Stolberg wendet den Blick nach Fernost

Unternehmerforum der Stadt beschäftigt sich mit einer möglichen Städtepartnerschaft mit Jintan im Osten Chinas.

Foto: www.travelhackers.ch
Foto: www.travelhackers.ch

Mehr als 8000 Kilometer liegen zwischen Stolberg und Jintan, einer Stadt im Osten der Volksrepublik China. Doch seit Donnerstagabend sind die beiden Städte, die auf den ersten Blick nicht viel verbinden mag, ein kleines Stück näher zusammengerückt: Das Stolberger Unternehmerforum hat sich mit einer möglichen Städtepartnerschaft mit Jintan beschäftigt. Dazu haben die Eheleute Fatima und Ulrich Küsters, die jahrelang in China gelebt haben, ein paar Eindrücke mitgebracht, die sie in Fernost gesammelt haben.

 

In der für chinesische Verhältnisse recht kleinen Stadt Jintan leben rund 553 000 Menschen, wie Fatima Küsters erklärt. Bevor sie mit ihrem Mann aus beruflichen Gründen nach China ging, war Fatima Küsters Vorsitzende des Stolberger Städtepartnerschaftskomitees mit Valognes in Frankreich. „Vertreter der Stadt Jintan sind auf mich zugekommen, weil sie großes Interesse an einer Partnerschaft mit einer Stadt in Deutschland haben“, sagt Fatima Küsters. Im Übrigen sei Jintan nicht die erste chinesische Stadt, die sich mit diesem Anliegen an Stolberg gewandt hat: Bereits 2011 ist die Großstadt Changzhou – in die Jintan 2015 eingemeindet worden ist – auf die Kupferstadt zugegangen. „Damals hat der Stolberger Bürgermeister das Vorhaben einer Städtepartnerschaft aber aus Kostengründen auf Eis gelegt.“ Seitdem habe Changzhou andere deutsche Partnerstädte gefunden: Minden und Essen. „Doch Jintan ist noch auf der Suche nach einem passenden Partner“, sagt Fatima Küsters, die mit ihren Ansprechpartnern in Jintan in ständigem Kontakt steht.

 

Ulrich Küsters, der in Stolberg rund 20 Jahre lang bei LEONI Kerpen gearbeitet hatte, bevor ihm der Konzern eine Aufgabe in China übertrug, hat in Ostasien viele Kontakte zu Unternehmen und Behörden aufbauen können. Und da seine Frau das Thema Städtepartnerschaften als Steckenpferd habe, habe sich das Ehepaar dieser Sache angenommen. Küsters stellt klar, dass eine mögliche Partnerschaft mit China anders verlaufen werde als beispielsweise mit Frankreich, wo es in erster Linie um Schüleraustausch und kulturelle Interessen gehe. Den Chinesen, so Küsters, sei vor allem der wirtschaftliche Austausch ein Anliegen. „Welche Ziele chinesische Städte aber konkret mit einer Partnerschaft verfolgen, kann man nirgends nachlesen, die muss man erleben.“

 

Dies heißt aber im Umkehrschluss nicht, dass sich auf der „Bürgerebene“ keine Berührungen aus einer Städtepartnerschaft ergeben sollen. Auch in dieser Beziehung sind die Chinesen auf die Stolberger neugierig. Die Partnerschaft im wirtschaftlichen bzw. unternehmerischen Bereich ist aber als tragende Säule zu betrachten.

 

Er schätzt, dass es der Stadt Jintan um Zugang zum deutschen Markt, um internationales Knowhow und um den sogenannten „Gesichtsgewinn“ geht: „In China ist man hoch angesehen, wenn man internationale Beziehungen hat“, erklärt Küsters.

 

Für Stolberg, so deutet der Unternehmensberater Küsters an, könne es spannend sein, direkte Informationen und Ansprechpartner bei chinesischen Unternehmen zu bekommen. Die Kenntnisse über den chinesischen Markt könnten sich durch solche Partner deutlich verbessern. „Auch die Rahmenbedingungen für eine Produktion vor Ort könnten für den ein oder anderen von Interesse sein“, sagt Küsters. Letztlich komme es aber darauf an, was die Stolberger Unternehmen für Strategien und Ziele verfolgen, die durch eine Partnerschaft gefördert werden können.

 

Die Teilnehmer des Unternehmerforums zeigten durchaus Interesse an einem Austausch mit China. Die Frage einer Teilnehmerin, ob auch kleine Unternehmen für die chinesischen Wirtschaftsvertreter interessant wären, bejaht Ulrich Küsters: „Die Firmen in Jintan sind keine riesigen Konzerne“, sagt er. So haben seine Frau und er vor Ort einen deutschen Firmeninhaber kennengelernt, der als Ein-Mann-Unternehmen angefangen habe. „Nun hat er 15 Mitarbeiter, und es läuft gut.“

 

Wie der sprachliche Austausch klappt, will eine Teilnehmerin wissen. „Es gibt zwar noch nicht so viele Menschen, die Englisch können“, antwortet Fatima Küsters. Doch man sei in Jintan dabei, auch hier nachzubessern. „Notfalls kann man sich immer mit Händen und Füßen weiterhelfen“, ermuntert sie die Stolberger Unternehmer. Sollten sich ein paar interessierte Unternehmen aus Stolberg und Umgebung finden, könnte ein Kennenlernen mit einer Delegation aus Jintan bereits 2017 in Stolberg stattfinden.

 

„Für uns als Stadt macht eine solche Partnerschaft Sinn, wenn die Stolberger Firmen Interesse daran haben“, resümierte Bürgermeister Tim Grüttemeier. Schon im kommenden Jahr könnte eine chinesische Delegation die Stadt Stolberg besuchen, und dabei auch einige der hiesigen Firmen besichtigen.

 

Jintan, der „Goldene Altar“ im Jangtse-Delta

 

  • Die Stadt Jintan liegt im Osten Chinas, im Delta des Flusses Jangtse. Die ehemalige Kreisstadt mit rund 553 000 Einwohnern ist 2015 von der Stadt Changzhou eingemeindet worden und nun Stadtbezirk.
  • Der Name der Stadt bedeutet „Goldener Altar“. Das sei möglicherweise auf den Rapsanbau zurückzuführen, erklärt Fatima Küsters. Die Wurzeln der Stadt reichen bis ins 7. Jahrhundert vor Christus zurück.
  • Sehr ausgeprägt ist für chinesische Verhältnisse das Schul- und Bildungswesen Jintans. So gibt es 30 Grundschulen, 20 Mittelschulen, vier weiterführende Schulen, Berufsschulen und eine Universität.
  • Regionale Spezialitäten sind der in Asien beliebte Klebreis, der Sperlingstee, eine weiße Teesorte, und chinesische Wollkrabben.
  • Es gibt bereits Ansiedlungen von deutschen Firmen: Unter anderem sind das der Werkzeugmaschinenhersteller Emag und der Automatisierungsexperte Pilz aus Baden-Württemberg.

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

Kandidat für den Städteregionsrat
Dr. Tim Grüttemeier

 

Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU)

in der StädteRegion Aachen

Martinstraße 8

52062 Aachen

 

Telefon: 0241 / 470 71 70
Telefax: 0241 / 470 71 77
E-Mail: gruettemeier@cdu-staedteregion-aachen.de

Für den Newsletter anmelden:

Hinweis: Bitte die mit * gekennzeichneten Felder ausfüllen.