Tuchmacher prägen die Region um Stolberg

Interessanter Vortrag von Jochen Buhren zur Entwicklung der Stadt. Der Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins beleuchtet die Entwicklung der Industrialisierung. Immer neue Produktionsmethoden und Maschinen.

Foto: T. Dörflinger
Foto: T. Dörflinger

Über tausend Jahre Geschichte des hiesigen Textilgewerbes stellte Referent Jochen Buhren den Mitgliedern und Gästen des Stolberger Heimat- und Geschichtsvereins jetzt im Kupferhof Rosenthal vor.

 

Der Vorsitzende des Fördervereins des Aachener Textilmuseums Tuchwerk schaffte dies in genau neunzig Minuten sehr prägnant und präzise. Die Einbindung der Stolberger Aktivitäten in diesem Wirtschaftszweig seit dem 18. Jahrhundert kam dabei weder zu kurz, noch war sie gekünstelt für Stolberger Ohren.

 

Nicht ohne Grund konnte der Aachener Lehrer am Kaiser-Karls-Gymnasium am Ende resümieren, dass „heute die Stolberger Textilindustrie wesentlich bedeutsamer als die Aachens ist“.

 

Dass Aachen eine lange Tradition der Tuchherstellung seit den Tagen Karls des Großen hatte und seine Rolle über Jahrhunderte, ja Epochen eine herausragende war, stellte der Experte anschaulich dar. Aachens besondere Stellung unter den Tuchstädten gründete sich auf der mittelalterlichen Zollfreiheit Aachener Produkte und lokaler Standortvorteile wie Handelswegen und Produktionsbedingungen.

 

Die Entwicklung des technisch und wirtschaftlich komplexen Tuchgewerbes über die Epochen wurde in dem Vortrag in den Kontext der gemeinwirtschaftlichen bzw. technischen Entwicklung gesetzt und schaffte dem Publikum so einen spannenden Einblick in vergangenes Wirtschaften. Die Tätigkeiten der Weber, Scherer, Walker und anderer Textilberufe, insgesamt aufgeteilt in sechzehn Produktionsschritte, konnten nur angedeutet werden, so anspruchsvoll war der Weg von verfilzter Schafswolle zu feinem Tuch höchster Qualität, wie es die Aachener Region lieferte.

 

Nicht nur Aachen und Stolberg, auch Monschau, Eupen und Verviers wurden nicht vergessen bei der umfassenden Betrachtung der rheinisch-maasländischen Kultur- und Wirtschaftsgeschichte. Wie es von den Kupfermeistern bekannt ist, suchten auch die Tuchmacher ihr Glück jenseits der Aachener Stadt- und vor allem Zunftgrenzen im Umland und ließen sich somit auch in der Kupferstadt nieder. Wie in der Frühneuzeit aus mittelalterlichem Handwerk und Gewerbe ein leistungsfähiges Manufakturwesen auch in der Herstellung von Textilien wurde, stellte Buhren auch am Beispiel Stolberger Unternehmer dar.

 

Angefangen 1719 im Hof Schart, folgten weitere ‚Investoren‘ wie die Peltzers und auch diejenigen von außerhalb, die Stoltenhoffs und Offermanns, die zusammen am von der Vicht durchflossenen Rand der Stolberger Altstadt ihr ‚Textilzentrum‘ etablierten.

 

Schart, Offermannshof und der Hof Krone waren die Manufakturen für feine Tuche. Produktionsschritte wie Waschen, Walken und Färben sowie die Energie durch Wasserkraft bedurften noch fließender Gewässer am Betriebsstandort. Spannend waren die Ausführungen zu den technischen Neuerungen, die Einzug erhielten. Unaufhaltsam waren Mechanisierung, Arbeitsteilung, Zentralisierung und Automatisierung auf dem Vormarsch zu immer effizienteren Produktionsmethoden. Der in Stolberg gut bekannte Name Cockerill spielte dabei, wie Buhren ausführte, eine besondere Rolle. William Cockerill hatte eine Spinnmaschine entwickelt, die von Verviers aus ihren Siegeszug aufnahm und die Industrialisierung in unserer Region einläutete.

 

Zwei kombinierte Spezialmaschinen konnten in der Folge die Arbeit von fünfzig bis achtzig Arbeitern ausführen. Die Dampfmaschine hatte selbstverständlich auch in diesem Gewerbe eine bahnbrechende Innovationskraft für immense Produktivitätssteigerungen.

 

Der Referent zitierte den Reiseschriftsteller Philipp Andreas Nemnich, der 1809 schrieb, „nächst der Fabrik des Messings ist die des Tuches ein Haupterwerb von Stolberg“. Die Ellermühle hatte schließlich als kurz danach gegründete Tuchmanufaktur über zweihundert Angestellte und viele weitere lagen im damaligen Gemeindegebiet und drum herum, vor allem im Inde- bzw. Münsterbachtal, wie gezeigt wurde.

 

Elgermühle, Gedau, Buschmühle, Hamm, Bocks- und Haumühle waren bis ins 20. Jahrhundert Textilproduktionsstätten und in der Nepomucenusmühle wird bis heute ein spezielles Druckausgleichsgewebe produziert. Spezialisierung war im allgemeinen Niedergang des Industriezweigs seit dem 2. Weltkrieg die einzige Überlebensstrategie.

 

Tagesaktuell und durchaus kritisch merkte der Referent an, dass europäischer Freihandel durch Billigkonkurrenz daran einen Anteil hatte. Während Aachens lange Tuchtradition durch viele Betriebsschließungen ‚nur‘ noch durch modernste Forschungsunternehmen fortbesteht, liegen in Stolberg neben der erwähnten Hueck Rheinische in der alten Kupfermühle insgesamt zwei weltweit exportierende Unternehmen. In Schevenhütte wird bei Gebrüder Thelen anspruchsvolles Wollgarn für Fußböden hergestellt, wie aus der Beschreibung der Entwicklung bis heute zu erfahren war.

 

„Unsere Region war in der Tuchindustrie führend“, konstatierte Buhren als Fachmann für die regionale Textilgeschichte und unterfütterte diese These mit interessanten Fakten und Details.

 

Der Vortrag war ein konstruktiver Baustein in der Einordnung des Stolberger Tuchgewerbes in den regionalen Zusammenhang, der bei aller historischen Betrachtung docvh wesentlich ist, um die lokale Stadt- und Wirtschaftsgeschichte integriert und kontextuell zu erfassen.

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

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