Der erschreckende Hilferuf eines ganzen Kontinents

Die Präsidentin der Deutschen Welthungerhilfe, Bärbel Dieckmann , spricht in der Donnerbergkaserne über Afrika.

„Armut und Hunger stellen eine große Gefahr für den Weltfrieden dar!“ Bärbel Dieckmann wählte gleich zu Beginn ihres Vortrags vor zahlreichen Zuhörern im Offiziersheim der Donnerberg-Kaserne deutliche Worte. Die ehrenamtliche Präsidentin der Deutschen Welthungerhilfe war Gast des Europaforums des Europavereins „Gesellschaftspolitische Bildungsgemeinschaft“ (GPB). Nach dem Referat der früheren Oberbürgermeisterin der Stadt Bonn entwickelte sich eine Diskussion mit den Forumsgästen.

 

„Hauptursache von fragilen Staaten ist die oft himmelschreiende Ungerechtigkeit, die dort herrscht“, betonte Dieckmann. Und diese Ungerechtigkeit greife Staaten von innen und außen an. Denn: „Der afrikanische Kontinent hätte auf Grund seines Reichtums an Rohstoffen die Chance auf Wohlstand.“ Doch ungerechte Handels- und Wirtschaftsbedingungen, die afrikanischen Staaten auch und nicht zuletzt durch Europa aufgezwungen würden, verhinderten diesen. „Der Klimawandel wird nirgendwo in Afrika, sondern in den Industriestaaten produziert“, so die Präsidentin der Welthungerhilfe.

 

Eine der wichtigsten Voraussetzungen für den Erfolg der Welthungerhilfe sei, das Vertrauen der Menschen zu gewinnen. Deshalb sei es richtig, dass es keine gemeinsamen Projekte zwischen Bundeswehr und Welthungerhilfe gebe. „Wir sind in unterschiedlichen Rollen und Funktionen vor Ort“, erläuterte Bärbel Dieckmann, die betonte, dass die Arbeit des Vereins in Deutschland hohes Ansehen genieße. „Die deutsche Bevölkerung ist sehr interessiert. Auch, da die Erkenntnis gewachsen ist, dass Europa unmöglich 65 Millionen Flüchtlinge aufnehmen kann und wir alles tun müssen, um die Situation vor Ort zu verbessern.“

 

Dieckmann stellte klar: „Die allerärmsten Menschen finden nicht den Weg nach Europa. Die 10 000 Euro, die für die Flucht mindestens notwendig sind, kann beispielsweise im Süd-Sudan mit Ausnahme einer verschwindend kleinen Gruppe von Personen niemand aufbringen.“ Dabei habe das Land auf Grund seiner großen Ölvorkommen eigentlich „jede Chance“, als Staat zu funktionieren. „Stattdessen geht das Land in einem grausamen Bürgerkrieg unter.“ Entwicklungszusammenarbeit sei dort nicht mehr möglich. Generell laute das Ziel der flüchtenden Menschen aber nur Europa, wenn es überhaupt keine andere Chance mehr gebe. „Deshalb zielt mein Plädoyer in Richtung der Politiker in den Industriestaaten darauf ab, alles zu unternehmen, um Stabilität vor Ort zu gewährleisten. Schließlich drängen in Afrika in den kommenden zwei Jahrzehnten 150 Millionen Menschen auf den Arbeitsmarkt“, sagte Dieckmann.

 

Bei allen großen Problemen seien auch Erfolge zu benennen, die Mut machten. „Lateinamerika hat sich gut entwickelt. Dort müssen wir nicht mehr tätig sein. In Asien werden Fortschritte gemacht. Und auch afrikanische Staaten wie Ruanda oder Ghana geben Anlass zur Hoffnung“, ließ Dieckmann wissen, um ihre Ausführungen mit einem Appell an Europa zu schließen. „Europa kann nicht isoliert leben. Die Welt braucht ein starkes Europa. Wir brauchen eine gerechte Verteilung von Reichtum und Einkommen.“

 

Bereits zu Beginn hatte der GPB-Vorsitzende Peter Schöner, der mit Kasernenkommandant Holger Müller als Gastgeber fungierte, betont, dass Europa seinen Wohlstand dem afrikanischen Kontinent zu verdanken habe. „Es existieren zahlreiche Handelsabkommen, alle zum Vorteil Europas“, sagte Schöner. Dieckmann brach schließlich eine Lanze für die Menschen Afrikas: „Trotz vielfachen Elends zeichnet sie unglaubliche Kraft aus. Nicht wenige in Wohlstands-Deutschland sind davon weit entfernt!“

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

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