„Kinder sollten neugierig auf die Welt bleiben“

Rund 120 Schüler des Goethe-Gymnasiums in Stolberg führen ihr „Dezember Special“ auf. Darin geht es auch um die Schattenseiten des Alleinseins.

Foto: Jessica Küppers
Foto: Jessica Küppers

Die Proben für das neue Bühnenstück des Goethe-Gymnasiums „Dezember Special“ laufen. Denn wenn am Dienstag um 19 Uhr der Vorhang in der Aula vor knapp 400 Besuchern aufgeht, soll jeder Satz, jeder Ton und jede Position auf der Bühne sitzen. Volontärin Jessica Küppers sprach im Interview mit Musiklehrerin Mathilde Kick, die seit Jahren die Weihnachtsaufführungen organisiert, über das nächste Bühnenstück ihrer Schüler und über kreativen Ausgleich zum Unterricht.

 

Sie organisieren diese Aufführungen jetzt seit etwa 13 Jahren mit ihrem Team. Sind Sie überhaupt noch aufgeregt?

 

Kick: Natürlich, Anspannung gehört doch dazu. Aber die Routine hilft natürlich sehr bei der Organisation. Die Erfahrung wächst natürlich auch mit der Zeit.

 

Worum geht es im „Dezember Special“?

 

Kick: Es ist eigentlich eine Reise ins Land der Träume. Die macht ein Junge, dem alles zu viel geworden ist und der am liebsten weglaufen möchte. Als er einschläft, erlebt er im Traum allerlei Abenteuer, aber anschließend ist er froh, dass der Wecker klingelt und er wieder sein normales Leben leben darf. In seinem Traum ist nämlich nicht nur Gutes passiert.

 

Das Ganze nennt sich musikalischer und bunter Abend und nicht einfach nur Musical oder Theaterstück. Warum?

 

Kick: Ja, dieses Mal sind besonders viele Gruppen aktiv, weil wir erstmalig die AG-Schiene haben. Insgesamt sind es über 120 Schüler, die an dem Stück beteiligt sind. Es machen alle fünften Klassen mit. Dazu kommt die Theater-AG der siebten Klasse und die EF, also die zehnte Klasse. Die haben mit ihrer Lehrerin eine Big Band gegründet.

 

Das klingt nach einem großen logistischen Aufwand.

 

Kick: Ja, das ist es auch. Das kann ich Ihnen sagen. (lacht)

 

Zurück zu Ihrem Stück. Sie sagten, in diesem Jahr gibt es erstmalig die AG-Schiene, die in das Stück eingebunden ist. Was bedeutet das genau?

 

Kick: Die haben wir erst seit diesem Schuljahr. Die Kinder haben die Möglichkeit, sich eine AG auszusuchen. Es gibt zum Beispiel eine Theater-AG, eine Tanz-AG und eine Musical-AG. Dadurch kann man viele Schüler an die Schule binden und die sind sehr aktiv mit einer riesigen Begeisterung. Wir wollten damit vor allem die Kinder entlasten. Es gibt keinen Druck und es ist ein großer Spaßfaktor.

 

Und dieser künstlerische Zweig hat sich jetzt für die Winteraufführung zusammen getan?

 

Kick: Genau, wir haben das einfach mal probiert. Das Stück ist fächerübergreifend. Wir arbeiten mit sechs Kollegen zusammen, wenn man die Technik mit dazu nimmt. In diesem Jahr ist auch erstmalig eine junge Kunstreferendarin mit dabei. Die gestaltet zum Beispiel das interaktive Bühnenbild für die Aufführung.

 

Interaktives Bühnenbild? Das müssen Sie genauer erklären.

 

Kick: Die Kinder haben Verpackungsmüll, zum Beispiel Papier von Süßigkeiten. Das passt ganz gut in die Weihnachtszeit, weil dann besonders viel Müll anfällt. Dieser Müll wird während des Stücks immer wieder woanders verteilt. Sowas haben wir noch nie gemacht.

 

Woran liegt das?

 

Kick: Das liegt auch an den jungen Kollegen. Die haben neue Ideen und das ist immer reizvoll und sehr vielfältig.

