Häuser haben noch Charme

In der Straße Waldfriede hat sich in den vergangenen Jahren nicht viel am Bild der Häuserzeile geändert. Siedlung 1922 errichtet.

In unserer Reihe „Stolberger Ansichten über Jahrzehnte“ widmen wir uns in dieser Woche der Straße Waldfriede. Auf den Schwarz-Weißfotos aus dem Jahr 1972, die im Stadtarchiv zu sehen sind, sind die Fronten einer Reihenhaussiedlung und eine Baumreihe abgebildet.

 

In der Bildmitte liegt die Bleihütte Binsfeldhammer, heute ein Bestandteil der Berzelius-Gruppe. Die Siedlung ist 1922 entstanden. Bauherr war die Bleihütte Binsfeldhammer. Sie hatte für ihre Mitarbeiter in unmittelbarer Nachbarschaft des Werkes fünf Wohnhäuser von unterschiedlicher Größe und Grundriss erstellen lassen: Drei Bauten wurden zwei, und zwei eingeschossig ausgeführt. Es gab Platz für 14 Familien.

 

Größter Raum war die Küche. Ansonsten waren die Räume, wozu auch ein Wohn- und mehrere Schlafzimmer gehörten, sehr klein bemessen. Im Kellergeschoss lagen Ställe für das Vieh. Die äußere Gestaltung war von einer einheitlichen Linie gekennzeichnet. Auf einem Bruchsteinsockel ruhte das ein- oder zweigeschossige Mauerwerk aus rotem Backstein. Die Dachlandschaft war und ist heute noch unterschiedlich gestaltet. Gauben sind in der Mehrzahl. Noch heute sind die Türen von einem grünen Farbanstrich und kleinteiligen Oberlichtfenstern gekennzeichnet. Vergleicht man die im Stadtarchiv vorhandenen Bauzeichnungen mit dem heutigen Zustand, so fällt auf, das sich vermutlich an der Gestaltung der Eingangstüren in den vergangenen 95 Jahren nichts oder nur wenig verändert hat.

 

Veränderungen hat man inzwischen aber an der Baumreihe vorgenommen. Einige Bäume sind gefällt worden. Die Bleihütte ist in der ersten Hälfte 19. Jahrhunderts in unmittelbarer Nachbarschaft des Kupferhofes Binsfeldhammer entstanden: Daher auch ihr Name.

 

In der Folgezeit haben sich die Gebäude immer weiter nach Süden ausgedehnt. Den Kupferhof hatte man schon um 1905 beseitigt und an seiner Stelle Produktionsanlagen und ein Verwaltungsgebäude errichtet. Ein Halbrundbau wurde 1950er Jahre erstellt. Anfänglich hatte er, als „Waschkaue“ bezeichnet, die sanitären Einrichtungen der Betriebsangehörigen beherbergt. Damals berührte eine Buslinie diesen Bereich. Schließlich lag inmitten des Betriebsgelände der Bleihütte ein Teilstück der alten Zweifaller Straße. Dieser Bereich ist heute überbaut und dem Ausbau und der Umwidmung der Bleihütte zu einem leistungsfähigen und modernen Unternehmen zum Opfer gefallen. Die dortigen Bewohner leben gerne in ihren altertümlichen Häusern. Allerdings sind die Bauten, die zeitweise auch als „Kolonie“ bezeichnet wurden und stellvertretend den Arbeiterwohnbau im frühen 20. Jahrhundert repräsentieren, nicht in die Denkmalliste der Kupferstadt Stolberg eingetragen.

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

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