„Der Geist, der da entstanden ist, wird bleiben“

Ende März treffen sich die „Trimborner“ – diesmal allerdings unter traurigen Umständen.

Foto: B. Zilkens
Foto: B. Zilkens

Dass Schüler ein freundschaftliches Verhältnis zu ihren Lehrern aufbauen, ist heutzutage eher selten. Wenn sich also ein Kreis von ehemaligen Schülern, dreißig Jahre nach der Entlassung aus der Volksschule, nach dem ehemaligen Klassenlehrer benennt, dann muss etwas Außergewöhnliches geschehen sein. Und im Fall der „Trimborner“ trifft das vollkommen zu.

 

Vor fast genau 60 Jahren – im April 1957 – werden Josef Brockhoven und Karl-Heinz Oedekoven in der Katholischen Knabenschule Hermannstraße in Stolberg eingeschult. Sie erleben, wie der damalige Rektor und ihr erster Klassenlehrer Anton Herpers erkrankt und kurze Zeit später aus dem Schuldienst ausscheidet. Und sie lernen zu Beginn des zweiten Schuljahrs Heinz Trimborn kennen, einen erst 23 Jahre alten Junglehrer, der in der Nachkriegszeit wegen akutem Lehrermangel im Schnelldurchgang seine pädagogische Ausbildung durchlaufen hatte und nun eine Klasse, bestehend aus 40 bis 50 Jungen im Alter von sieben oder acht Jahren, unterrichten muss. Diese Herausforderung meistert er so gut, dass seine ehemaligen Schüler Brockhoven und Oedekoven, die bis 1965 in den Genuss seines Unterrichts kommen, ihn noch heute als einen mit besonderen Fähigkeiten gesegneten „Ziehvater“ bezeichnen, der sie für ihr späteres Leben maßgeblich geprägt habe.

 

„Heinz Trimborn war ein Multi-Talent, ein Allrounder, wie es sie heute nicht mehr gibt“, erinnert sich Karl-Heinz Oedekoven. „Er hat uns nicht nur die grundlegenden Sachen wie Schreiben, Lesen und Rechnen beigebracht, sondern er war darüber hinaus auch in Geschichte, Erdkunde, Musik und Sport sehr bewandert.“ Trimborn wollte seinen Schülern nicht nur reines Wissen vermitteln, sondern interessierte sich auch für die Lebensumstände seiner Schützlinge. „Er hat zu jedem Schüler ein Protokoll mit sozialen Bezügen im Gedächtnis gehabt. Wenn es familiäre Schwierigkeiten gab, wusste er davon. Er merkte sich auch, wenn jemand eine besondere Förderung nötig hatte“, so Josef Brockhoven.

 

In Sachen Unterrichtsgestaltung geht der Pädagoge ebenfalls andere Wege. Trimborn hat ein Auge für das Praktische und schafft es, die Theorie interessant und anschaulich zu machen. „Er sagte einmal: Heute ist schönes Wetter, wir machen jetzt einen Spaziergang Richtung Mausbach zum Wasserturm und dann erkläre ich euch dort, wie die Wasserversorgung in Stolberg funktioniert“, erinnert sich Josef Brockhoven.

 

Derlei Ideen hat der aus dem Eifelort Abenden stammende Trimborn viele – übrigens nicht nur während der Schulzeit. Auch in den Ferien engagiert er sich für seine Schüler und organisiert Wanderungen. „Nach dem siebten Schuljahr hat er sich die Mühe gemacht, 340 Kilometer mit uns durchs Sauerland zu latschen“, erzählt Oedekoven. „Seine Mutter stammte aus der Gegend. Einmal haben wir bei einer seiner Tanten auf dem Boden übernachtet.“ Auch die Eltern des Lehrers lernt die Schülerschar bei einem Ausflug kennen. Auf dem Hof haben diese etwas zur Stärkung der Volksschul-Truppe vorbereitet. An den leckeren Kakao denken die ehemaligen Hermannschüler noch heute voller Begeisterung zurück: „Einen besseren als dort gab es nie wieder“, sagen die heute 66-Jährigen unisono. Nach ihrer Entlassung aus der Volksschule verlieren sich die Schüler nicht aus den Augen. Ein harter Kern von rund zehn Personen trifft sich regelmäßig. Immer mit dabei: Josef Trimborn. Die Beziehung zu ihrem ehemaligen Lehrer wird 1995 sogar noch persönlicher. In einem Hotel in Monschau, wo damals alle anlässlich eines jährlichen Wiedersehens übernachten, macht Trimborn etwas, womit niemand rechnet: „Er und seine Frau Franziska haben uns das „Du“ angeboten“, erinnert sich Josef Brockhoven wehmütig. „Das war unfassbar, denn er war ja immer noch eine Respektsperson für uns.“ Im selben Jahr gibt sich der Freundeskreis einen Namen und bezeichnet sich seitdem als „Trimborner“, obschon zunächst auch noch ein anderer Name im Rennen ist: „Als Erstes war der Begriff „Trimbornianer“ gefallen, aber das hörte sich eher nach einem versprengten Indianerstamm an“, erzählt Brockhoven. „Wir haben uns dann für die kürzere Variante entschieden.“ Was Heinz Trimborn darüber dachte, dass sich Schüler aus seiner allerersten Klasse nach ihm benannt haben, ist zwar nicht überliefert. „Aber es hat ihn sicherlich sehr gefreut und es hat ihm auch gut getan, dass seine ersten Schüler einen so nachhaltigen Kontakt zu ihm halten wollten“, sagt Karl-Heinz Oedekoven.

 

Bis zum vergangenen Jahr trifft sich Heinz Trimborn regelmäßig mit seinen „Jungs“ und deren Familien. Sie sind sowohl beim 80. Geburtstag als auch bei der Goldhochzeit dabei, bleiben ein fester Bestandteil seines Lebens. Eine Operation am Herzen übersteht Trimborn gut, aber die Begleiterkrankungen machen ihm immer mehr zu schaffen. Mitte Februar dieses Jahres – gut einen Monat vor dem nächsten geplanten Treffen mit den „Trimbornern“ – stirbt Heinz Trimborn in Stolberg. Seine ehemaligen Schüler wollen sich trotzdem sehen, nämlich zur Beisetzung am 25. März. Ab sofort müssen die „Trimborner“ also ohne ihre „Vaterfigur“ auskommen. Ändern werde das aber nichts, so Josef Brockhoven, eher das Gegenteil sei der Fall: „Der Zusammenhalt wird dadurch nur noch stärker. Der Geist, der durch Heinz Trimborn entstanden ist, der wird bleiben.“

 

Quelle: Super Mittwoch

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