Vom Spagat zwischen Individualität und Gemeinsamkeit

Eltern am Basteltisch zusammenbringen: Stolberger Kita Wiesenstraße beteiligt sich an einem integrativen Projekt der Städteregion.

Foto: S.-L. Gombert
Foto: S.-L. Gombert

Munteres Gemurmel und Gelächter herrscht im Turnsaal der Kindertagesstätte Wiesenstraße im Stolberger Ortsteil Donnerberg. Doch für die Geräuschkulisse sind diesmal ausnahmsweise nicht die 50 Kinder verantwortlich, die die Kita besuchen. Es sind ihre Eltern, Großeltern oder älteren Geschwister. Sie sind einen Nachmittag lang zum gemeinsamen Basteln hergekommen. Dabei geht es aber im Kern nicht um das künstlerische Gestalten von Holzplatten, wie Gabi Kahnau, Leiterin der Kita, erklärt: „Diese Bastel-Aktion der Eltern ist Teil eines dreiteiligen Projekts, das auf Integration abzielt.“ Dass das für die die Kita Wiesenstraße ein wichtiges und ständiges Thema sei, liege auf der Hand. In der Einrichtung werden Kinder aus 17 Nationen betreut.

 

„In einem ersten Schritt haben unseren pädagogischen Fachkräfte an einer Fortbildung zum Thema teilgenommen“, sagt Gabi Kahnau. Auch wenn die Arbeit mit Kindern mit unterschiedlichem kulturellen Hintergrund längst Teil der Ausbildung einer Erzieherin ist, so sei es doch wertvoll, noch einmal gezielt darauf hinzuarbeiten.

 

Im zweiten Schritt haben die Kinder zu Stift und Bastelmaterial gegriffen: „Die Kinder sollten Figuren aus Holz nach ihren Wünschen und Vorstellungen gestalten“, sagt Gabi Kahnau. Und während diese Figuren einerseits völlig unterschiedlich und kunterbunt geworden seien, sind sie doch von der Basis her gleich: Alle sind aus Holz. „Und das sollten die Kinder lernen. Dass sie unterschiedlich sind, dass sie aber auf gewisse Weise auch alle gleich sind.“

 

Die Eltern basteln in einem dritten Schritt schließlich die Basis für die Figuren ihrer Kinder. Die Symbolik dahinter ist eine Botschaft, die den Kindern Mut machen soll. „Außerdem geht es aber darum, dass die Eltern sich besser kennenlernen und dass auch sie verstehen, dass jeder ruhig seine eigenen Wertvorstellungen mit einbringen kann, wenn sie dem Wohle der Kinder dienen“, sagt Gabi Kahnau.

 

Hinter dem Projekt mit dem offiziellen Titel „Ich, du, wir, gemeinsam hier in der Städteregion Aachen“ steckt das kommunale Integrationszentrum der Städteregion Aachen. Die Kita auf dem Donnerberg ist die mittlerweile dritte Stolberger Einrichtung, die sich an der Aktion beteiligt. „Wir sind froh, dass unsere Idee so gut ankommt“, sagt Timur Bozkir, Leiter des kommunalen Integrationszentrums. Auch aus seiner Sicht geht es darum, einerseits die Individualität der Kinder und ihrer Familien zu fördern, und andererseits Gemeinsamkeiten zu unterstreichen. Und diese lägen auf der Hand, auch mit völlig unterschiedlichen Wertevorstellungen: „Jede Mutter und jeder Vater würde doch unterschreiben, dass man für sein Kind das Beste will.“

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

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