In der digitalen Welt geht es direkter zu

Foto: imago/Eibner
Foto: imago/Eibner

Donald Trump ist seit Freitag offiziell Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Nicht erst seit seiner Vereidigung wird über den Mann aus New York viel berichtet. Auch durch seine beispiellose Nutzung der sozialen Medien, vor allem in Bezug auf den Kurznachrichtendienst Twitter, bringt er sich immer wieder ins Gespräch. Wie sehr spielen Facebook und Co. für die Politik auch in Deutschland im Jahr 2017 eine Rolle? Das wollten wir von politischen Vertretern aus Stolberg wissen. Unsere Redakteurin Sarah-Lena Gombert hat darum den Stolberger Bürgermeister, die Landtagsabgeordneten und Vertreter aus dem Stadrat befragt. Die Anfrage wurde per Nachricht auf Facebook verschickt. Und alle haben geantwortet:


Welche Social Media-Kanäle nutzen Sie für Ihre politische Arbeit, wie regelmäßig, und warum?

Wie unterscheidet sich die politische Arbeit im Netz aus Ihrer Sicht von der analogen politischen Arbeit?

Haben Sie über die sozialen Netzwerke vielleicht schon mal Themen/Ideen aufgreifen können, die Ihnen sonst vielleicht nicht „untergekommen“ wären?



Dr. Tim Grüttemeier
Dr. Tim Grüttemeier

Ich nutze fast täglich Facebook, weil es eine gute Plattform ist, um schnell und unbürokratisch mit anderen Nutzern in Kontakt zu treten und auch um städtische Projekte etwas ausführlicher darstellen zu können. Twitter nutze ich daher nicht, da man die meisten Vorgänge aus meiner Sicht nicht in 140 Zeichen erklären kann.

Als Bürgermeister versuche ich vor allem über unsere Aktivitäten in und für Stolberg zu informieren, während ich Diskussionen auch weiterhin lieber im persönlichen Gespräch führe. Es besteht bei Diskussionen in sozialen Netzwerken immer die Gefahr, dass diese entgleiten. Das liegt oft an Einigen, die versuchen mit Lügennachrichten zu hetzen und eine Kultur des Misstrauens und der Hysterie zu schaffen. Sich diesen Hetzern entgegenzustellen ist nicht immer einfach, aber glücklicherweise gibt es sehr viele Nutzer, die auch im Netz Zivilcourage beweisen.

Interessante Ideen gibt es viele und ich bekomme auch eine Menge persönliche Nachrichten mit guten Vorschlägen. In dem Zusammenhang war der erfolgreiche Einsatz für den Erhalt der Stolberger Notfallpraxis ein gutes Beispiel für das Potenzial der sozialen Netzwerke. Die Bürgerschaft hat sich über das Netz damals in Rekordzeit organisiert und so ein eindrückliches Zeichen für den Zusammenhalt in unserer Stadt gegeben. Die damalige Demonstration hat dem Krankenhaus und uns als Verwaltung in den Verhandlungen den Rücken sehr gestärkt.



Axel Wirtz, Landtagsabgeordneter (CDU)
Axel Wirtz, Landtagsabgeordneter (CDU)

Ich konzentriere mich auf Facebook und Twitter und es gibt natürlich eine Homepage.

Es gibt kürzere Reaktionszeiten, man kann direkt situativ darstellen und nicht zeitverzögert, die Inhalte werden komprimierter dargestellt, es bestehen bessere Chancen für optische Anreize, sprich Fotos bzw. Grafiken. Manchmal sollte man allerdings vor Aktionen/Reaktionen noch einmal eine Nacht schlafen.

Ja. Denn man bekommt vielfältigere und weiträumigere Informationen, aus denen ich bereits die eine oder andere Idee entwickeln und umsetzen konnte. Auch hier besteht allerdings das Risiko, dass manche populistischen vordergründigen Darstellungen an Bedeutung gewinnen, die sie eigentlich nicht haben.




