Die Archivale: Festrede im Ratsaal

Stadtverordnetenversammlung kam am 1. Mai 1933 zu einer Festsitzung zusammen, um den „Tag der nationalen Arbeit“ zu begehen.

Einen wichtigen Bestand des Stadtarchivs bilden die Protokollbücher der Rats- und Ausschusssitzungen der Stolberger Bürgerschaft. Im Buch Nr. 99 sind unter anderem folgende Ereignisse dokumentiert.

 

„Wir kennen nun keine Rücksicht mehr. Deutschland ist mitten in einer kalten Revolution. Widerstand aussichtslos“ notierte Joseph Goebbels am 13. März 1933 in seinem Tagebuch, als die Hitler-Regierung ihrem Ziel der totalen Macht noch einen Schritt näher gerückt war. Was am 30. Januar des Jahres mit der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler begonnen hatte, wurde mit Druck, Repression und Rücksichtslosigkeit in krasser Geschwindigkeit fortgesetzt.

 

Die Ausschaltung von Kommunisten und Sozialdemokraten wie die Gleichschaltung wurde innerhalb von Wochen realisiert und wurde sofort bis auf kommunale Ebene durchgesetzt. Das Ermächtigungsgesetz vom 24. März war ein entscheidender Schritt dabei.

 

Die Stolberger Stadtverordnetenversammlung, wie sich damals noch der Stadtrat nannte, fand sich am 1. Mai zu einer außer-ordentlichen Festsitzung zusammen, um erstmals den „Tag der nationalen Arbeit“ zu begehen. Der Feiertag der linken Arbeiterschaft sollte dem Bestreben der NSDAP, ihrem Namen nach auch Arbeiterpartei, nach so genannter ‚nationaler Einheit‘ und Tilgung linker Ideologie dienen und wurde auch in Stolberg entsprechend begangen. Bürgermeister Walter Dobbelmann, Mitglied der DNVP, hielt die Festrede im Ratssaal, der mit der schwarz-weiß-roten Flagge des Kaiserreichs, der preußischen Staatsflagge, Stadtfahne und der Hakenkreuzflagge geschmückt war. Auch die Straßen Stolbergs waren „mit Fahnen der alten und neuen Zeit“ dekoriert, wie er ausführte.

 

KPD-Mitglieder waren bereits ausgeschlossen, die der SPD zusehends behindert und schikaniert. Der angebliche „Tag des Hasses“ sollte ein Feiertag der Arbeiter von „Stirn und Faust“ werden und die „Führer des neuen Deutschlands“ erhielten einstimmig auf Antrag der NSDAP Ehrenbürgerrechte: Reichs-präsident von Hindenburg und der „Volkskanzler“ Adolf Hitler. Der Steinweg wurde fortan Adolf-Hitler-Straße genannt, die heutige Salmstraße Hindenburgstraße und die Hastenrather Straße war nun die Horst-Wessel-Straße. Die Stadtgesellschaft wurde gemäß der NS-Ideologie umgekrempelt. Wer nicht mitmachte, wurde aus Amt und Position entfernt. Symbolische Umbenennungen, eskalierende Verfolgung von Juden und Andersdenkenden und Abschaffung der demokratischen Struk-turen waren im vollen Gange.

 

Die Stadtverordnetenversamm-lung als legislative Instanz von 28 gewählten Mitgliedern ent-machtete sich schließlich am 30. August fast völlig, als sie einen ‚Beschlussausschuss‘ von fünf Mitgliedern einsetzte und fortan nur noch selten zusammenkam. Bürgermeister Dobbelmann musste schließlich 1934 seinen Stuhl räumen, um linientreuen NSDAP-Leuten endgültig die alleinige Macht zu überlassen.

 

Aberkannt wurden die Ehrenbürgerschaften etwa fünfzig Jahre später, als diese unbeachteten ‚Altlasten‘ zufällig entdeckt wurden. Die Straßennamen wurden umgehend nach Kriegsende revidiert.

 

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

Kandidat für den Städteregionsrat
Dr. Tim Grüttemeier

 

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