Die Saiten und die Herzen gestreichelt

Das Duo „La Vigna“ bringt in der Finkenbergkirche italienische und französische Musik des 16. bis 18. Jahrhunderts auf unterschiedlichen Flöten zu Gehör. Kreativer Umgang mit den historischen Vorlagen.

Foto: M. L. Otten
Foto: M. L. Otten

Die Finkenbergkirche in der Stolberger Altstadt wurde am Sonntagnachmittag zur Oase der leisen Töne. Dafür sorgte das Duo „La Vigna“, das sich der französischen und italienischen Musik auf unterschiedlichen Flöten je nach Stilistik und Tonart sowie auf der langhalsigen Theorbe und Barocklaute aus der europäischen Lautenfamilie widmete. Die Freude an höfischer konzertanter Musik des 16. bis 18. Jahrhunderts und der kreative Umgang mit historischen Vorlagen waren für Theresia und Christian Stahl Impulsgeber für lebendiges und facettenreiches Musizieren.

 

Dass diese alte Musik nicht ausstirbt und eine neue Wertschätzung erfuhr, bewiesen sie mit virtuosen Werken von Jacques Hotteterre, Denis Gaultier, Anne Danican Philidor, Giovanni Battista Fontana, Antonio Vivaldi, Giovanni Bassano und Dario Castello. Die Kunst der kammermusikalischen Stücke auf nachgebauten historischen Instrumenten hatte ihren besonderen Reiz, das aufmerksame Publikum hörte gebannt zu. Eine hohe Anforderung an Christian Stahl stellte die „Suite en Re Majeur“ von dem französischen Lautenvirtuosen Denis Gaultier. Hier erlebten die Besucher die zarte und leise Barocklaute als Soloinstrument der antiken Götter, deren Saiten die Herzen streichelten und stilprägend das zum Klingen brachte, was dem französischen Musikstil entsprach.

 

Während in Frankreich in erster Linie Tänze wie „Sarabande“, „Gavotte, „Menuett“ die Instrumentalmusik bestimmten, war es in Venedig eine große Ausdruckskraft und technische Meisterschaft. Das Duo hatte ein Gespür für die ausladende Klanglichkeit und meisterte mit halsbrecherischen Läufen auf der „Ganassi Blockflöte“ und „Voice-Flute in d“ die expansiven und komplexen Formen des Frühbarock. Hier spielte Christian auf der Theorbe, die von 1580 bis nach 1750 ein beliebtes Begleitinstrument war. Am Ende gab es lang anhaltenden Beifall für diese empfindsame und galante Musik. Weiter geht es am Samstag, 10. Juni, 17 Uhr mit Musik und Lesungen. Anlässlich des Festivals „Stolberg goes Österreich“ wirken die Evangelische Kantorei unter Leitung von Gunther Antensteiner, seine Ehefrau Misun (Orgel) und Joachim Peters (Lesungen) mit.

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

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