Stefan Kämmerling, Landtagsabgeordneter (SPD)
Stefan Kämmerling, Landtagsabgeordneter (SPD)

Facebook: Ich nutze hier eine FB-„Seite“ mit derzeit 1.647 „Likes“. Mein privates FB-„Profil“ nutze ich bewusst überhaupt nicht für politische Arbeit. Auf der FB-„Seite“ verbreite ich meine Pressemitteilungen, Veranstaltungshinweise und werbe für politische Positionen. Regelmäßig kommt es hier zu Bürgeranfragen. Twitter hat im Wahlkreis (noch) eine untergeordnete Rolle. Bürgeranfragen kommen hier sehr selten vor. In der überregionalen politischen Auseinandersetzung ist die Bedeutung von Twitter größer. Auch Instagram nutze ich als Kanal. Lokal ist die Verbreitung von Instagram größer als die von Twitter und kleiner als die von Facebook.

Im Netz werden viel schneller Reaktionen und Entscheidungen erwartet. Ich sehe das zunehmend kritisch. Man kann nicht auf alles schnell reagieren und erst recht sollte man nicht alles schnell entscheiden. Es muss auch 2017 noch erlaubt sein, über komplexe politische Herausforderungen in Ruhe nachzudenken.

Das echte Leben findet immer noch auf der Straße und in direkten Begegnungen statt. Aber ein Beispiel ist sicherlich Freifunk. Junge Menschen sind damals per Facebook auf mich zugekommen und haben beklagt, dass in Großstädten kostenfreies WLAN Standard ist, hier bei uns vor Ort aber nicht. Einige Tage später habe ich in meinem Wahlkreisbüro den ersten Freifunk-Router aufgestellt, verschiedene Geschäftsleute und Verwaltungen davon überzeugt, eine Freifunk-Initiative unterstützt und einen Musterantrag für den politischen Raum geschrieben. Kurz danach stellten SPD-Fraktionen in der ganzen Region Anträge, in ihrer Stadt Freifunk umzusetzen. Der Erfolg von Freifunk ist der, der Freifunk-Initiativen, und nicht meiner. Aber mein persönliches Interesse dafür, haben junge Menschen im Netz geweckt.



Jochen Emonds, CDU Stolberg
Jochen Emonds, CDU Stolberg

Als CDU Stolberg betreiben wir einen Facebook-Account und eine Internetseite, auf der wir fast täglich neue Informationen hochladen. Hinzu kommen die Kanäle die von unseren Ratsmitgliedern, den Ortsverbänden, den Vereinigungen und von unseren Arbeitskreisen genutzt werden. Wir sind damit in wahrscheinlich jedem wichtigen sozialen Netzwerk vertreten, um möglichst transparent und für jeden zugänglich über unsere Arbeit zu informieren.

Das Internet sehe ich als Ergänzung zu unserer politischen Arbeit. Diskussionen jedoch lassen sich dort nur sehr schlecht führen, da das direkte Miteinander fehlt. Auch tummeln sich in den sozialen Netzwerken sehr viele Störer, die glauben für die ganze Bevölkerung sprechen zu müssen, obwohl es sich bei ihnen lediglich um eine Handvoll Ewiggestriger handelt, die sich gegenseitig aufstacheln. Politische Diskussionen gehören für mich in das reale Leben, in die Säle, in die Straßen und auf die Plätze unserer Stadt. Es gehört zu einer Demokratie, dass es dabei auch einmal etwas kontroverser zugehen darf. Bei unserer gemeinsamen Suche nach der besten Lösung sollten wir Demokraten uns aber immer mit Anstand und Respekt begegnen.

Der erfolgreiche Breitbandausbau in Stolberg geht zurück auf eine private Initiative, die auf Facebook ihren Anfang nahm. Als CDU haben wir uns dieser Initiative angenommen und wir haben uns gemeinsam mit unserem Bürgermeister Dr. Grüttemeier dafür eingesetzt, dass der Anschluss Stolbergs an eine schnelle und zuverlässige Internetverbindung bis Jahresende flächendeckend realisiert werden kann. Wer sich in den sozialen Medien mit konstruktiven Ideen einbringt findet in der CDU einen starken Partner.



Patrick Haas, SPD Stolberg
Patrick Haas, SPD Stolberg

Facebook nutze ich täglich, Twitter eher selten. Facebook ermöglicht es uns über politischen Themen wie beispielsweise Sozialraumplanung, Freifunk, Gesamtschule Stolberg oder die soziale Staffelung der Elternbeiträge als SPD-Themen zu diskutieren.

Der schnelle Informationsaustausch ist Fluch und Segen zu gleich, da oft die Geschwindigkeit der Meldung und politische Meinungsmache mehr zählen als gute Recherche und Quellenarbeit.

