Teil gehört. Danach wird es dann die entsprechenden Siegerehrungen in den einzelnen Disziplinen geben. Inklusive Urkunden, Medaillen und Pokalen, wie es sich gehört.

 

Sie selbst nehmen auch am Kampf um den Titel teil, was rechnen Sie sich persönlich aus?

 

Sichwardt: Mal schauen. Ich denke, dass die Chancen ganz gut stehen. Ich bin trainiert und gut vorbereitet. Trotzdem bringt Erzählen nichts, sondern ich muss es heute einfach probieren. Man kann immer einen schlechten Tag haben oder eine kleine Verletzung. Generell denke ich aber, dass alle Mitglieder bereit für den Wettbewerb sind, wir haben starke Frauen und Jungs dabei.

 

Wie schätzen Sie die Konkurrenz für Sie und Ihre Sportler ein?

 

Sichwardt: Sehr stark. Vor einigen Jahren war die Sportart noch nicht so beliebt wie heute. Sie ist regelrecht zu einer Trendsportart geworden. In ganz Europa steigt das Niveau der Athleten. Als ich hier angefangen habe, war ich der Einzige, der mit dem 32-Kilogramm-Gewicht zurecht gekommen ist, heute sind das schon mehrere. Auch in Fitnessstudios gehören Kettlebells mittlerweile zur Ausstattung dazu, so dass viele diese Geräte schon kennen und wissen, damit richtig umzugehen.

 

Stolberg empfängt nationale Top-Athleten

  • Es istdie siebte Deutsche Meisterschaft im Kettlebell-Sport. Die Stolberger Turngemeinde bekommt Besuch von Sportlern aus dem ganzen Land. Austragungsort ist ab 11 Uhr die Sporthalle am Glashütter Weiher, Schafberg 2.
  • Nach den Regeln der internationalen Kettlebell-Union werden folgende Wettbewerbe ausgetragen: Biathlon im Stoßen und Reißen, Langer Zyklus (beides Männer), Reißen und Langer Zyklus einarmig (beides Frauen).

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

Kandidat für den Städteregionsrat
Dr. Tim Grüttemeier

 

Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU)

in der StädteRegion Aachen

Martinstraße 8

52062 Aachen

 

Telefon: 0241 / 470 71 70
Telefax: 0241 / 470 71 77
E-Mail: gruettemeier@cdu-staedteregion-aachen.de

Für den Newsletter anmelden:

Hinweis: Bitte die mit * gekennzeichneten Felder ausfüllen.