Vom Kampf gegen die inneren Dämonen

Weltgesundheitstag zum Thema Depression: Die Kontaktaufnahmen im sozialpsychiatrischen Zentrum in Stolberg sind stark gestiegen.

Foto: dpa
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Morgens nicht aus dem Bett kommen. Sich nicht aufraffen können, den Haushalt zu machen oder einkaufen zu gehen. Keine Lust auf Körperpflege. Das sind Situationen, in die sich wohl jeder Mensch einfühlen kann. Was aber, wenn aus solchen gelegentlichen „Durchhängern“ ständige Begleiter des Alltags werden? Wenn die Scheu vor selbst kleinsten Handgriffen wie eine zentnerschwere Last auf den Schultern liegt? Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) will am heutigen Weltgesundheitstag besonders für das Thema Depression sensibilisieren. Experten des sozialpsychiatrischen Zentrums (SPZ) mit Sitz am Stolberger Kaiserplatz sagen: Im Umgang mit psychischen Erkrankungen hat sich in den vergangenen Jahrzehnten viel getan. Doch von Depression betroffene Menschen haben immer noch mit Vorurteilen und Ausgrenzung zu kämpfen.

 

„Auch wenn wir eine Verbesserung im Umgang mit der Erkrankung festgestellt haben, eine gewisse Stigmatisierung gibt es immer noch“, sagt Ralf Einmal von der Städteregion Aachen, der in der Kontakt- und Beratungsstelle Triangel für psychisch Kranke und deren Angehörige in Stolberg arbeitet. Prominente, die sich mit ihren psychischen Erkrankungen an die Öffentlichkeit gewandt haben oder tragische Fälle wie der des Profi-Torwarts Robert Enke hätten den Umgang mit Depression verändert. „Aber es gibt noch eine Menge zu tun.“

 

Das beginnt damit, dass die Erkrankung Depression als eine solche verstanden werden muss. „Jeder kennt wohl Situationen der Trauer oder des Trübsals“, sagt Oliver Hannott vom Aachener Verein zur Förderung psychisch Kranker und Behinderter, ebenfalls im Stolberger SPZ tätig. Das Ende einer Beziehung, der Tod eines nahe stehenden Menschen, der Verlust des Arbeitsplatzes können solche Situationen hervorrufen. „Doch ein Mensch, der an Depression erkrankt ist, kriegt nicht so leicht die Kurve“, sagt Hannott.

 

Vereinfacht ausgedrückt gerät bei einer Depression der Stoffwechsel im Gehirn aus den Fugen, Botenstoffe kommen aus dem Gleichgewicht. Die Neuronen schütten solche Botenstoffe aus, um untereinander zu kommunizieren und Reize zu übertragen. Entgleist der Stoffwechsel, kommt es zu einer Veränderung des Fühlens, Denkens und Handelns: Man wird antriebslos, hoffnungslos und hat oft Angstzustände. Der Ausbruch der Krankheit kann eine einmalige Sache sein, in besonders schweren Fällen jedoch müssen Betroffene stationär behandelt werden. „Wenn ein Patient in seinem Leben keinen Sinn mehr sieht und eine Selbstgefährdung vorliegt, dann muss dieser Mensch in eine Fachklinik“, sagt Einmal.

 

Auch wenn sich Depressive mit ihrem Problem oft alleine fühlen: Sie sind es nicht. „Alleine in Deutschland gehen wir von vier Millionen erkrankten Menschen aus“, sagt Ralf Einmal. Die WHO schätzt, dass weltweit 350 Millionen Menschen von Depression betroffen sind.

 

Auch in Stolberg hat das sozialpsychiatrische Zentrum, eine wichtige Anlaufstelle für Menschen mit psychischen Erkrankungen, einen starken Anstieg an Kontaktaufnahmen registriert. Hier kommen beispielsweise Menschen hin, die sich nicht sicher sind, ob sie vielleicht an einer psychischen Erkrankung leiden, die noch nicht diagnostiziert wurde. In solchen Fällen vermittelt das SPZ eine entsprechenden Anlaufstelle. Aber umgekehrt werden Patienten von Fachärzten hierher verwiesen, um Hilfe bei der Strukturierung ihres Alltags zu bekommen.

 

Auch Angehörige von Erkrankten finden hier einen Ansprechpartner, denn sie leiden ebenso unter der Erkrankung im Familien- und Freundeskreis. „Vergangenes Jahr haben wir 7000 Kontaktaufnahmen verzeichnet“, berichtet Einmal. Das können Menschen sein, die nur einmal kommen, oder aber regelmäßig. Im Jahre 2008 lag diese Zahl noch bei 3000. „Von diesen Menschen, die uns hier aufsuchen, haben schätzungsweise 20 Prozent oder mehr mit einer Depression zu tun“, sagt Einmal.

 

Dass die Zahl der Hilfesuchenden steigt, hat aus Sicht der Stolberger Experten mehrere Gründe: Zum einen ist die Sensibilität für psychische Erkrankungen in den vergangenen Jahren größer geworden. „Die Leute achten schon mehr auf solche Dinge als früher“, sagt Oliver Hannott. Doch wirken die Begleiterscheinungen unserer modernen, leistungsorientierten Gesellschaft zum Teil wie ein Brandbeschleuniger auf Depressive: „Jeder muss immer und überall erreichbar sein. Man muss gut sein im Job und darf nicht ausfallen“, beschreibt Einmal die Situation. Bei einer Depression kämen solche belastenden Faktoren noch einmal zu den inneren Dämonen, die einen lähmen können, hinzu. Ralf Einmal würde sich wünschen, dass vor diesem Hintergrund psychisch erkrankte Menschen beim Thema Inklusion genauso berücksichtigt werden wie andere Menschen mit einer Einschränkung.

 

Eine gute Nachricht für alle von Depression betroffenen Menschen hat Ralf Einmal: „Depression ist behandelbar.“ Dazu gehört neben der medikamentösen Behandlung durch einen Facharzt aber auch eine soziale Betreuung. „Für depressive Menschen ist es wichtig, dass sie eine Tagesstruktur bekommen“, sagt Einmal. Je nach Schwere der Erkrankung sieht die mögliche Behandlung unterschiedlich aus. „Manche Menschen kommen täglich hierher, machen bei einem Kreativ- oder Hauswirtschaftsangebot mit und sind dankbar, dass sie etwas zu tun haben, ohne einen großen Druck zu verspüren“, sagt Hannott.

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

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