Stolberger, SPD-Politiker sowie Judofreunde weltweit bringen mich auf viele Ideen; oft muss das Rad nicht neu erfunden werden, sondern man sollte einfach mit offenen Ohren und Augen durch die Welt laufen.



Dina Graetz, Bündnis 90/Die Grünen Stolberg
Dina Graetz, Bündnis 90/Die Grünen Stolberg

An Social-Media-Kanälen nutze ich hauptsächlich Facebook für meine politische Arbeit; Twitter ist mir persönlich zu reduziert. Das Medium Facebook nutze ich vorwiegend um mich auszutauschen und einen engen Kontakt zu den Stolberger Bürgern zu halten, um herauszufinden wo aktuell der Schuh drückt. Täglich bin ich mindestens zweimal auf Facebook unterwegs. Die Social-Media-Kanäle haben in unserer heutigen Gesellschaft eine hohe Bedeutung, da durch sie Ideen und Themen schneller und ungehindert verbreitet werden können. Als Politikerin hat man so die Chance schneller auf Probleme aufmerksam zu werden.

Aufgrund der hohen Reichweite sowie der Zugänglichkeit für jeden gehört der Online-Partizipation im kommunalen sicher die Zukunft. Trotzdem verfügt noch längst nicht jeder Einwohner über einen Zugang. Momentan sind vorwiegend ältere Bürger noch nicht vernetzt und daher auf analoge Kommunikation mittelfristig angewiesen.

Die politische Arbeit im Netz beschränkt sich auf knappe Schlagwörter, die gerne mal in Richtung Polemik gehen um möglichst oft geteilt zu werden. Die analoge politische Arbeit wird durchaus durchdachter und intensiver diskutiert und ist in meinen Augen persönlicher.



Gabi Halili, Die Linke Stolberg
Gabi Halili, Die Linke Stolberg

Die sozialen Netzwerke spielen eine immer größere Rolle. Die traditionellen Zeitungen werden niemals ganz verschwinden, aber im gesellschaftspolitischen Bereich muss man „up to date“ sein. In den sozialen Netzwerken erfährt man schnell, was aktuell ist. Man kann eine breite Öffentlichkeit erreichen. Daher nutzen wir als Linke Facebook. Seit einigen Wochen freunden wir uns auch mit Twitter an. Selbstverständlich gibt es auch eine „Kehrseite der Medaille“.

achteile, die bei der Nutzung der sozialen Medien beachtet werden sollten, sind Diskussion über „Fake News“ oder Manipulationen. Hier muss man abwägen, welche Nachrichten der Realität entsprechen. Wir sind der Überzeugung, dass langjährige Nutzer solcher Medien irgendwann ein Sensibilität für Derartiges haben. Zudem empfiehlt es sich, mit Daten, die man in die Netzwerke stellt, sensibel umzugehen.

Über die sozialen Netzwerke werden im politischen Milieu brisante oder interessante Thema aufgegriffen. Ein großes Thema war TTIP/CETA, welches aufgrund der Verbindungen über soziale Medien zu einer der größten Demonstrationen in Deutschland geführt hat. Doch auch kommunal gibt es Beispiele. Die Stolberger Bürger haben verschiedene Facebook-Seiten zu Stolberg ins Netz gestellt; Hier findet ein reger Austausch über die Situation in unserer Stadt statt. Für kommunalpolitische Akteure ist dies ein hilfreiches Instrument, um bei gewissen Themen den Überblick zu haben, welche Meinung die Menschen in unserer Stadt vertreten. Gleichzeitig besteht die Möglichkeit, die Bürger über relevante Themen zu informieren. Und nicht zu unterschätzen; Durch die modernen Medien können kleinere Parteien ihre öffentliche Wahrnehmung erhöhen und die gewollte oder ungewollte Unterpräsenz in den traditionellen Medien zum Teil kompensieren.



Axel Conrads, FDP Stolberg
Axel Conrads, FDP Stolberg

Wir von der FDP nutzen Facebook, wir haben eine Seite für unsere Partei angelegt.

Über Facebook, aber auch die anderen sozialen Medien, erreichen wir Mitglieder und interessierte Bürger schneller und in größerer Anzahl.

Nein, bisher haben wir noch kein Thema besonders über die sozialen Medien aufgegriffen.



 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

Kandidat für den Städteregionsrat
Dr. Tim Grüttemeier

 

Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU)

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