Männer sind in Klassenzimmern selten

In Kitas und Grundschulen arbeiten insgesamt nur 20 männliche Erzieher und Lehrer. Tim Egly ist einer von ihnen und nennt Gründe.

Eigentlich ist Tim Egly ein ganz normaler Mann. Er ist groß, 31 Jahre alt, lebt in Mausbach und macht gerne Musik. Doch Tim Egly ist auch Grundschullehrer und damit eine echte Ausnahme. Denn er ist der einzige männliche Lehrer an den Grundschulen in Mausbach und Gressenich, wo er seit November vergangenen Jahres Musik und Englisch unterrichtet.

 

Dass diese Situation nicht nur in Stolberg so ist, sondern sich deutschlandweit abzeichnet, belegen Zahlen der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft aus dem vergangenen Jahr. Demnach seien etwa 70 Prozent aller Lehrkräfte in Nordrhein-Westfalen weiblich. In den Grundschulen seien es sogar rund 90 Prozent. In Stolberg müssen einige Schulen sogar ganz auf männliches Lehrpersonal verzichten.

 

Für Tim Egly ist das kein Problem. Er fühlt sich unter zehn Frauen in seinem Kollegium in Gressenich sehr wohl. „Es ist schön, der einzige Mann zu sein“, sagt er. Vor allem zu Beginn habe er viel Aufmerksamkeit und Hilfe seiner erfahrenen Kolleginnen bekommen. Dennoch sehe er auch Unterschiede zwischen ihm und den weiblichen Lehrkräften.

 

So könnten seine Kolleginnen beispielsweise besser trösten als er. „Man neigt als Mann oft zu Sprüchen wie: ‚Ist doch nicht so schlimm, steh wieder auf‘“, sagt er, „auch wenn das etwas Gutes sein kann“. Von der Art, wie Frauen miteinander umgehen, habe er aber auch viel lernen können. So könne er mittlerweile – wenn er sich darauf konzentriere – mehreren Menschen zuhören. Das habe er vor seiner Arbeit als Lehrer nicht gekonnt.

 

Was die Qualität des Unterrichts oder die Identifikation der Schüler mit dem Lehrpersonal betrifft, sieht er die Situation weniger kritisch: „Viele Schüler sagen ganz deutlich, dass es schön ist, einen Mann als Lehrer zu haben, es gibt aber auch welche, denen das total egal ist.“ Da sei vielmehr die Person entscheidend, die vor der Klasse stehe, und nicht das Geschlecht.

 

Ähnlich sieht es auch Renate Krickel. Sie ist Schulleiterin der Hermannschule. Dort gibt es zwei Lehrer und 24 Lehrerinnen. „Ich kann keine grundsätzliche Verhaltensänderung feststellen, wenn Kinder einen männlichen Lehrer haben“, sagt sie. Die männlichen Kollegen hätten ähnliche Probleme wie die weiblichen.

 

Gründe für fehlende Lehrkräfte sieht sie zum Beispiel darin, dass das eine Aufgabe sei, die viel Fleiß und Engagement erfordere. Das bestätigt auch die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Stolberg, Susanne Goldmann, mit Blick auf die ähnliche Situation bei den Erziehern (siehe Box): „Das ist vielen Männern zu anstrengend, weil das ein sehr stressiger Beruf ist.“ Ihrer Beobachtung nach seien Frauen eher dazu bereit, im Sozialbereich viel zu leisten. Tim Egly sieht noch einen weiteren Grund, warum gerade Männer das Grundschullehramt weniger attraktiv finden könnten. „Grundschullehrer werden generell schlechter bezahlt als die Kollegen am Gymnasium zum Beispiel“, sagt er. Wenn man eine Familie ernähren wolle, sei das für viele Lehrer entscheidend. Der Unterschied sei sogar so extrem, dass das Gehalt eines verbeamteten Gymnasiallehrers dem entspreche, was an der Grundschule die Leitung verdient. Früher wurde das mit längeren Studienzeiten begründet. Zeitgemäß ist das jedoch schon länger nicht mehr, weil Lehramtsstudenten seit der Einführung von Bachelor und Master gleich lang studieren müssen. Auch bei der Bezahlung der Erzieher sei im Vergleich zu anderen studierten Fachkräften noch Luft nach oben, räumt auch Goldmann ein. Tim Egly kann sich perspektivisch schon vorstellen, an seinen Grundschulen zu bleiben. „Ich schließe es nicht aus, an eine Grundschule zu gehen“, sagt er, weil es ihm großen Spaß mache und es für ihn sehr angenehm sei. Damit wäre er eines der wenigen Vorbilder für andere Lehrer, die mit dem Gedanken spielen, Grundschüler zu unterrichten.

Verhältnis an Kitas und weiterführenden Schulen

 

In Stolberg arbeiten insgesamt 293 Erzieherinnen und Erzieher. Davon sind 9 männlich und 284 weiblich. In städtischen Kindertagesstätten sind die meisten Erzieher beschäftigt. Insgesamt arbeiten dort 170 pädagogische Fachkräfte. Davon sind vier Männer und 166 Frauen. In katholischen Einrichtungen sind es insgesamt 93 Erzieher. Davon sind ebenfalls vier Männer. In evangelischen Einrichtungen sind es zehn Frauen und ein Mann. In den anderen Einrichtungen arbeiten keine Männer und 19 Frauen.

 

Etwas ausgeglichener ist die Situation an weiterführenden Schulen und Förderschulen. An den Förderschulen sind es 44 Frauen und 19 Männer. An weiterführenden Schulen unterrichten 175 Frauen und 85 Männer die Kinder und Jugendlichen. Die auslaufende Hauptschule Kogelshäuserstraße hat als einzige Stolberger Schule mehr männliche Lehrer im Kollegium als Frauen: 11 Frauen und 12 Männer.

 

Quelle: Stolberger Zeitung / Nachrichten

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