Jobcenter arbeitet, aber Fluchttreppe fehlt

Dringlichkeitsgenehmigung: Stadt duldet Nutzung, weil noch nicht alle Räume des früheren Amtsgerichtes genutzt werden.

Foto: Lange, Zeichnung: K.-H. Keune
Foto: Lange, Zeichnung: K.-H. Keune

Seit Ende Dezember residiert das Jobcenter im ehemaligen Amtsgericht am Kaiserplatz. Offizieller Dienstbeginn ist der 1. Januar. Mit einer Dringlichkeitsentscheidung wurde mit Vorlage vom 14. Dezember der Bauantrag auf Nutzungsänderung in ein Bürogebäude sowie der rückwärtige Anbau einer Fluchttreppe durch die Stadt genehmigt.

 

Die Fluchttreppe an der Ostseite des ehemaligen Zellentraktes, die „aus Gründen des Brandschutzes erforderlich wird und somit dem Fortbestand des Gebäudes dient“, ist allerdings trotz der Inbetriebnahme noch nicht errichtet. Der Treppenturm soll in erster Linie als zweiter Fluchtweg für das zweite Obergeschoss sowie das Dachgeschoss dienen. Derzeit steht ein Baugerüst an der Stelle, wo die Fluchttreppe errichtet wird.

 

„Wir erwarten die zügige Errichtung des Treppenturms“, erklärte dazu Verwaltungssprecher Robert Walz auf Anfrage unserer Zeitung. Allerdings sei er zum jetzigen Nutzungsumfang des Gebäudes noch nicht erforderlich. Das Jobcenter habe noch nicht im beabsichtigten Umfang sein neues Dienstgebäude bezogen.

 

Zudem bestehen an der Rückfront des alten Amtsgerichtes zwei Steigleitern, die einer Evakuierung der Obergeschosse dienen. Sie könnten demontiert werden, wenn der Treppenturm errichtet worden sei, heißt es in der positiven Stellungnahme der unteren Denkmalbehörde.

 

Der im November 1982 rechtskräftig gewordene Bebauungsplan definiert das Grundstück als Gemeinbedarfsfläche mit der Zweckbindung Schule. „In der Vergangenheit wurde der Bau noch nie als Schule genutzt“, heißt es in der Vorlage für den am 18. Januar tagenden Ausschuss für Stadtentwicklung. Allerdings residierte bis zu ihrem Umzug in das Kulturzentrum Frankental im November 1989 die seit 1987 nach dem Ausscheiden aus dem Zweckverband Südkreis Aachen nun städtische Volkshochschule in dem historischen Bauwerk, das anschließend als Asylbewerberheim genutzt wurde. Nach kontroversen Diskussionen über eine Privatisierung verkaufte die Stadt das Amtsgericht gemeinsam mit dem früheren Gymnasium 1998 an das Unternehmen AMW Projekte, das das Ensemble umbaute. Der Umbau des Amtsgericht wurde 1999 eröffnet. Seitdem wird das frühere Gerichtsgebäude bereits als Büroraum genutzt. Dazu waren in der Vergangenheit bereits Befreiungen von den Festsetzungen des Bebauungsplans erteilt worden. Bis Mitte vergangenen Jahres war das Gebäude bereits für Bürozwecke genutzt worden. Nun ist der Bauantrag erneut überschrieben als „Nutzungsänderung des ehemaligen Amtsgerichtes in ein Bürogebäude. Beim rückwärtigen Anbau der Fluchttreppe werden die Baugrenze überschritten. Die Befreiung davon wurde erteilt.

 

Interessanterweise hatte der Investor zur Jahrtausendwende eine andere Nutzung des historischen Traktes mit den originalen Zellen und dem Gewölbekeller geplant: Ein Restaurant mit Außengastronomie inklusive einer Terrasse bis an den Vichtbach waren angedacht. Dafür ließ sich in den wirtschaftlich schwierigen Zeiten allerdings kein Pächter finde...

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

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