 

Aber wie passt der Verpackungsmüll jetzt mit dem Traumland aus dem Stück zusammen?

 

Kick: Die Protagonisten faulenzen am liebsten und essen die ganze Zeit. Und was isst man am liebsten? Süßes!

 

Daher auch der ganze Müll. Hinter der Geschichte steckt aber noch mehr. Es geht ja auch darum, dass die Kinder heute so viele verschiedene Möglichkeiten haben.

 

Kick: Und darum, dass man selbst für sich verantwortlich ist. Auch wenn man mal missmutig ist, ist es schöner mit anderen zusammen zu sein. Kinder sollten neugierig auf die Welt bleiben.

 

Das spiegelt in Teilen ja auch die Realität wieder. Die Chancen, die sich heute für Kinder auftun, scheinen unbegrenzt zu sein. Die Handwerksbetriebe finden kaum Nachwuchs, weil so viele nach der Schule ins Ausland gehen wollen oder irgendwo studieren.

 

Kick: Das ist richtig. Schule hat ja auch den Auftrag, Kinder möglichst breit zu informieren und viele verschiedene Inhalte zu vermitteln. Aber spätestens in der Oberstufe entscheiden die sich schon nach ihren Neigungen.

 

An dieser Stelle können auch viele Eltern nicht mehr bei der Orientierung helfen, weil sie selbst zum Teil anders groß geworden sind. Führt dieses Meer an Möglichkeiten zu einer Überforderung?

 

Kick: Auf die Schüler strömt schon mehr ein als früher, weil die Welt komplexer und vielfältiger geworden ist als früher. Auch als Lehrer muss man auf viele Eigenarten eingehen und den Einzelnen in den Klassenverband einbinden. Integration ist da das Stichwort. Dieses Jahr haben wir aber sehr viel Glück mit unseren Schülern, obwohl das mit 31 Kindern pro Klasse so viele sind und da immer eine gewisse Unruhe herrscht.

 

Da haben Sie als Musiklehrerin ja besonderes Glück. Während gesungen wird, kann man nicht links und rechts quatschen.

 

Kick: Ach manche schaffen das trotzdem noch. (lacht) Aber Sie haben Recht. Das ist das Schöne an Musik. Man muss viel hören und entdeckt seine eigene Stimme. Musik liegt mir wirklich am Herzen und ich sag immer: Jeder kann Singen, auch wenn manche ein bisschen brummen. Grundsätzlich kann jeder mitmachen.

 

Der eigene Musikgeschmack entwickelt sich erst später?

 

Kick: Die hören natürlich auch ihre eigene Musik, aber die machen unheimlich gerne Musik. In dem Alter sind sie noch unheimlich offen und nicht so festgefahren. Mit Liedern kann man Kinder einfach begeistern.

 

Die Lieder für das Bühnenstück haben Sie im Unterricht erarbeitet, richtig?

 

Kick: Ja, die mussten alle Lieder dafür auswendig lernen. Das ist ja auch eine kognitive Leistung. Die haben also keine Zettel in der Hand und können dann auch freier Singen.

 

Sie klingen sehr zufrieden mit Ihren Schülern.

 

Kick: Das bin ich auch.

 

Bis zur Aufführung haben Sie noch einen Tag Zeit. Jetzt geht es in die heiße Phase.

 

Kick: Wir hatten noch zusätzliche Proben in der vergangenen Woche und für die Generalprobe müssen auch wir Lehrer uns vorher sehr gut absprechen, damit das alles klappt und wir nicht erst damit anfangen, wenn die Kinder auf der Bühne stehen.

 

Was heißt das genau?

 

Kick: Dass dann jeder genau weiß, wo, wer, wann steht und singt. Das muss ja auch die Technik wegen der Beleuchtung wissen.

 

Haben Sie ein gutes Gefühl?

 

Kick: Ich habe eigentlich immer ein gutes Gefühl gehabt, aber in diesem Jahr ist es besonders toll, dass so viele Kinder mitmachen.

 

Da kommen bestimmt auch im Publikum einige Menschen zusammen.

 

Kick: Da heißt es immer: Wegen Überfüllung geschlossen. Die Eltern kommen natürlich und auch ein paar Schüler werden da sein.

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

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